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Auf Patrouille in der Innenstadt: Wolfratshausen ist die erste Stadt im Landkreis, in der eine Sicherheitswacht eingeführt wurde. Seit Dezember 2017 gehen vier von der Polizei eigens ausgebildete Ehrenamtliche regelmäßig auf Patrouille. 

Erste Sicherheitswacht im Landkreis

Unterwegs mit der Sicherheitswacht: Streifgang ist kein Ponyhof

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Seit Dezember gibt es in Wolfratshausen eine Sicherheitswacht. Unsere Zeitung war mit Katja Jesper und Günter Perschon auf Streifgang.

Wolfratshausen Ein eisiger Wind weht ums Eck. Die Wetter-App meldet minus fünf Grad. Katja Jesper schlüpft in ihre blaue Einsatzjacke, stellt den Kragen auf, stülpt eine blaue Strickmütze über ihre Lockenpracht und spaziert schwungvoll von dannen. „Das ist ja keine Ponyhof-Veranstaltung“, sagt die Irschenhauserin.

Seit Anfang Dezember 2017, als sie auf dem Christkindlmarkt mit zwei Kollegen der Öffentlichkeit als Sicherheitswacht präsentiert wurde, streift die 48-Jährige regelmäßig durch die Straßen der Flößerstadt. Bei Sonne und Regen, bei Schnee und Eis. „Es soll ja nicht der Eindruck entstehen, wir wären reine Schönwetter-Leute“, pflichtet ihr Günter Perschon bei.

Sicherheitswacht organisiert sich überwiegend selbst

Der Ickinger (65) ist neu im Team. Krankheitsbedingt hatte er seine Sicherheitswacht-Ausbildung bei der Polizei im vorigen Jahr unterbrechen müssen. Seit dem 1. Februar komplettiert er offiziell das Quartett der Patrouillengänger.

„Traumhaft, noch viel besser, als gedacht“, sagt Andreas Czerweny, wenn er gefragt wird, wie das Projekt Sicherheitswacht in der Flößerstadt angelaufen ist. „Die Vier sind zu 100 Prozent integriert“, betont der Wolfratshauser Polizeichef. Außer Jesper und Perschon gehören Andreas Thomas (44) und Frederik Gester (47), beide aus Wolfratshausen, zum Team, das in wechselnden Besetzungen in der Stadt unterwegs ist. Ihre Touren planen sie weitgehend selbst; sowohl zeitlich als auch strategisch. „Sie stimmen sich natürlich mit uns ab“, berichtet Czerweny. „Bei aktuellen Veranstaltungen oder wenn es uns irgendwo nötig erscheint, teilen wir sie schon mal ein, aber gewöhnlich können sie das selbst entscheiden.“

Katja Jesper und Günter Perschon sind zwei von vier Ehrenamtlichen der Sicherheitswacht Wolfratshausen. Unsere Zeitung hat sie auf einem abendlichen Streifgang begleitet. Eine Station war der Kiosk am Bahnhof. Dort blieb Zeit für einen kurzen Plausch. „Die Möglichkeit, mit Menschen in Kontakt zu kommen“, ist das, was Wachmann Günter Perschon an seiner neuen Aufgabe reizt – und ihnen im Falle der Fälle zu helfen.

Etwa drei Stunden dauert ein Einsatz. Im Beisein unserer Zeitung geht es in die Innenstadt – den Fuß- und Radweg am Industriegleis entlang zum S-Bahnhof. Es dämmert bereits, aber die zwei Radfahrer, die ohne Licht dem Feierabend entgegenradeln, kommen ohne Ermahnung davon. „Auf so etwas achten wir schon“, sagt Jesper. Letztens erst habe man einer Mutter (ohne Licht am Rad) erklären müssen, dass sie ihren Kindern ein schlechtes Vorbild ist. Es sind hauptsächlich solche vermeintlichen Kleinigkeiten, mit denen die ehrenamtlichen Helfer konfrontiert werden. Dazu zählen Hundehalter, die ihre Vierbeiner frei herumlaufen lassen – und auf die Leinenpflicht im Stadtgebiet hingewiesen werden müssen. „Aber nicht oberlehrerhaft“, betont Jesper. „Es geht darum, den Dialog zu finden. Doch Wildbiesler, die auf frischer Tat ertappt werden, müssen sich auf eine Predigt gefasst machen. „Ein Problem sind die Bettler in der Stadt, zum Beispiel auf der Johannisbrücke“, sagt Günter Perschon. „Die packen zwar zunächst ihre sieben Sachen ein. Aber kaum sind wir weg, kommen sie wieder.“ An diesem Abend ist es definitiv zu kalt für freilaufende Hunde, Wildbiesler und Bettler. Ein junger Mann fragt nach dem Weg zum Humplbräu, eine ortsunkundige Seniorin hat sich bei der Suche nach der Loisachhalle verlaufen. Viel mehr ist nicht los in der Stadt, in der um diese Uhrzeit nach und nach die Lichter in den Schaufenstern erlöschen.

Möglichkeit, mit Menschen in Kontakt zu kommen

Am Kiosk beim S-Bahnhof kennt man sich bereits. Die Streifengänger ratschen kurz mit zwei Herren, die noch schnell eine Halbe trinken, bevor die Kioskbetreiberin ihren Laden verriegelt. „Das gefällt mir an dem Job: die Möglichkeit, mit Menschen in Kontakt zu kommen“, sagt Wachmann Perschon. Bis zu seinem Ruhestand 2015 genoss der ehemalige Außendienstmitarbeiter einer Versicherung tagtäglich den Kontakt mit seinen Kunden. Das fehle ihm, gesteht der 65-Jährige. Die soziale Komponente sei mit ein Grund dafür gewesen, dass er sich für die Sicherheitswacht beworben hat.

Menschen helfen

Ein zweiter Aspekt: Er will Menschen helfen. Wie dem Asylbewerber, dem der letzte Bus nach Deining vor der Nase weggefahren war. „Der Mann war total aufgebracht, völlig gefrustet, hat nur gemotzt“, erinnert sich Jesper an ihren bislang schwierigsten „Fall“. Eine halbe Stunde dauerte es, bis der Mann endlich mit sich reden ließ und verstand, was Jesper ihm sagen wollte: „Wir können Dir helfen.“ Weil die Polizei nicht sofort eine Streife abstellen konnte, begleiteten Jesper und ihr Kollege Perschon den Asylbewerber zur Caritas. Dort fand sich jemand, der ihn nach Hause fuhr. „Das sind die Momente, in denen es einen freut, das man helfen konnte“, sagt Jasper.

An diesem Abend reduziert sich die Freude mangels besonderer Vorkommnisse darauf, Wind und Kälte getrotzt zu haben. „Wir waren zwei Stunden an der frischen Luft. Das ist doch auch was“, stellen die zwei fest und lachen. Ein zweiter Vorteil: Das Ausfüllen des Streifenberichts, der nach jedem Rundgang geschrieben werden muss, ist diesmal schnell erledigt.

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