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Unverpackt-Läden kämpfen sich durch die Krise: Corona kommt nicht in die Tüte

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Start unter erschwerten Bedingungen: Kaum hatten Martina und Bernd Steuer ihren „Ohnverpackt“-Laden in Wolfratshausen eröffnet, galten die corona-bedingten Beschränkungen. © Hermsdorf-Hiss

Wer Plastikmüll vermeiden will, kauft gerne in einem Unverpackt-Laden ein. Doch das Coronavirus hatten Händler und umweltbewusste Kunden nicht auf der Rechnung.

Bad Tölz-Wolfratshausen Im Kampf gegen den Plastikmüll versuchen immer mehr Menschen, unverpackte Waren zu kaufen. In Zeiten von Covid-19 können die oft doppelten und dreifachen Verpackungen aber durchaus vertrauenserweckend wirken. Unsere Zeitung hat bei den Unverpackt-Läden des Landkreises nachgefragt, wie sich das Coronavirus auf das Geschäft auswirkt.

„Seit Beginn der Corona-Krise sind die Kundenzahlen deutlich zurückgegangen“, berichtet Sabine Riesch, Geschäftsführerin des „Ois Ohne“ in Bad Tölz. Den Grund dafür sieht sie aber nicht im Fehlen der Verpackungen, wie man sie im normalen Supermarkt findet. „Ich denke, die Leute gehen aktuell pragmatischer einkaufen. Sie bummeln nicht, sie planen mehr.“ Dadurch gehen ihr Kunden verloren, die bei ihr nur bestimmte Lebensmittel kaufen. Im „Ois ohne“ gibt es zum Beispiel kein Obst und Gemüse. In der jetzigen Situation entscheiden sich die Kunden aber oft, alles in einer Tour zu besorgen, und das im Bio- oder Supermarkt. „Auch Berufstätige, die hier in Bad Tölz arbeiten und auch einkaufen, sind nun vielleicht im Homeoffice und kommen daher nicht mehr in den Laden.“

Schöpfkellen, Griffe: Alles wird regelmäßig desinfiziert

Mit den Abstandsregeln und der Bedeckungspflicht für Mund und Nase sind im „Ois Ohne“ weitere Vorsichtsmaßnahmen eingeführt worden. „Schöpfkellen, Griffe und Klinken desinfizieren wir regelmäßig“, sagt Riesch. Die Lebensmittelbehälter sind stets geschlossen und werden vor jedem Befüllen gründlich gereinigt. Dieses Vorgehen sei aber auch unabhängig von Corona selbstverständlich. Das Mittagstisch-Angebot im Bistro des Geschäfts musste das Team in den vergangenen Wochen aus dem Programm nehmen. Seit einigen Tagen ist die Terrasse aber wieder geöffnet, und es gibt eine Mahlzeit.

Geschäftseröffnung am Tag vor dem Lockdown

Bernd Steuer weiß noch gar nicht, wie in seinem Laden „Ohnverpackt“ der Normalbetrieb aussieht: „Wir haben am 13. März eröffnet, wenige Tage bevor sämtliche Beschränkungen in Kraft getreten sind.“ Am Anfang haben er und seine Frau Martina sich deswegen große Sorgen gemacht. Sie fürchteten, dass die erschwerten Startbedingungen dem Geschäft in Wolfratshausen das Genick brechen. Inzwischen ist die Lage stabil, so Steuer. Aber er ist überzeugt, dass die Eröffnung unter normalen Umständen mehr Kunden angezogen hätte. „Wir hätten ohne Corona mehr Umsatz gemacht. Aber wie viel mehr, das wissen wir nicht.“

Steuer vermutet, dass unerfahrene Käufer der Verdacht beschleichen könnte, Unverpackt-Läden seien weniger hygienisch als die üblichen Supermärkte. „Aber das stimmt nicht. Die Produkte sind verschlossen und alle Behälter werden regelmäßig desinfiziert.“ 

Das Abfüllen übernimmt das Personal

Auch das „freiZeit“ in Bairawies ist seit Ausbruch der Pandemie weniger frequentiert. „Wir betreiben in erster Linie ein Café, an das ein kleiner Laden anschließt“, erklärt Betreiberin Jasmin Seitner-Spangenberg. Wegen der Corona-Krise öffnet sie nur noch am Wochenende: „Die Leute sind einfach weniger unterwegs.“

Das Sortiment des Unverpackt-Ladens lässt sie nun langsam auslaufen. Die großen Mengen, von denen sich Kunden etwas abfüllen können, werden einfach zu langsam verbraucht. „Die Anschaffung von 30 Kilo-Säcken lohnt sich nicht, und auch der Einkauf teurer Kosmetik ist mir momentan nicht möglich“, bedauert Seitner-Spangenberg. Bedenken wegen der Hygiene im Laden kann sie zerstreuen. Das Abfüllen übernimmt seit Beginn der Krise das Personal. „An die Produkte in den Röhren kommt niemand heran, und die Schütten sind mit Deckeln versehen.“ Auch im normalen Betrieb sei ständig jemand vom Personal präsent gewesen, der alles im Blick hat und Neulingen hilft.

In dieser angespannten Zeit hätte sich Seitner-Spangenberger von offizieller Seite genauere Vorschriften gewünscht. „Es ist alles etwas undurchsichtig. Explizite Vorgaben – Schwarz auf Weiß – würden helfen.“ lm

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