Der gefällte Maibaum der Kolpingsfamilie liegt an der alten Flößlände.
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An der alten Floßlände

Verantwortung zu groß: Kolpingsfamilie lässt Maibaum kappen

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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Ihren Maibaum hat die Kolpingsfamilie Wolfratshausen am Samstag gefällt. Ein Gutachten hatte empfohlen, den Baum umzulegen.

  • Zwei Maibäume sind in Wolfratshausen umgelegt worden
  • Grund dafür war ein Gutachten, das den Bäumen einen schlechten Zustand bescheinigt hat
  •  In beiden Fällen ist das Innere des Stammes von einem Pilz befallen

Wolfratshausen – Samstag, 10.07 Uhr, an der alten Floßlände in Wolfratshausen: Das laute Geräusch einer Motorsäge ist zu hören, dann der Ruf „Achtung, der Baum fällt“. 10.15 Uhr: Der Maibaum der Kolpingsfamilie ist Geschichte, liegt zum Teil zerborsten auf der Grünfläche. Ebenso wie vergangene Woche sein Kollege aus Weidach wurde er bis kurz über das Rautenteil gekürzt. „Schad is‘“, ist immer wieder seitens des zahlreich erschienenen Publikums zu hören. Dabei hätte es für den Maibaum noch eine kleine Hoffnung gegeben.

Ein Gutachter hatte über beide Bäume nach einer Prüfung den Daumen gesenkt und die Empfehlung ausgesprochen, sie umzulegen. Einem Rat, dem man nachkommen sollte: Denn wenn der Stamm durch Pilze morsch oder faul geworden ist, gibt es rein aus versicherungstechnischen Gründen keine Wahl.

In Weidach jedoch regten sich nach der Fällung Zweifel: War der Baum wirklich bereits in so einem schlechten Zustand? Bürgermeister Klaus Heilinglechner hatte sich selbst vor Ort ein Bild gemacht und Verfärbungen entdeckt, wollte diese aber im Gespräch mit unserer Zeitung nicht bewerten. „Ich bin kein Baumexperte.“

Baum nicht auf eigene Verantwortung stehen lassen

Dennoch machte die Stadt der Kolpingsfamilie ein Angebot: Sie können auf eigene Verantwortung den Baum stehen lassen und ein weiteres Gutachten in Auftrag geben. Nur erwies sich die Übermittlung der Nachricht wie in der Geschichte der zwei Königskinder, die nicht zueinander finden konnten, als schwierig. Die Stadt versuchte den Vorsitzenden der Kolpingsfamilie, Sebastian Rid, zu erreichen – nur war dieser in der Arbeit, als das Telefon klingelte. Und als er nach Hause kam, war wiederum das Rathaus nicht mehr besetzt. „Ich erfuhr am Freitag um 13.30 Uhr, was Sache ist“, sagt er. „Das war zu kurzfristig, da alles für die Fällung am Samstag bereits in die Wege geleitet war.“

Auch Gegengutachten kostet Geld

Die Vorstandschaft der Kolpingsfamilie beriet sich – und entschied sich dazu, den 2019 aufgestellten Baum zu kappen. „Denn“, so fragt Rid, „was ist, wenn wirklich etwas passiert, bis wir ein zweites Gutachten bekommen?“ Eine Verantwortung, die man nicht übernehmen konnte. „Wenn irgend jemanden etwas passiert wäre, wäre das unverzeihlich.“ Und: Auch das Gegengutachten kostet.

Ob die Kolpingsfamilie mit der Aufstellung eines neuen Maibaums im Turnus bleibt, oder früher mit Scherstangen und Muskelkraft einen Nachfolger aufstellt, steht noch in den Sternen. „Denn da ist ja auch noch Corona“, so Rid. „Auch hier bleibt die Entwicklung abzuwarten, was wann wieder erlaubt ist.“  

sh

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