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Ein Eritreer (21) soll in Wolfratshausen eine 28-Jährige vergewaltigt haben.

Frau von Asylbewerber in Wolfratshausen vergewaltigt?

Sex-Prozess: Blutspur führte von Asylheim zum Tatort

Wolfratshausen - Hat ein Eritreer (21) eine Frau (28) in Wolfratshausen vergewaltigt? Der zweite Verhandlungstag am Landgericht wirft Fragen auf. Täter und Opfer machen widersprüchliche Angaben.

++ Update vom 17.02.2016: Das Landgericht München hat in dem Prozess inzwischen ein Urteil gefällt.

Eine Frau beißt einem Mann ein Stück von dessen Zunge ab. Sie behauptet, vergewaltigt worden zu sein. Der mutmaßliche Täter sitzt seit dem 4. Juni 2015 in Untersuchungshaft. Er muss sich derzeit wie berichtet vor der Jugendstrafkammer des Landgerichts München II verantworten. Der zweite Verhandlungstag im Prozess gegen einen Eritreer (21), der unter der Johannisbrücke in Wolfratshausen eine aus der Ukraine stammende gelernte Reiseverkehrskauffrau (28) vergewaltigt haben soll, warf viele Fragen auf.

Der Asylbewerber behauptete, zwei Araber hätten ihn überfallen

„Ich habe ihm gleich gesagt: ,Wir gehen nach Hause, lass’ das Mädchen in Ruhe‘“, erklärte ein Bekannter (21) des Angeklagten, der in der Tatnacht mit dem 28-Jährigen unterwegs war und die Frau in der Nähe des Lokals Abendblatt/Brückenwirt getroffen hatte. Während er selbst kurz darauf den Heimweg antrat, stand der Beschuldigte erst sehr viel später vor der Tür. Er blutete aus dem Mund. „Er sagte, zwei Araber hätten ihn überfallen, ihm 50 Euro abgenommen und die Zungenspitze abgeschnitten“, erklärte der Zeuge. „Die Geschichte habe ich ihm nicht geglaubt. Ich habe gedacht, dass es etwas mit dem Mädchen zu tun hat.“

Die Polizei verfolgt eine Blutspur bis zur Johannisbrücke

Die Polizei tappte zunächst im Dunkeln. „Wir haben in der Nacht nicht erfahren, was passiert war“, sagte der Beamte aus, der eine Blutspur von einer Asylbewerberunterkunft bis zur Johannisbrücke zurückverfolgte und dort die abgebissene Zungenspitze fand. Erst zwei Tage später kam Licht in die Sache, als ein aufgeregter Anrufer die Polizei über Ärger in der Unterkunft informierte: „Zwei Frauen zerren einen Schwarzen aus dem Haus.“

Die Geschädigte und eine Freundin hatten die Angelegenheit offenbar selbst in die Hand genommen und in der Unterkunft nach dem mutmaßlichen Täter gesucht. Gegen die Ukrainerin läuft deswegen ein eigenes Verfahren. Die 28-Jährige habe sich in der Flüchtlingsunterkunft von einigen Männern jeweils die Zunge zeigen lassen, „dann war ihr klar, wer der Mann war, der sie angegangen hatte“, berichtete eine Polizistin. Nachdem die zwei aufgebrachten Frauen in der Unterkunft ihre Version der Tat geschildert hatten, wurde eine Streife alarmiert, die den 21-jährigen Eritreer an Ort und Stelle festnahm.

Auch die Geschädigte verstrickt sich in unterschiedlichen Aussagen

Erst zwei Tage später vor dem Haftrichter räumte der Angeklagte ein, dass er den nächtlichen Überfall durch Araber auf ihn erfunden habe. Dann schilderte der 28-Jährige, was er auch am ersten Verhandlungstag am Mittwoch vor Gericht zu Protokoll gegeben hatte: Die Frau habe ihm Sex angeboten, wenn er ihr 50 Euro zahle.

Auch die Geschädigte machte in ihren Aussagen unterschiedliche Angaben. Während sie in der Verhandlung behauptete, sie „stehe nur auf Frauen“, machte sie im Verhör gegenüber einem Kripobeamten voneinander abweichende Angaben zu ihren sexuellen Neigungen. Auch hinsichtlich des schwerwiegendsten Anklagepunktes, der Beschuldigte habe sie mit einem Finger vergewaltigt, machte die Ukrainerin unterschiedliche Angaben.

Beide waren zum Tatzeitpunkt stark alkoholisiert

Das Gericht äußerte starke Zweifel an diesem letzten Detail. Vor allem, weil die ehemalige Lebensgefährtin der mehrfach vorbestraften Geschädigten nach einer ähnlichen – nachgewiesen erfundenen Geschichte – wegen falscher Verdächtigung verurteilt worden war. Unstrittig ist, dass beide unmittelbar an der Tat Beteiligten ebenso wie der Freund des Angeklagten zum Tatzeitpunkt stark alkoholisiert waren. Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt.

von Rudi Stallein

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