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Verhandlung vorm Amtsgericht

Wolfratshauser (50) kündigt Eklat im Gerichtssaal an

Der Anruf erreichte das Amtsgericht in der Früh um 8.15 Uhr. Über seine Verteidigerin, die ihr Mandat jedoch bereits niedergelegt hatte, ließ der Angeklagte ausrichten, es komme bei seiner Verhandlung zu einem „Eklat“. Er empfehle, Sicherheitspersonal im Sitzungssaal zu postieren.

Wolfratshausen – Bei Verhandlungsbeginn 45 Minuten später nahmen neben Staatsanwalt, Verteidiger und einem Gutachter zwar auch ein Wachmann sowie ein als Zeuge geladener Polizeibeamter im Saal Platz. Wer nicht erschien, war der angeklagte Wolfratshauser (50). Daraufhin schickte der Richter eine Streife zur Wohnung des Beschuldigten, um ihn vorführen zu lassen. Der Mann sollte sich wegen Missbrauchs von Notrufen verantworten. Die Anklageschrift umfasste vier Punkte.

Wolfratshauser stand nicht das erste Mal vor Gericht

Es war nicht das erste Mal, dass der Wolfratshauser vor Gericht stand. Ende Februar 2015 war der „Politikwissenschaftler, Historiker, Völkerrechtler und Versicherungsfachmann“ – wie er seine Berufe seinerzeit angab – wegen Beleidigung in sechs Fällen sowie Missbrauchs von Titeln und Berufsbezeichnungen zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt worden. Die Strafe war für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt worden.

Der Angeklagte verzweifelt an der Welt

In der Verhandlung am 25. Februar 2015 zeigte sich der bereits zwei Mal wegen Beleidigung zu Geldstrafen verurteilte 50-Jährige uneinsichtig und missverstanden. Die Anklage führte der Beschuldigte darauf zurück, „dass Leute nicht zuhören können oder nicht zuhören wollen.“ Er verzweifle an dieser Welt, ließ er damals das Gericht in seinem umfangreichen letzten Wort wissen.

Gericht regt Einlieferung in psychiatrische Klinik an

Der wegen seines Fernbleibens bei der Verhandlung angeordnete Polizeieinsatz blieb erfolglos. Darauf hin regte das Gericht an, den Wolfratshauser zur Untersuchung in eine psychiatrische Klinik einzuliefern. „Die Verhaltensauffälligkeiten und die sich seit Jahren beim Angeklagten anbahnende Entwicklung erfordern eine gründliche neurologische Untersuchung“, erklärte der Gutachter. Er halte „eine längere stationäre Begutachtung für dringend notwendig“. Staatsanwalt und Verteidiger schlossen sich dieser Meinung an.

Daraufhin ordnete Richter Helmut Berger die Unterbringung an, aber für höchsten sechs Wochen. Diese Maßnahme sei „erforderlich und medizinisch angezeigt, um sich einen konkreten Eindruck zur Frage der Schuldfähigkeit des Angeklagten zu verschaffen“, diktierte Berger ins Sitzungsprotokoll.

Von Rudi Stallein

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