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Dr. Ulrike Krischke: Die Stadträtin der BVW hat Wien als positives Beispiel ausgemacht, wie sich innerstädtischer Verkehr reduzieren lässt.

Verkehr in Wolfratshausen

Verkehr in Wolfratshausen - Bürgervereinigung: „Wir müssen uns die Stadt zurückholen“

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Ein bedeutendes Problem unserer Zeit bildet der stets zunehmende Verkehr in Städten. Darüber beriet sich nun auch die Bürgervereinigung Wolfratshausen - und hatte Lösungsvorschläge parat. 

Wolfratshausen – Wer am Donnerstagabend den Roten Salon der Flößerei betrat, wunderte sich zunächst über die kreisförmig angeordneten Tische. „Es ist Zeit, etwas zu ändern“, erklärte Thomas Eichberger. Der Vorsitzende der Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW) will mit dem neuen Veranstaltungsformat „#BVWOR aktiv“ (wir berichteten) alle Altersgruppen ansprechen und die Diskussion durch eine neue Sitzordnung fördern. Die bislang gebräuchlichen Bezeichnungen „Monatsversammlung“ oder „politischer Stammtisch“ würden viele junge Menschen eher abschrecken, meine Eichberger.

Dass sich der Raum mit rund drei Dutzend Interessierten füllte, dürfte aber vor allem an der Themensetzung gelegen haben. Denn die sich stetig verschärfende Verkehrsproblematik in der Flößerstadt bewegt viele Bürger. „Wir müssen uns die Stadt zurückerobern“, forderte Dr. Ulrike Krischke. Die BVW-Stadträtin hatte sich intensiv mit den Verkehrskonzepten anderer Kommunen auseinandergesetzt. Als positives Beispiel nannte sie Wien. In der Hauptstadt Österreichs werde nur ein Flächenanteil von etwa 30 Prozent den Autos eingeräumt. „Der Rest gehört den Fußgängern und Radfahrern“, berichtete Krischke. In Deutschland sei das Verhältnis nahezu umgekehrt.

Laut einer 2016 erhobenen sogenannten Modal-Split-Umfrage der Stadt Wolfratshausen gibt es pro Tag zirka 15 000 Fahrzeugbewegungen innerhalb der Stadtgrenzen. „Das ist wahnsinnig viel“, urteilte Krischke. Sie forderte einen kostenlosen Stadtbusverkehr. Auch für Fahrten in die Nachbarstadt Geretsried solle ihrer Ansicht nach kein Fahrentgelt erhoben werden, um den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel attraktiv zu machen. Darüber hinaus pochte sie auf die Förderung der E-Mobilität und die Bereitstellung von digitalen Anforderungsmöglichkeiten für Rufbusse.

Michael Hanak gab Krischke zwar Recht, dass der regionale Busverkehr am besten kostenfrei zur Verfügung stehen müsse. Jedoch falle es ihm als München-Pendler zunehmend schwer, auf die Pünktlichkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln wie der S-Bahn zu vertrauen. „Ich werde wohl im nächsten Jahr wieder aufs Auto umsteigen“, kündigte Hanak an.

Heinz Wensauer, Stammgast bei vielen öffentlichen politischen Veranstaltungen, befürchtet angesichts der großen Wohnbauprojekte in Geretsried – zum Beispiel an der Banater Straße – eine weitere Zunahme des Autoverkehrs. Der Bau von mehreren hundert Wohnungen „wird sich auf Wolfratshausen auswirken“, stellte Wensauer fest. Er und Fritz Koch forderten eine eigene Verkehrsanbindung für Geretsried, sodass Wolfratshausen entlastet werde.

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Zur Alternative Rad: Die Sicherheit der Radfahrer ist in den Augen von Michael Ballon in der Flößerstadt aufgrund enger Fahrbahnen und „rücksichtsloser Autofahrer“ kaum gewährleistet. Immerhin versprach Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW), dass die Stadt im kommenden Jahr an der Sauerlacher und an der Königsdorfer Straße Fahrradstreifen einrichten wird. Ob diese wirklich zur Sicherheit beitragen, war bei den Diskussionsteilnehmern umstritten.

Krischke will auf jeden Fall in den kommenden Monaten weitere Ideen der Bürger sammeln, um dann entsprechende Anträge an den Stadtrat zu formulieren.

ph

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