Warten auf Kundschaft: Christl Müller, Inhaberin des Festmodenhauses in Wolfratshausen, spürt noch immer die Auswirkungen der Pandemie. Viele Paare haben ihre Hochzeit wegen der unsicheren Lage nochmals verschoben.
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Warten auf Kundschaft: Christl Müller, Inhaberin des Festmodenhauses in Wolfratshausen, spürt noch immer die Auswirkungen der Pandemie. Viele Paare haben ihre Hochzeit wegen der unsicheren Lage nochmals verschoben.

Im Kreis kein Ansturm auf Standesämter – In Restaurants könnte es besser laufen

Verliebte warten mit der Hochzeit

  • VonElena Royer
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  • Dominik Stallein
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Viele Paare haben ihre Hochzeit wegen Corona vom vergangenen Jahr auf heuer verschoben. Nach den jüngsten Lockerungen gibt es nun zum Beispiel in München einen regelrechten Ansturm auf die Standesämter. Im Landkreis geht es derzeit vergleichsweise entspannt zu.

Bad Tölz-Wolfratshausen - „In Bad Tölz hatten wir im letzten Jahr die ganze Zeit über Hochzeiten“, sagt Birte Otterbach, die Pressesprecherin der Stadt. „Bei uns sind trotz Corona weitestgehend keine Paare abgesprungen.“ Trotzdem ist der Terminkalender für dieses Jahr bereits sehr gut gefüllt. „Wir haben bis Ende Oktober aktuell keine freien Termine mehr, erst ab November ist die Situation etwas entspannter.“ Im Vergleich zu 2019, als es 218 Trauungen im Standesamtsbezirk Bad Tölz mit den angeschlossenen Gemeinden gab, waren es 2020 mit 208 Trauungen nur unwesentlich weniger. 2021 gab es bislang 97 Trauungen (Stand vom 7. Juli), wobei laut Otterbach alleine im Juli für die verbleibenden Tage noch über 20 Trauungen anstehen.

„Bei uns sind viele Paare vom letzten Jahr auf dieses ausgewichen“, sagt Nicole Lutterer, die Geschäftsleiterin des Standesamtes Kochel. „Trotzdem halten sich die Anfragen in Grenzen, das ist alles im Normalbereich.“

Das bestätigt Elisabeth Kell, Standesbeamtin am Standesamt in Lenggries. „Es ist nicht anders als in den anderen Jahren. Einen Boom haben wir nicht, da viele Einheimische während der Pandemie trotzdem ihre Termine wahrgenommen haben.“ In Lenggries gibt es jeden Monat einen Samstagstermin zum Heiraten. „Der ist stark gefragt, aber insgesamt sind wir nicht ausgebucht.“

Die Wolfratshauser Standesbeamtin Petra Konrad merkt, „dass ein paar aus dem letzten Jahr dazukommen, aber es sind nicht wesentlich mehr“. Wie in allen Jahren hätten sie 100 bis 120 Hochzeiten pro Jahr, das sei auch im vergangenen Jahr so gewesen. „Wir hören aber von anderen Standesämtern, dass es schwer ist und bekommen auch einige Anfragen aus München.“

Weniger Buchungen in den Gasthäusern

Anders als bei den Standesämtern sieht es bei den Gasthäusern für die anschließende Feier aus. Dort herrscht eher Zurückhaltung. „Wir haben nicht so viele Buchungen wie vor Corona“, sagt Josef Lautenbacher, Inhaber des Gasthauses Holzwirt in Ascholding. „Große Hochzeiten mit 180 Leuten gehen nicht, und reduzierte Hochzeiten möchte niemand feiern. Deshalb ist es momentan eher ruhig.“ Für den Herbst sind laut Lautenbacher aber einige Feiern geplant.

„Durchwachsen“ ist es aktuell im Posthotel Hofherr in Königsdorf, wie Wirtin Lydia Hofherr berichtet. „Die Leute möchten gerne wieder feiern, aber nicht mehr so groß, lieber mit weniger Leuten.“ Im nächsten Jahr wird es laut Hofherr aber eine doppelte Hochzeitssaison geben. „Wir haben schon viele Anmeldungen.“

Und im Kurhaus in Bad Tölz? „Es sind nicht viele Hochzeiten. Die, die wir machen dürfen, machen wir“, sagt Wirt Pablo Landauer. „Aber Hochzeiten mit 40 bis 50 Gästen sind nicht unsere Haupthochzeiten.“ Eine Feier lohne sich für die meisten schlichtweg nicht, da die Beschränkungen zurzeit nur Feste mit 50 Gästen erlauben, bei denen das Personal mitgezählt werden muss. „Für uns ist die Saison gelaufen“, so Landauer. Er erklärt, dass die meisten Gäste ihre Feier komplett stornieren, da sie nicht die Hälfte ausladen wollen – oder weil die Familienplanung inzwischen schon vorangeschritten sei. „Die Nachfrage wäre da, wir wären über ein Jahr ausgebucht, aber unser Haus ist leer, weil man nicht feiern darf. Das ist eine bittere Zeit.“

Alles andere als einfach ist die Situation auch für Brautmode-Läden. Ewa Materak, Inhaberin des Modestudios in Bad Tölz, weiß: „Die Leute haben Angst vor dem nächsten Lockdown. Sie sind unsicher, ob ihre Hochzeit tatsächlich stattfinden kann. Das verdirbt die Laune, deshalb geben sie nicht gerne Geld aus.“ Ihre Tochter Sabina Materak ergänzt: „Die richtige Hochzeitssaison, die sonst immer von April bis Oktober ging, gibt es nicht mehr. Wir stellen uns darauf ein, dass die Saison aufgrund von Corona früher endet.“

Es gibt schon ein paar Hochzeiten, aber die meisten Paare haben ihren Termin noch einmal verschoben

Christl Müller, Inhaberin des Festmodenhauses Wolfratshausen

Die meisten weißen Kleider, die im Festmodenhaus Wolfratshausen hängen, warten schon lange auf eine Braut. Von einem Ansturm auf das Geschäft von Christl Müller kann keine Rede sein. „Es gibt schon ein paar Hochzeiten, aber die meisten Paare haben ihren Termin noch einmal verschoben“, sagt sie. Die wenigen Bräute, die sich noch in diesem Sommer trauen werden, hätten ihr Wunschkleid schon vor Monaten gefunden. Ein bisschen Hoffnung hat die Händlerin auf einen goldenen Herbst mit vielen Hochzeiten. „Vielleicht kaufen dann ein paar Bräute bei uns ein“, sagt Müller. Größer ist ihr Optimismus – ein Abklingen der Pandemie vorausgesetzt – für das kommende Jahr. „Dann finden hoffentlich wieder mehr Feiern statt“ – und ihre weißen Gewänder finden eine Besitzerin, die darin den schönsten Tag ihres Lebens verbringt.

oy/dst

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