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Schiffbruch: Leichtsinnige und nicht selten alkoholisierte Schlauchbootfahrer bringen sich und die Rettungskräfte in große Gefahr . 

Sind die Verordnungen wirklich sinnvoll?

Verordnungen zum Schutz der Isar - diese Kritiken kamen dazu in der Wolfratshauser Bauausschusssitzung auf

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Die Isar ist zu stark belastet. Zum Schutz des Flusses will der Landkreis eine Verordnung erlassen. Viel Kritik hagelte es in der Wolfratshauser Bauausschussitzung zu dem Arbeitspapier. 

Wolfratshausen – Die Belastung der Isar durch Freizeitkapitäne und deren Passagiere hat für Naturschützer die Grenze des Erträglichen längst überschritten. Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen will vor diesem Hintergrund wie berichtet eine Verordnung erlassen. Die Kommunen entlang des Wildflusses sind aufgerufen, zu dem Entwurf Stellung zu beziehen. In der jüngsten Bauausschusssitzung in der Stadt Wolfratshausen wurde Kritik an dem Arbeitspapier laut. Insbesondere die CSU-Räte rätseln: Wer soll die Einhaltung der Regeln kontrollieren?

Das Anhängen von unbesetzten Beibooten ist untersagt, verboten ist auch das Zusammenbinden von Booten. Die Bootfahrer dürfen „nicht mehr als 0,25 mg/l oder mehr Alkohol in der Atemluft“ haben, heißt es in dem Entwurf – „oder 0,5 Promille oder mehr Alkohol im Blut oder eine Alkoholmenge im Körper haben, die zu einer solchen Atem- oder Blutalkoholkonzentration führt“. Kinder bis zwölf Jahre und Nichtschwimmer müssen Rettungswesten tragen, „das Mitführen von Glasflaschen oder Glasgefäßen aller Art ist untersagt“: Die Entwurfsverordnung umfasst mehr als ein Dutzend Regelungen, sie lässt jedoch Ausnahmen zu.

Dass es künftig verbindliche Vorgaben geben muss, räumten die Bauausschussmitglieder ein. Wenngleich das bedauerlich sei, so Bürgermeister Klaus Heilinglechner: „Weil wenige sich nicht anständig benehmen können, müssen viele darunter leiden.“ Heilinglechner, selbst Feuerwehrmann in Weidach, hat aber auch die Rettungskräfte im Auge, die manchmal unter Einsatz ihres eigenen Lebens havarierte Frauen, Männer und Kinder aus den kalten Fluten ziehen müssen.

Richard Kugler (parteifrei für die CSU) glaubt nicht daran, dass die Einhaltung der Verbote und Gebote überprüft werden kann: „Bootfahrer dürfen nicht mehr als 0,5 Promille haben – wer kontrolliert das?“ Die Isar-Ranger (der Landkreis möchte deren Zahl von sechs auf neun aufstocken) seien dazu „weder befähigt noch befugt“, sagte CSU-Fraktionschef Günther Eibl. Die Vorstellung, dass Isar-Ranger auf dem Fluss oder am Uferbereich Alkoholkontrollen durchführen, sei für ihn „lachhaft“.

Eibl stört aber viel mehr, dass Bootsfahrten auf der Isar nur von Anfang Juni bis Mitte Oktober zwischen 7 und 20.30 Uhr erlaubt sein sollen. Warum sollten Frühaufsteher bis 7 Uhr warten müssen – und warum dürfe im Wonnemonat Mai keiner aufs Wasser? „Wenn einer, der’s kann, mit Neopren ausgerüstet am Neujahrstag über die Isar fahren will, dann soll er’s meiner Meinung nach tun dürfen“, so der CSU-Fraktionschef. Sein Fazit zum Verordnungsentwurf: „Alles nochmal zurück auf Los“, die Gemeinden entlang der Isar sollten sich zusammensetzen und eine neue Verordnung erarbeiten.

„Verordnungen machen nur Sinn, wenn die Mehrheit, die sie betrifft, sie nachvollziehen können“, stellte Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD) fest. Sein Gegenbeispiel: Die Schlauchbootbesatzungen dürfen maximal 0,5 Promille intus haben – wer eine Floßfahrt buche, dürfe sich „hagelvoll“ nach München schippern lassen.

Der Sprecher der Bürgervereinigung, Josef Praller, kann nicht nachvollziehen, dass das „Anlanden und Betreten von Kiesinseln“ nur im Notfall erlaubt sein soll. Dass für Bootfahrer Kiesinseln, die als Brutplatz gekennzeichnet sind, tabu sind, sei bekannt. Doch was spreche dagegen, auf einer x-beliebigen Kiesinsel eine Pause zu machen „und eine Wurstsemmel zu essen“.

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Widersinnig ist für Kugler das Verbot des „Gumpenspringens“. Zum einen könne die Einhaltung nicht überwacht werden, zum anderen „gibt’s auf der Isar gar keine Gumpen“. Einig waren sich die Mitglieder des Bauausschusses in puncto Glasflaschenverbot. Das sei aufgrund der Verletzungsgefahr „sehr sinnvoll“, sagte Schnaller.

Grundsätzlich stimmte das Gremium der Bootsverordnung schließlich zu, summa summarum acht Regelungen in dem Entwurf sollten allerdings noch einmal „hinterfragt“ werden.

Info

Der Entwurf der Isar-Verordnung ist auf der Homepage der Stadt Wolfratshausen (www.wolfratshausen.de) zu finden und liegt im Rathaus öffentlich aus. Bürger können bis 11. Januar eine Stellungnahme dazu abgeben.

cce

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