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Ach Du dickes Ei: Albert Hofmann hat das perfekte Ei berechnet. Der Ingenieur aus Wolfratshausen ist begeistert von dessen harmonischer Form – der 80-Jährige sammelt Mineralieneier.

Auf der Suche nach der perfekten Form

Verrücktes Hobby: Albert Hofmann (80) erforscht Eier

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Wolfratshausen – Das Hobby von Dr. Albert Hofmann (80) klingt verrückt: Er erforscht die Form von Eiern – mit einem Augenzwinkern. Schüler müssen sich jetzt sogar vor neuen Aufgaben im Matheabitur fürchten.

Er hat zwar einen großen Garten mit Blick auf die Loisach, aber Hühner hat er nicht. Das ist ein bisschen überraschend, weil sich Dr. Albert Hofmann (80) aus Wolfratshausen liebend gern mit Eiern beschäftigt. Zum Frühstück isst er sie, zum Backen und Kochen schlägt er sie auf – und für die Wissenschaft vermisst er sie.

Der Ingenieur ist in München aufgewachsen, hat an der Technischen Universität München studiert und sich beruflich für Linde mit Wärmedämmung und Tieftemperaturtechnik beschäftigt. Jetzt ist er auf der Suche nach der perfekten Ei-Form. Und er hat sie gefunden.

Am Mittwoch steht er plötzlich in unserer Redaktion. Ein grauhaariger Mann, mit Brille auf der Nase und Grinsen im Gesicht. „Am Freitag ist doch Welt-Ei-Tag“, sagt er. „Das habe ich in Ihrer Zeitung gelesen. Ich hab’ da was.“ Er hält zwei Zettel in der Hand. Die Vorderseite ist bedruckt mit einem englischsprachigen, wissenschaftlichen Artikel Hofmanns aus dem Jahr 2006. Mit vielen Formeln, Zahlen, Tabellen und Diagrammen. Thema: „The thermal conductivity of cryogenic insulation materials“, was so viel heißt wie „Wärmeleitfähigkeit von Material bei extrem niedrigen Temperaturen“. Versteht kein Mensch. Die Zettelrückseite ist ebenso komplex: Da wird sie hergeleitet, die perfekte Form des Eis.

„Ich habe einen halben Tag lang gebraucht“, sagt Hofmann. „Schauen Sie sich das mal an.“ Die Essenz: Jedes Huhn kann perfekte Eier legen, Tag für Tag, ohne vorher auch nur eine Minute Mathe studiert zu haben. Die Eier bestehen aus einer Halbkugel – die untere Seite, in die man das Loch vorm Kochen bohrt – und einem Halbellipsoid. Die Verhältnisse beider Formen ergeben den Goldenen Schnitt. Eine Regel, die in der Natur häufig vorkommt und für den Betrachter besonders harmonisch wirkt. Viele Künstler und Fotografen arbeiten deshalb ebenfalls mit dem Verhältnis, das schon seit der Antike bekannt ist. „Das wird von uns als perfekt und schön empfunden“, schreibt Hofmann in seiner Analyse. Und er ergänzt die Formel für Mathematiker: A plus B geteilt durch A ist A durch B.

Aber wie kommt man auf so eine verrückte Forschung? Einerseits war er schon immer ein Denker, der untersucht, analysiert und Schlüsse zieht. Andererseits ist er Hobbysammler von Mineralieneiern. 120 Stück stehen in Schalen bei ihm daheim im Haus. Hin und wieder gibt es auf Mineralienmärkten ganz hässliche Eier, sagt Hofmann. Er hat sich deswegen eine Schablone gebastelt, mit der er interessante Mineralieneier vorm Kauf ausmisst. Deswegen hat er auch schon stundenlang mit einem Hersteller am Telefon gefachsimpelt, was man beachten muss, um ordentliche Steine hinzubekommen.

So erfreulich die Forschungen sind – Schüler dürften sie weniger begeistern. Hofmann ist zwar nicht der erste, der sich mit dem Ei beschäftigt. Aber er liebt die Form, und er will sie groß rausbringen. „In all den Schulbüchern über Geometrie ist sie nicht behandelt“, sagt er. Da gibt es Formeln für Quader, Pyramiden und Zylinder – aber eben nicht fürs Ei. Mit Hofmanns Hilfe kann man Durchmesser und Volumen ganz einfach berechnen. „Die Formel gehört auch in die Formelsammlung“, sagt er und zwinkert schelmisch. „Auch wenn es dann vielleicht neue Aufgaben im Matheabitur geben wird.“

dor

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