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Ausbruch aus der Tristesse: Zuhause in London dominiert der graue Alltag. Die Frauen beschließen, ohne ihre Männer in die Toskana zu reisen.

Wenn Frau sich neu erfindet

"Verzauberter April": Seichter Schwank gefällt Publikum

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Wolfratshausen – 200 Zuschauer sahen die Komödie „Verzauberter April“ in der Loisachhalle. Das Stück ist ein seichter Schwank über die schwierige Zeit um 1922.

Vier Frauen brechen aus ihrer Alltags-Tristesse aus und erleben sich in ein paar Tagen neu – am Meer, ohne Mann und Pflichten. Die Komödie „Verzauberter April“ zeichnete in der Loisachhalle mit annehmbarem Unterhaltungswert, aber wenig Tiefgang, ein typisches Vorher-Nachher-Bild. Es war die letzte Vorstellung im Theater-Abo der Stadt Wolfratshausen vor der Sommerpause. Rund 200 Zuschauer verfolgten am Freitag das Stück in zwei Akten von Matthew Barber nach der Erzählung von Elizabeth von Arnim.

Das Schauspiel-Ensemble um Regisseur Stefan Zimmermann zeigte den Handlungsablauf mit guter Schauspielleistung Die opulente Bühnenkulisse, die jede einzelne Szene neu beschrieb, gelang jedoch nicht ideal. Permanente Umbauarbeiten unterbrachen den Fluss des Stücks. Und wie bei einem guten Schwank üblich, gab es ein seichtes, glückliches Ende mit viel schmachtender Liebelei. Dem Publikum gefiel’s, es gab viel Applaus.

Nur am Rande beschrieb das Stück die Zeit um 1922, in der andernorts militante Suffragetten um Frauenrechte kämpften. Allerdings ist der Anspruch einer Komödie auch nicht der, schwierige Zeiten kritisch zu beleuchten. Im ersten Weltkrieg waren Millionen britische Soldaten gefallen. Elisabeth von Arnim schrieb dennoch voller Lust auf Leben, Träume und Romantik. Das Bühnenstück lebte von Liebe, Lust, Laune und davon, was geschieht, wenn sich Frau neu erfindet.

Die aufmüpfige junge Lotty (Diana Gantner) überredet Rose (Stefanie Stroebele), sie nach Italien zu begleiten. Rose, ungeliebt und unbeachtet von Ehemann Frederick, sucht Trost im Glauben und zierte sich vor jeglicher Lebenslust. Die beiden Damen finden zwei Mitreisende: Die eigensinnige und hoch betagte Mistress Grave (Christiane Hammacher), die zurückgezogen in alten Erinnerungen schwelgt und forsch ihre Bedingungen stellt: „Ich liebe Nüsse und mag kein Geplauder.“ Und die schöne Lady Caroline, die den Kriegstod ihres Mannes nur mit Zigaretten und Alkohol überwindet. Über eine Annonce in der Times mieten sie ein Feriendomizil in der Toskana. „Dieser Ort muss verzaubert sein“, glaubt Lotty. Und in der Tat blühen die Damen nach und nach auf.

Gut sichtbar wurde der Wandel durch Bühnenlicht und Kostümierung. Farblos und düster wirkten die Frauen im Londoner Alltag, leuchtend dagegen im mediterranen Italien. Leichtigkeit und Lebenslust entstanden in den Ferien – und damit aber auch Heimweh und die Sehnsucht nach den angetrauten Ehemännern.

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