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Gericht

Verzweiflungstat aufgrund falsch verstandener Diagnose

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Ein Rentner hat absichtlich einen Unfall herbeigeführt. Das Gericht stellte nun aber das Verfahren ein.

Wolfratshausen– Der Mann muss sehr verzweifelt gewesen sein, als er sich an einem Sonntagmorgen im Dezember 2016 ins Auto setzte und auf den Autobahnzubringer fuhr. Aus Richtung Münsing kommend raste er mit hoher Geschwindigkeit auf die Brücke der Unterführung zu, fest entschlossen, seinem Leben ein Ende zu bereiten. Kurz vor der Brücke touchierte der Pkw des Wolfratshausers den Randstein und überfuhr ein Straßenschild. Es entstand ein Sachschaden von schätzungsweise 1500 Euro.

Nun hatte der gescheiterte Suizidversuch ein Nachspiel vor Gericht. Der Rentner musste sich wegen Gefährdung des Straßenverkehrs verantworten. Das Verfahren wurde gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt. „Der Vorwurf ist richtig. Ich bin in Suizidabsicht auf die Brücke zugefahren“, sagte der Rentner. „Ich war damals in ziemlich schlechter Verfassung.“ Grund für seinen psychischen Ausnahmezustand sei eine falsch verstandene Diagnose im Krankenhaus gewesen. Bei der Behandlung wegen einer Gürtelrose war ihm ein Katheter gesetzt worden. Die dabei aufgeschnappte Äußerung „der bleibt Ihnen ein Leben lang“, habe ihn extrem beschäftigt. Er habe Angst gehabt, ein Pflegefall zu werden. „Da bin ich durchgedreht. Ich habe gedacht: So will ich nicht weiter leben“, sagte der Angeklagte.

Polizist sagt als Zeuge aus

Wie sehr ihn die Situation belastete, lässt sich erahnen, wenn man die Aussage des Polizisten hört, der als erster zu dem Mann kam. Nach dem Unfall war er mit seinem beschädigten Pkw im Kreisverkehr am Hans-Urmiller-Ring stehengeblieben. „Er stammelte: Das war kein Unfall. Ich bin zu blöd, mich umzubringen“, schilderte der Polizeibeamte. „Er wirkte, als sei er enttäuscht, dass es nicht funktioniert hatte.“ Der Rentner bejahte die Einschätzung des Polizisten. Inzwischen sei die Erkrankung ausgeheilt, der Katheter wieder entfernt worden. Zudem sei ihm bescheinigt worden, dass eine Suizidgefahr nicht mehr bestehe, versicherte der Wolfratshauser, der sich gegen den Vorwurf der Straßenverkehrsgefährdung wehrte. „Es war zu der Zeit so gut wie kein Verkehr. Es kam kein Auto entgegen, es gab keine Gefahr für andere“, begründete der Mann seinen Einspruch.

Richter Helmut Berger stellte das Verfahren auf Antrag der Staatsanwaltschaft gegen Zahlung von 2000 Euro an das Bayerische Rote Kreuz ein und entsprach damit dem Wunsch des Angeklagten. Der Renner, der sich zeitlebens nichts hatte zuschulden kommen lassen, quittierte das Entgegenkommen mit Tränen der Erleichterung.

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