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Suchmeldungen wie diese findet man derzeit oft.

„Liebe ist stärker als das Heimatgefühl“

Viele Katzen werden vermisst – was steckt dahinter? 

„Wir vermissen unsere Katze.“ Suchmeldungen wie diese häufen sich derzeit im Landkreis. Was dahintersteckt, erklärt Manuela Ravara vom Tierheim in Gelting.

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Wir vermissen unsere Katze.“ Suchmeldungen wie diese häufen sich derzeit im Landkreis. Im sozialen Netzwerk Facebook werden bereits Vermutungen angestellt, es könnten Tierfänger unterwegs sein. Unsere Zeitung hat deshalb bei Manuela Ravara nachgefragt. Die 54-Jährige arbeitet seit über 20 Jahren im Josefa-Burger-Tierheim an der Leitenstraße in Gelting.

Im Schnitt fünf bis sechs Anrufe von verzweifelten Katzenbesitzern bekommt Ravara derzeit jede Woche. Dies sei aber nicht mehr als im Vergleichszeitrum des Vorjahres. Zwischen Frühjahr und Herbst steige die Zahl der vermissten Katzen, manchmal seien es sogar doppelt so viele Fälle wie im restlichen Jahr. Das habe einen biologischen Grund: „Das ist die Jahreszeit, in der die weiblichen Katzen rollig sind und die Tiere auf Partnersuche gehen.“ Wenn Kater nicht kastriert sind, sei es völlig normal, dass sie für eine gewisse Zeit verschwinden, um ein Weibchen zu finden. „Deshalb rate ich jedem Besitzer dazu, den Kater zu kastrieren“, erklärt die Tierpflegerin. Wer sich dazu entscheide, seinem Kater diesen Eingriff zu ersparen, „weiß nicht, was er dem Tier damit antut“. Auch nicht kastrierte Stubentiger gehen manchmal auf die Balz: „Die Gefühle bleiben ja erhalten“, sagt die Tierheimleiterin. Oder wie sie besorgten Katzenbesitzern immer erklärt: „Liebe ist stärker als das Heimatgefühl.“

Ein weiterer Grund, warum gerade im Frühling viele Samtpfötchen verschwinden: Viele Menschen bereiten ihren Garten vor. „Katzen sind sehr neugierig. Deshalb kann es auch passieren, dass sie in ein Gartenhäuschen, einen Keller oder eine Garage hineingehen und dort für eine Zeit eingesperrt werden“. Dies sei in mehr als der Hälfte aller Vermisstenmeldungen der Fall, schätzt Ravara.

Tierfänger? „Bei solchen Vermutungen muss man höllisch aufpassen“

Die Theorie, dass Tierfänger hinter den steigenden Zahlen von verschwundenen Katzen stecken, teilt Ravara nicht. „Früher hat es so etwas öfter gegeben, heute nicht mehr“, sagt sie. „Bei solchen Vermutungen muss man höllisch aufpassen.“ Selbst wenn viele Tiere aus der unmittelbaren Nachbarschaft verschwinden, würden im Normalfall andere Gründe dahinter stecken. Pauschal ausschließen könne man es aber nicht, räumt Ravara ein.

Übrigens werden nicht nur Katzen vermehrt gesucht. „Auch bei Schildkröten ist im Moment Paarungszeit.“ Regelmäßig melden sich Reptilien-Besitzer bei der 54-Jährigen, weil ihre gepanzerten Freunde nicht mehr zuhause sind. Zwischen Mai und Juli erreichen das Tierheim laut Ravara täglich ein oder zwei Meldungen, dass eine Schildkröte vermisst wird.

Wer seinen vierbeinigen Freund einige Tage nicht gesehen hat, dem rät Ravara, das Tierheim zu kontaktieren. Als sinnvoll erachtet sie auch eine Meldung auf der Online-Plattform Facebook oder kleine Suchplakate in der Umgebung. „Außerdem hilft es oft, wenn man die Nachbarn bittet, in ihrem Keller oder im Gartenhäuschen nachzusehen.“ Panik sei nicht angebracht: „In der Paarungszeit können die Tiere auch mal gut und gerne zwei Wochen unterwegs sein.“
Dominik Stallein

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