Zwei Spiele in der 2. Bundesliga absolvierte Vlado Kovac (li.) beim TSV 1860 München – beide unter Trainer Torsten Fröhling. Jetzt hat der Slowake seine Karriere beendet.
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Zwei Spiele in der 2. Bundesliga absolvierte Vlado Kovac (li.) beim TSV 1860 München – beide unter Trainer Torsten Fröhling. Jetzt hat der Slowake, der in der Saison 2012/13 in der Bayernliga für den BCF Wolfratshausen spielte, seine Karriere beendet.

FUSSBALL - Interview mit dem Ex-Profi und ehemaligen BCF-Kicker

Vlado Kovac: „Die drei Jahre bei 1860 München waren die besten“

  • Thomas Wenzel
    vonThomas Wenzel
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Deining/Nitrianske Rudno – Am Ende schließt sich der Kreis. 2012 war Vladimir Kovac nach Deutschland gekommen, um eine Karriere als Fußballprofi zu starten. Durch einen Zufall landete der damals 21-jährige Slowake auf dem Deininger Sportplatz, ehe ihn sein Weg über den BCF Wolfratshausen zum TSV 1860 München und schließlich zum SV Wehen Wiesbaden und FSV Wacker Nordhausen führte.

  • Vladimir Kovac hat in der Saison 2012/13 für den BCF Wolfratshausen in der Bayernliga gespielt.
  • Der heute 29-jährige Slowake war als Profi bei 1860 München, in Wiesbaden und Nordhausen aktiv.
  • Aus freundschaftlicher Verbundenheit hat der Rechtsverteidiger seinen Spielerpass beim A-Klassen-Verein SC Deining hinterlegt.

Jetzt hat der Rechtsverteidiger seine sportliche Laufbahn beendet und ist mit seiner Familie zurück in seine Heimat gezogen. Im Interview mit Sportredakteur Thomas Wenzel erzählt Kovac, was er in den vergangenen Jahren als Profi erlebt hat, welche Trainer er besonders schätzt und warum sein Spielerpass jetzt beim A-Klassisten SC Deining liegt.

Herr Kovac, welche Pläne hatten Sie damals, als Sie nach Deutschland gekommen sind?

Ganz klar, ich wollte Profi werden. In der Slowakei hatte ich bereits in der U19-Nationalmannschaft gespielt und bei MFK Ruzomberok in der 1. Liga. Als der Klub kein Interesse mehr an mir hatte, bin ich auf eigene Faust nach Deutschland gegangen.

Wie lief es hier für Sie?

Das war nicht so einfach, denn ich hatte keine Kontakte und konnte die Sprache nicht. Ich habe zuerst bei einer Baufirma gearbeitet. Der Chef hat dann mitbekommen, dass ich Fußballer bin und mich zum SC Deining geschickt.

Erinnern Sie sich an das erste Training?

Ja, es war doch ein kleiner Schock (lacht), denn das war natürlich eine Hobbymannschaft. Aber ich habe mich mit den Jungs gleich gut verstanden und mich mit dem damaligen Kapitän Sebastian Repert angefreundet. Auch seiner Familie bin ich seit jener Zeit freundschaftlich verbunden.

Von Deining nach Wolfratshausen war es dann nicht weit?

Richtig, der damalige BCF-Trainer Steffen Galm (heute Sport-Direktor der SpVgg Unterhaching, Anm. d. Red.) wollte mich gleich nach dem ersten Probetraining behalten. Es hat mir dort ganz gut gefallen, auch wenn es „nur“ Bayernliga war. Allerdings musste ich arbeiten und habe beim Fußball mehr oder weniger von dem profitiert, was ich in der Slowakei gelernt hatte.

Bis Sie zum TSV 1860 München gewechselt sind, hat es eine Weile gedauert?

Ich hatte schon bald ein Probetraining, doch mir wurde empfohlen, die Saison noch in Wolfratshausen zu Ende zu spielen. Im Sommer kam es dann zu dem Transfer. Allerdings habe ich wegen einer Leistenoperation in dieser Saison nur 14 Spiele für die Zweite Mannschaft in der Regionalliga gemacht.

Aber mit Trainer Torsten Fröhling haben Sie sich gleich gut verstanden?

Ja, er hat im Jahr darauf die Erste Mannschaft übernommen. Unter ihm habe ich am 25. Mai 2015 auch meine erste von zwei Partien in der 2. Bundesliga absolviert. Es war das letzte Saisonspiel, und wir haben mit 0:2 beim Karlsruher SC verloren.

So richtig wollte es aber nicht klappen mit dem großen Durchbruch?

Leider nein. Ich habe auch das erste Punktspiel der neuen Saison in der 2. Bundesliga gemacht. Das war am 26. Juli beim 0:1 in Heidenheim. Doch dann habe ich mir das Syndesmose-Band gerissen und bin fast sieben Monate ausgefallen. Am Ende der Saison hat der Verein meinen Profivertrag nicht verlängert.

Doch Torsten Fröhling hat an Sie geglaubt?

Er war mittlerweile Trainer bei Wehen Wiesbaden in der 3. Liga und hat mich geholt. Dort habe ich 17 Punktspiele absolviert.

Nach nur einer Saison war aber wieder Schluss?

Es kam ein neuer Trainer, der den Kader umgekrempelt hat. Mein Berater hat mich dann nach Nordhausen vermittelt.

Sportlich betrachtet eher Rückschritt?

Das kann man so nicht sagen. Es war eine gute Mannschaft, die immer aufsteigen wollte. Wichtig war auch der thüringische Landespokal-Wettbewerb, den wir 2019 gewonnen haben.

2020 war dann Schluss in Nordhausen – nicht nur für Sie?

Richtig, Nordhausen hatte zwei Insolvenzen hinter sich – einmal die Spielbetriebs-GmbH und dann auch die Fußballabteilung. Ich selbst hatte mittlerweile erhebliche gesundheitliche Probleme wegen eines Knorpelschadens im linken Knie.

Waren dies alles Gründe, Ihre Profi-Laufbahn zu beenden?

Ja, unter anderem. Außerdem haben meine Frau und ich entschieden, wieder in die Slowakei zurück zu gehen. Denn das älteste meiner drei Kinder kommt jetzt in die Schule.

Wie sehen Ihre beruflichen Pläne aus?

Mal schauen, was sich kurzfristig ergibt. Ich habe damals ein Fachabitur im Bereich Touristik/Gastronomie gemacht. Dabei könnten mir meine Deutsch-Kenntnisse helfen, ebenso in der Baubranche, was ebenfalls eine Option ist.

Und wie sehen Ihre sportlichen Ambitionen aus? Kann der SC Deining mit Ihrer Unterstützung im Kampf gegen den Abstieg rechnen?

Der Kontakt nach Deining ist während der ganzen Jahre nie abgerissen. Und es kann sein, dass ich beruflich bedingt immer wieder für einige Wochen in der Gegend sein werde. In dieser Zeit werde ich dann gerne bei den Fußballern mittrainieren und vielleicht sogar ein Punktspiel bestreiten.

Wie sieht Ihr persönliches Fazit als Profi-Fußballer aus?

Ich bin stolz auf das, was ich sportlich erreicht habe. Wobei die drei Jahre bei 1860 München die besten waren. Das ist einfach ein toller Klub. Und ich bin glücklich über die Kontakte, die ich nach Deutschland geknüpft habe. Zu Trainern wie Steffen Galm und Torsten Fröhling habe ich immer noch einen guten Draht.

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