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Gedenken an die Toten: Vertreter zahlreicher Wolfratshauser Vereine, Organisationen, Institutionen, Parteien und politischer Gruppierungen legten am Marienplatz gemeinsam einen Kranz nieder. Jeweils einen eigenen Kranz legten der Gebirg strachtenerhaltungsverein D’Loisachtaler und die Gebirgsschützenkompanie vor den Marienbrunnen. 

„Die Schatten werden wieder größer“

Volkstrauertag in Wolfratshausen: Warnung vor Rechtsextremismus

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Am Volkstrauertag wird traditionell der Kriegstoten und Opfer von Gewaltherrschaften gedacht. In der Flößerstadt warnte Bürgermeister Klaus Heilinglechner vor aufkeimender Gewalt und Rechtsextremismus.

Wolfratshausen – „Sag’ mir wo die Blumen sind, wo sind sie geblieben“: Das berühmte Anti-Kriegslied, bei der Gedenkveranstaltung der Stadt anlässlich des Volkstrauertags intoniert vom „Sommer-Sound“-Chor der Sängerin Claudia Sommer, verdeutlichte auf berührende Weise die Sinnlosigkeit von Krieg und Gewalt. „Sag’ wo die Soldaten sind, wo sind sie geblieben? Über Gräbern weht der Wind, wann wird man je verstehen?“

„Uns führt heute die Trauer zusammen“, sagte Bürgermeister Klaus Heilinglechner am Sonntag im Anschluss an einen Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche auf dem Marienplatz. Denn wenn niemand mehr an die Toten denke, „dann sind sie endgültig tot, dann kann ihr Schicksal keinem mehr etwas sagen“.

Der Zweite Weltkrieg und die NS-Diktatur „liegen lange zurück, aber ihre Schatten reichen bis heute“, stellte der Wolfratshauser Rathauschef im Beisein zahlreicher Vertreter von Vereinen, Organisationen, Institutionen, Parteien, politischer Gruppierungen und Bürgern fest. „Und denke ich an den Ausgang der jüngsten Bundestagswahl, werden die Schatten wieder größer“, so Heilinglechner in Anspielung auf das Abschneiden der AfD.

Welche Werte sind heute wichtig? 

Der Volkstrauertag setzte ein Zeichen: „Und er fragt danach, welche Schlüsse sich aus der Vergangenheit ziehen lassen; er fragt, wo wir heute stehen und welche Werte uns wichtig sind“, erklärte der Bürgermeister. Gemeinsame Aufgabe sei es, eine Welt zu schaffen, „in der die Menschen in Frieden und Freiheit zusammenleben können“. Dazu gehöre das Gedenken, man müsse sich der Vergangenheit stellen, um in die Zukunft blicken zu können.

Die meisten Konflikte und Gewaltausbrüche tragen sich laut Heilinglechner in Ländern und Regionen fernab von Deutschland zu. „Doch gehen sie uns deshalb nichts an?“ Es sei „ein Gebot der Mitmenschlichkeit, nicht wegzuschauen“, lieferte der Rathauschef die Antwort auf seine Frage selbst.

„Freiheit und Demokratie bleiben nicht von allein erhalten“

Heilinglechner erinnerte daran, dass die Politiker in Europa nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Untergang der Nazi-Diktatur auf Annäherung und Aussöhnung setzten. „Dieser Weg war oft nicht leicht, aber er erwies sich als gangbar und wirkungsvoll. Er hat unserem von so vielen Kriegen geschüttelten Kontinent die längste Friedensepoche seiner Geschichte gebracht“, bilanzierte der Bürgermeister. „Doch gerade wir wissen aus unserer Geschichte sehr genau, dass Freiheit und Demokratie nicht von allein entstehen und erhalten bleiben.“ Heilinglechners Appell: „Wir brauchen Menschen, die sie erkämpfen und bewahren, die sie schützen und stärken.“

Das Gedenken müsse zugleich sensibilisieren, betonte der Rathauschef: „Dafür, jeden Menschen zu achten, ungeachtet seiner Herkunft oder seiner Konfession.“ In einer gemeinsamen Ansprache mit seinem katholischen Amtsbruder Gerhard Beham unterstrich der evangelische Pfarrer Florian Gruber: Für Menschen, die vor Krieg und Gewalt flüchten müssen, „muss unser Herz und unser Land offen bleiben“.

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