Eine Kreuzung in Wolfratshausen
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War Ende 2017 nur wenige Tage in Betrieb: Die Ampel für Rechtsabbieger aus Richtung Geretsried an der sogenannten Tapsi-Kreuzung in Wolfratshausen. Nun soll sie laut Straßenbauamt eine neue Aufgabe erfüllen.

Dritte Bürgermeisterin: „Ärgerlich“

Ampel-Posse in Wolfratshausen: Vor vier Jahren installiert, seither verhüllt

  • Carl-Christian Eick
    VonCarl-Christian Eick
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Seit 2017 gibt‘s an der Tapsi-Kreuzung in Wolfratshausen eine Ampel für Rechtsabbieger. In Betrieb war sie aber nur wenige Tage. Nun soll sie eine neue Aufgabe erfüllen.

Wolfratshausen – Es war einmal eine Lichtzeichenanlage, die den Verkehr im Bereich der sogenannten Tapsi-Kreuzung flüssiger machen sollte. Doch die Ampel ist seit gut vier Jahren verhüllt – und wird ihrer eigentlichen Bestimmung auch mutmaßlich nie mehr zugeführt. „Ärgerlich“ sei dies, stellt Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth (Grüne) gegenüber unserer Zeitung fest. Die Polizei sieht die Ampel-Posse dagegen pragmatisch.

Rückblende: Ende 2017 ließ das Staatliche Bauamt Weilheim den Asphaltbelag sowie die Ampelanlagen im Kreuzungsbereich B 11/Pfaffenrieder Straße/Schießstättstraße aufwendig erneuern. Bei dieser Gelegenheit, das war der Wunsch der Stadt, wurde eine Ampel für Rechtsabbieger, genau gesagt für die Verkehrsteilnehmer installiert, die aus Geretsried kommend in Richtung Schießstättstraße (Friedhof) beziehungsweise Moosbauerweg (Kreisklinik) oder Farchet (Märchenwald) abbiegen wollen. Das Straßenbauamt hatte sich zwar zunächst gegen das Vorhaben gesträubt, doch die Flößerstadt führte das Verkehrsgutachten von Helmuth Ammerl ins Feld. Das besagt: Ohne Lichtzeichenanlage würden Linksabbieger wie bisher von der Königsdorfer Straße und Rechtsabbieger (von der B 11) gleichzeitig in Richtung Schießstättstraße fahren. Die Folge: Staus. Ammerls Rezept dagegen: eine Ampel für Rechtsabbieger. Der Stadtrat fand den Vorschlag prima und nahm ihn in den Plan für die Neugestaltung der Tapsi-Kreuzung – den Knotenpunkt passieren täglich gut 25 000 Pkw und Lkw – mit auf.

Leider hat sich nach recht kurzer Zeit heraus gestellt, dass das zusätzliche Signal zu erheblichen Leistungsfähigkeitsdefiziten führte. Deswegen wurde es noch 2017 wieder deaktiviert.

Martin Herda, Abteilungsleiter im Staatlichen Straßenbauamt Weilheim

Der Euphorie folgte die Ernüchterung. Bereits nach wenigen Tagen wurde die mit reichlich Vorschusslorbeeren versehene Ampel verhüllt. Denn seit der Inbetriebnahme kam es auf der B 11 zu Rückstaus, die bis Waldram reichten. „Das war schlimmer als je zuvor“, erinnert sich Hauptkommissar Martin Huber. Sein Kollege Tony Lechner, Verkehrsexperte in der örtlichen Polizeiinspektion, habe seinerzeit nach Kontrollen vor Ort genau diesen Missstand mehr als einmal protokolliert.

Mit einer Videoerfassung wollte das Staatliche Bauamt der Wurzel des Übels auf den Grund gehen. Vermutet wurde, dass die der Maßnahme zu zu Grunde liegende Verkehrszählung „nicht den Tatsachen entspricht“, so der damalige Behördenleiter Uwe Fritsch. Er ging davon aus, „dass es deutlich mehr Rechtsabbieger gibt, als bisher angenommen“.

Ampel soll nun vor Güterverkehr auf Industriegleis warnen

Viele, viele Monate und eine Corona-Pandemie später ist die Ampel immer noch verhüllt. Für Dritte Bürgermeisterin Heinloth, die zum Zeitpunkt des Gesprächs mit unserer Redaktion die Amtsgeschäfte von Rathauschef Klaus Heilinglechner (BVW) führte, ein „ärgerlicher Umstand“, mit dem die Kommune „nicht glücklich“ sein könne. „Da muss eine Lösung her“, so Heinloth. Diese wird’s nun geben – aber mutmaßlich nicht die, die die Dritte Bürgermeisterin gemeint hat: Die Ampel wird wieder in Betrieb genommen – dient aber allein zur Warnung der Rechtsabbieger, wenn ein Güterzug über das Industriegleis fährt.

„Es ist richtig, dass im Jahr 2017 die Lichtsignalanlage an der sogenannten Tapsi-Kreuzung erneuert wurde“, bestätigt Martin Herda, im Straßenbauamt zuständiger Abteilungsleiter für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, auf Nachfrage. „Zu der Erneuerung gehörte auch ein Extrasignal für den von Süden auf der B 11 kommenden Rechtsabbieger“, der auf die Schießstättstraße möchte. „Leider“, das stellt Herda fest, „hat sich nach recht kurzer Zeit herausgestellt, dass das zusätzliche Signal zu erheblichen Leistungsfähigkeitsdefiziten führte“, das heißt, Rückstaus auf der B 11 in Richtung Süden. Aus diesem Grund „wurde das zusätzliche Signal noch 2017 wieder deaktiviert“.

„Umplanung“ der Ampel kostet 4.000 Euro

Im Frühjahr deses Jahres schließlich sei „abgestimmt“ worden, dass die Ampelanlage wieder ans Netz gehen solle, berichtet Herda. Das Rotlicht leuchte allerdings „nur für den Fall, dass der Richtung Schießstättstraße folgende Bahnübergang für das gering ausgelastete Industriegleis tatsächlich gesperrt werden muss“, kündigt der Abteilungsleiter an. Die „Umplanung“ der Ampelsteuerung, die 2017 als intelligent apostrophiert wurde, ist nach Herdas Worten bereits veranlasst. Zeitnah werde die Lichtzeichenanlage für Rechtsabbieger wieder scharf geschaltet. 4000 Euro Kosten fallen für die Umplanung an. In Zukunft, so Herda, „ist mit erhöhter Sicherheit durch das zusätzliche Haltesignal für den Rechtsabbieger auf die Schießstättstraße zu rechnen“. Von Rückstaus bleiben die Verkehrsteilnehmer mit hoher Voraussicht verschont, da das Industriegleis nur sehr selten gesperrt wird, damit Güterzüge passieren können.

Polizei: Verkehr läuft ohne Ampel „bestens“

Dass die Ampel so ihre ursprünglich angedachte Aufgabe nicht erfüllen wird, ist für das Gros der Autofahrer mutmaßlich kein Problem. Seit sie verhüllt worden ist, „läuft alles bestens“, bilanziert Hauptkommissar Huber. Klagen seien der Polizei nicht mehr zu Ohren gekommen – sehe man von unvermeidbaren Rückstaus zu Hauptverkehrszeiten ab. War die Rechtsabbieger-Ampel also eine Verschlimmbesserung? Zu einer Antwort auf diese Frage lässt sich der Polizeibeamte nicht nötigen. (cce)

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