+
Das Duell in der Tölzer Redaktion (v.l.) Lausch von der Bayernpartei, Streibl (Freie Wähler), Veronika Ahn-Tauchnitz (Moderation) und Gehnen (Linke).

Auswertung

Wahl-Duell: So haben sich die Kandidaten von Linke, Freie Wähler und Bayernpartei geschlagen

  • schließen

Wahl-Duell - die Dritte: Wie sich die Kandidaten von der Linken, den Freien Wählern und der Bayernpartei geschlagen haben, lesen Sie hier in unserer Auswertung.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Links – Mitte – Rechts. Die Gäste beim Livestream am Dienstagabend besetzten das politische Spektrum nahezu perfekt. Die Direktkandidaten Elmar Gehnen (Die Linke), Florian Streibl (Freie Wähler/FW) und Josef Lausch (Bayernpartei/BP) stellten sich den Fragen von Veronika Ahn-Tauchnitz, Redaktionsleiterin des Tölzer Kuriers, und den Usern.

Streibl kam als Umfragen-König nach Tölz. Jüngste Prognosen sehen die FW bei elf Prozent, zwei mehr als 2013. Ahn-Tauchnitz’ erste Frage richtete sich deshalb an den 55-Jährigen: „Was machen die FW besser“ als beispielsweise die im Sinkflug befindlichen Christsozialen? Von „besser“ wollte Streibl nicht sprechen, „wir machen es anders.“ Die FW seien keine Karrierepolitiker mit einer Vita „vom Kreißsaal über den Hör- in den Plenarsaal“. Jeder habe einen bürgerlichen Beruf. „Wir haben die gleichen Sorgen und Nöte wie alle anderen Leute in unserem Land. Die versuchen wir ernst zu nehmen und Lösungen herbeizuführen wie die Wiedereinführung des G9 oder der Abschaffung der Straßenausbau-Beitragssatzung.“

Alle Wahlduelle im Video und alle Steckbriefe der Kandidaten finden Sie hier

Bevor die BP ihr Fernziel angeht – Bayern soll ein souveräner Staat werden wie bis 1871 –, möchte sie laut Lausch in den Landtag zurückkehren, aus dem sie 1966 rausgeflogen ist. „Wir sind Idealisten, aber auch Realisten“, sagte der Fachagrarwirt (48). Er hofft auf einen Überraschungserfolg, „damit wir in der Politik wieder mitspielen können“. So schlecht sehe es nicht aus: Die „Sonstigen“ lägen in den Umfragen bei sieben Prozent, „und das sind eigentlich nur die ÖDP und wir“.

In medias res ging es mit der ersten Zuschauerfrage: Mit welcher Politik wollen die drei Kandidaten dem Mangel an (bezahlbarem) Wohnraum begegnen? Die Linken möchten, dass die Immobilie „als Spekulationsobjekt abgeschafft“ wird. Elmar Gehnen wies in diesem Zusammenhang auf den Verkauf der staatlichen Wohnungsbaugesellschaft GBW durch den damaligen Finanzminister Markus Söder hin. „Immobilien im öffentlichen Besitz müssen auch dort bleiben“, forderte der 62-jährige Wahl-Tölzer.

Die Freien Wähler setzen auf Wohnungsbauprogramme für die öffentliche Hand. „Momentan gibt es eins für Kommunen, bei dem der Freistaat jeweils 30 Prozent auf die Kosten für Grund und Bau zuschießt plus ein Darlehen mit null Prozent Zinsen“, erklärte Streibl. Die Kommunen könnten diese Wohnungen verwalten und an Einheimische vermieten. Generell gelte: „Es muss nach dem Prinzip des Gemeinwohls gehen und nicht nach dem des größten Gewinns.“ Einen Seitenhieb in Richtung CSU konnte Streibl sich nicht verkneifen. „Dieses Problem hat die bayerische Staatsregierung verschlafen.“

BP-Mann Lausch stimmte „in weiten Teilen meinem Vorredner zu“. Nur kosten sozialer Wohnungsbau oder Bauland für Einheimische Geld, und damit sei man wieder beim Eingangsthema: dem Austritt Bayerns aus dem Bund. „Müsste der Freistaat nicht so viel Geld in den Länderfinanzausgleich geben, könnte die Staatsregierung mit jährlich fünf Milliarden ein Wohnbauprogramm auf die Füße stellen.“

Auch Lausch warf der CSU-Regierung vor, das Problem negiert zu haben. Im Zuge der Wirtschaftsförderungen werde in Oberbayern großflächig ein Gewerbegebiet nach dem anderen ausgewiesen. Jedes ziehe bei Vollbeschäftigung Arbeitskräfte an, „die Wohnraum, Kindergärten, das ganze G’sums“ benötigen. Stattdessen hätte man besser Geld „in die Oberpfalz oder Oberfranken gesteckt“. Leider gebe es keine schnelle Lösung, „das wäre eine Illusion“.

Moderatorin Ahn-Tauchnitz stellte fest, dass alle drei Kandidaten sich in einem Punkt einig sind: Sie wünschen sich mehr direkte Demokratie. Die BP würde im Falle einer Selbstständigkeit Bayerns das Volk darüber abstimmen lassen, ob der Staat in der Eurozone bleiben soll. Die Freien Wählen wollen das Quorum senken bei Bürgerentscheiden – und auch die Linken wünschen sich mehr direkte Demokratie, „um näher beim Bürger zu sein“, wie Elmar Gehnen betonte. Allerdings müsse man das juristisch exakt formulieren, „damit der Schuss nicht nach hinten los geht“.

Großes Thema der Runde war auf eine Zuschauerfrage hin die Schließung von immer mehr Geburtshilfe-Einrichtungen. Für Streibl ein „katastrophaler Zustand“ und Folge der zunehmenden Privatisierung von Kliniken. „Wir müssen die Geburtshilfe wieder in die öffentliche Daseinsvorsorge zurückführen.“

Lausch fand es gar „beschämend, wenn sich ein reiches Land wie Bayern keine Geburtshilfestationen leisten“ wolle. Er prangerte den Lobbyismus an. Große Klinik-Konzerne würden gefördert. Sie hätten ihre Lobbyisten in Brüssel, Berlin und München sitzen, die die Hand auf den Schulter der Abgeordneten hätten – „meistens von einer großen dunklen Partei. Und dann wird die Politik so gemacht, wie die sie haben möchten.“

Die Linken fordern in ihrem Wahlprogramm 100 Millionen Euro für die Sicherung der Geburtshilfe im ländlichen Raum. Elmar Gehnen hält es für verwerflich, „dass mit der Gesundheit von Menschen Geld verdient werden soll. Die Privatisierungen müssen rückgängig gemacht werden.“ Das nötige Geld soll eine Umverteilung des Reichtums im Land bringen.

Über Themen wie Altersarmut, Verkehr, Bildungs- und Flüchtlingspolitik und dem Umgang mit der AfD hangelten sich die drei Kandidaten zur finalen Frage von Ahn-Tauchnitz: Wer ist am Abend des 14. Oktobers neuer Ministerpräsident? Um die zu beantworten, benötigte FW-Mann Streibl „eine Glaskugel“. BP-Kandidat Lausch tippte auf eine Frau: Ilse Aigner, CSU. Linken-Mann Gehnen hat einen Freien Wähler auf der Rechnung: „Wenn alle genug Kröten fressen, dann Hubert Aiwanger.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Manege frei: 150 Musikschüler geben großes Konzert beim Geretsrieder Kulturherbst
Über 150 Musikschüler machten mit, beim Konzert der Geretsrieder Musikschule beim Kulturherbst. In der Arena des Zirkuszelts, auf der Bühne und den Zuschauerrängen wurde …
Manege frei: 150 Musikschüler geben großes Konzert beim Geretsrieder Kulturherbst
Wenn Sodbrennen zur Krankheit wird
Immer mehr Menschen leiden an der so genannten Reflux-Krankheit, bei der Magensaft in die Speiseröhre aufsteigt. Dr. Stefan Schmidbauer, Chefarzt der Chirurgie in der …
Wenn Sodbrennen zur Krankheit wird
Live-Ticker aus der Region Wolfratshausen: In dieser Gemeinde war die Wahlbeteiligung am höchsten
Die Tage danach: Die Stimmen der Kandidaten in der Region Wolfratshausen sowie alle Reaktionen und News zum Ausgang der Landtagswahl berichten wir im Ticker. 
Live-Ticker aus der Region Wolfratshausen: In dieser Gemeinde war die Wahlbeteiligung am höchsten
Das Kraftwerk läuft - auch wenn es noch nach Baustelle aussieht
Das neue Heizkraftwerk am Schulzentrum ist in Betrieb. Zwar läuft es noch nicht unter Volllast, aber zwei Schulen sind bereits angeschlossen.
Das Kraftwerk läuft - auch wenn es noch nach Baustelle aussieht

Kommentare