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Schweres Gerät: Unter anderem drei Großfräsen, zwei sogenannte Beschicker, vier Asphaltfertiger, sechs Walzen und etwa 50 Lkw sind seit Freitagabend im Kreuzungsbereich B 11/Pfaffenrieder Straße/Schießstättstraße im Einsatz.

Asphaltarbeiten an der Kreuzung B 11/Pfaffenrieder Straße/Schießstättstrasse 

Der Wahnsinn liegt im Zeitplan

Die Asphaltarbeiten im Kreuzungsbereich B 11/ Pfaffenrieder Straße/Schießstättstraße liegen im Zeitplan. An diesem Montag kann der Verkehr höchstwahrscheinlich ab 16 Uhr wiederrollen.

Wolfratshausen Freitagabend, 18 Uhr.Julia Schneider, Gebietsinspektorin für den Landkreis im Staatlichen Bauamt Weilheim, steht im Zentrum der sogenannten Tapsi-Kreuzung der B 11. Dort, wo sonst um diese Uhrzeit hunderte Autos unterwegs sind, zieht wenige Meter neben der 31-Jährigen eine Straßenfräse tiefe Furchen in den Asphaltbelag. Der Lärm ist so ohrenbetäubend, dass die Wolfratshauser Bauamtsmitarbeiterin Susanne Leonhard fast schreien muss, als sie feststellt: „Das ist ja der Wahnsinn.“

Teamarbeit: Per Hupzeichen verständigen sich der Führer der Fräßmaschine und die Lkw-Fahrer. Ist der Muldenkipper mit altem Asphalt gefüllt, wird dieser abtransportiert – und der nächste Lkw reiht sich ein. An diesem Montag werden die Arbeiten abgeschlossen.

Die Luft ist staubig, die Stimmung unter den Verantwortlichen entspannt. Die antiquierte Ampelanlage, 1980 in Betrieb genommen, muss ausgetauscht werden, der Kreuzungsbereich B 11/ Pfaffenrieder Straße/Schießstättstraße wird neu asphaltiert. Außer dem Rattern und Hupen der Fräsen sowie den Dieselmotoren der Lkw hört man nichts. Die Kreuzung ist komplett gesperrt, außer Schneider und Leonhard sind rund 30 Arbeiter im Einsatz. Von Freitagabend bis Montagnachmittag rund um die Uhr. Obwohl: So ganz stimmt das nicht. Bereits am Sonntag waren nur noch vereinzelt Bauarbeiter im gesperrten Bereich zu sehen. „Der Asphalt muss auskühlen“, erklärt Bauingenieurin Schneider im Gespräch mit unserer Zeitung. Diese Phase sei wichtig: „So vermeiden wir Schäden am neuen Belag.“ Würde die Straße zu früh wieder freigegeben, würden sich schnell Spurrinnen bilden.

So wie im alten Belag, den man am Freitagabend ein letztes Mal sehen konnte. Tiefe Furchen haben darin nicht nur die Fräßmaschinen gezogen. Kurz vor den Ampeln sieht man an der unebenen Fahrbahn, dass täglich mehr als 26 000 Fahrzeuge die Kreuzung in Wolfratshausen passieren. „Deshalb müssen wir die Kabel und die Induktionsschleifen für die neue Ampel auch tiefer legen als üblich“, erläutert Schneider. Zwölf Zentimeter Asphalt trennen die sensible Technik von der Oberfläche – eine Vorsichtsmaßnahme. Normalerweise sind es vier Zentimeter.

Ortstermin: Wolfratshausens Bürgermeister Klaus Heilinglechner (2. v. li.) sowie die Bauamtsmitarbeiter Susanne Leonhard (Mi.) und Wolfgang Mucha informieren sich bei Julia Schneider (li.), Gebietsinspektorin für den Landkreis im Staatlichen Bauamt Weilheim.

Während Schneider das erklärt, sausen zwei junge Burschen mit ihren Fahrrädern über die gesperrte und zum Teil bereits aufgerissene Straße. Bürgermeister Klaus Heilinglechner, der sich am Freitag vor Ort ein Bild von der Arbeit machte, schüttelt den Kopf. Für den Rathauschef ist die Baumaßnahme etwas Besonderes. „Das ist bislang die größte Baustelle in meiner Amtszeit“, sagt er. „Zumindest, was den Straßenbau betrifft.“ Der Bürgermeister ist beileibe nicht der einzige, der sich das Geschehen ansieht. Viele Fahrradfahrer, die auf dem parallel zur Straße laufenden Radweg unterwegs sind, steigen vom Drahtesel ab und staunen über die perfekt abgestimmte Arbeit. „Das ist ein eingespieltes Team“, betont Schneider. Per Hupzeichen gibt der Führer der Fräßmaschine den Lkw-Fahrern Zeichen. „Daraufhin rollt der Lkw ganz langsam weiter vorwärts.“ Der alte Asphalt rutscht über ein Transportband in den Muldenkipper. Ist der voll, reiht sich der nächste Lastwagen ein. Rund 50 Lkw sind im Einsatz. Dazu kommen drei Großfräsen, zwei Beschicker, vier Asphaltfertiger und sechs Walzen.

Den Zaungästen bietet sich ein beeindruckendes Schauspiel. „Wir haben über das Wochenende viele Besucher hier gehabt“, berichtet Julia Schneider am Sonntag in einem Handygespräch mit unserer Zeitung. „Es war schön, zu sehen, dass sich die Leute für das interessieren, was wir hier machen.“

Am Freitagabend bekamen die Schaulustigen vor allem etwas auf die Ohren. Die Geräuschkulisse war extrem. Auch in der Nacht, bis gegen 2 Uhr, waren die Lkw und Fräsen bis nach Farchet zu hören. „Da müssen wir einfach auf das Verständnis der Bürger hoffen“, sagt Schneider. Das, so ihr Fazit am Sonntag, brachte das Gros der Wolfratshauser auch auf: „Wir haben von keinerlei Beschwerden gehört.“

Neue Ampelmasten kommen in 14 Tagen

Die Asphalt- und Markierungsarbeiten laufen laut der Beamtin nach Plan. Schneider: „Unser Ziel, die Kreuzung am Montag spätestens um 16 Uhr wieder freizugeben, werden wir erreichen. Ganz abgeschlossen sind die Arbeiten dann noch nicht: Die Ampelmasten für die neue Anlage werden erst in zwei Wochen eingebaut.“ Autofahrer dürfen aber beruhigt sein: Die Tapsi-Kreuzung wird dafür nicht erneut gesperrt.

(Dominik Stallein)

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