Die vor Kurzem gefällte Fichte von Hans Killer ist 140 Jahre alt und 20 Meter lang. Anhand der roten Aufschrift lässt sie sich im Sägewerk genau zuordnen.
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Starkholz aus Altkirchen: Die vor Kurzem gefällte Fichte von Hans Killer ist 140 Jahre alt und 20 Meter lang. Anhand der roten Aufschrift lässt sie sich im Sägewerk genau zuordnen.

Arbeiten für die nächste Generation – Starkholz wird entfernt

Waldbesitzer: Im Winter geht‘s vor allem um die Waldpflege

  • Volker Ufertinger
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Damit auch die kommenden Generationen vom und mit dem Wald leben können, ist der Winter eine entscheidende Zeit. Es ist die Phase der Waldpflege.

  • Die Waldbesitzervereinigung (WBV) Wolfratshausen kümmert sich in der Winterzeit vor allem um die Waldpflege
  • WBV-Chef Hans Killer hat besonders in der kalten Jahreszeit alle Hände voll zu tun
  • Es geht bei der Waldpflege vor allem um das Thema Nachhaltigkeit

Bad Tölz-Wolfratshausen – Da steht Förster Robert Nörr im Wald von Altkirchen in der Gemeinde Sauerlach und holt zu einem Statement aus. „Das bewundere ich so an den Waldbesitzern“, sagt er. „Dieses Denken in Generationen.“ Er dreht sich um und zeigt auf die Fichten hinter ihm. „Ein Automanager würde hier radikal abholzen, kurzfristigen Gewinn machen und sich von seinen Aktionären loben lassen“, sagt er. Die Waldbesitzer machen es anders, sie denken langfristig. Ihr Zauberwort: Nachhaltigkeit. Es ist kein Zufall, dass der Begriff aus der Forstwirtschaft kommt.

Sieben Tonnen schwerer Fichtenstamm

Damit auch die kommenden Generationen vom und mit dem Wald leben können, ist der Winter eine entscheidende Zeit. Es ist die Phase der Waldpflege. Hans Killer, Chef der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen, sagt: „Im Winter habe ich mit Abstand die meiste Arbeit.“ Spätestens ab Ende Oktober geht er daran, auf den 66 Hektar, die er besitzt, die großen, alten Bäume – im Waldbesitzerdeutsch die Starkhölzer – zu fällen. Etwa dieser Fichtenstamm am Wegesrand, 20 Meter lang, 67 Zentimeter im Durchmesser, etwa sieben Tonnen schwer. Die Aufschrift „WOR“ zeigt an, dass er über die Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen verkauft wird, alle weiteren Ziffern dienen der Identifikation. Etwa, wenn das Sägewerk Fragen hat. Hans Killer hat ihn vor wenigen Tagen gefällt.

Der Werdegang dieses Baums ist typisch. Die Fichte ist etwa 140 Jahre alt, sowohl der Vater als auch der Großvater von Hans Killer hatten ein Auge auf ihn – Stichwort Nachhaltigkeit. Jetzt profitiert der Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung davon, so wie dereinst seine Söhne und Enkel von der aktuellen Arbeit zehren werden. „Ich investiere sehr viel Zeit in die Pflege meiner jungen Wälder“, erzählt Killer. „Aber es macht auch viel Freude, einen reifen Baum zu nutzen.“ Jetzt ist der Moment gekommen, in dem sich die Arbeit von Generationen für ihn buchstäblich auszahlt.

Hans Killer ist Chef der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen.

Der Preis, der sich mit dem Starkholz erzielen lässt, ist „nicht so übel“, erzählt Killer. Eigentlich sind die Preise ziemlich im Keller, das viele Schadholz aus ganz Deutschland verdirbt den Markt. Doch mit einem derartig wuchtigen Exemplar kann man durchaus noch Gewinn machen. Wobei es darauf ankommt, überhaupt ein Sägewerk in der Nähe zu finden, das mit diesen Maßen zurechtkommt. Für die meisten in der näheren Umgebung ist das Ende zu dick. Deshalb geht es in den nächsten Tagen in ein Sägewerk bei Landsberg am Lech. „Die heimischen Sägewerke zu unterstützen, ist für uns selbstverständlich“, sagt Killer.

Borkenkäferschäden halten sich in Grenzen

Überhaupt die Waldpflege. Sie ist heuer so wichtig wie selten zuvor. „Die vergangenen Jahre waren mit Käferschäden, Schneebruch und Sturmereignissen eine Abfolge von Katastrophen“, sagt Robert Nörr. Deshalb hatten Waldbesitzer immer an Brennpunkten zu tun, die restlichen Flächen blieben sich selbst überlassen. Eigentlich gibt es die Regel, dass man etwa alle fünf bis acht Jahre durchforsten und 70 bis 80 Kubikmeter Holz je Hektar entnehmen sollte. „Aber das schaffen viele nicht“, so Nörr. Die Folge: Die Bäume nehmen sich gegenseitig das Licht, der Wald wird instabil. „Und damit kriegt man auf die Dauer ein Problem.“ In diesem Jahr, in dem die Waldbesitzer einigermaßen verschont geblieben sind – sogar die Borkenkäferschäden hielten sich in Grenzen, wäre der richtige Zeitpunkt gekommen.

Das bewundere ich so an den Waldbesitzern. Dieses Denken in Generationen.

Robert Nörr, Revierförster in Wolfratshausen

Im Wald neigt man ja dazu, in die Höhe zu schauen, der Blick schweift fast automatisch in die Kronen. Doch auch unten ist es interessant. Das Grün, in dem wir stehen, ist ein Paradebeispiel für eine natürliche Verjüngung. Das heißt: Die Bäume müssen nicht angepflanzt werden, sie wachsen inzwischen von selbst nach, sie haben dank permanenter Pflege genügend Licht.

Im Winter gibt es viele Tage, an denen Hans Killer durch seinen Wald streift und die immer noch seltenen Tannen von der Übermacht der Fichten und Buchen befreit. Oder nach einem Holzeinschlag einfach die Spitzen der jungen Bäumchen, die sich in den Zweigen eines gefällten Baumes verfangen haben, nach oben ausrichtet, damit sie sich in den nächsten Tagen, Wochen, Jahren und Jahrzehnten ungehindert in die Höhe strecken können. „Das ist wichtig“, sagt Hans Killer. Jeder Handgriff ist ein Handgriff für die Zukunft.

vu

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