Corinna Hartmann hält ein Eichhörnchen in den Händen
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Alles klar? Corinna Hartmann mit einem ihrer Schützlinge.

Private Auswilderungs- und Aufpäppelstation

Ein Herz für Tiere: Diese Familie rettet verletzte oder verlassene Eichhörnchen

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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Familie Hartmann aus Waldram betreibt seit rund drei Jahren ehrenamtlich eine Auswilderungs- und Aufpäppelstation für verletzte oder verlassene Eichhörnchen. Ein Besuch.

  • Verletzte Eichhörnchen werden Eichhörnchen Schutz e.V.
  • Familie Hartmann nimmt Tiere auf und versorgt sie
  • Abschied fällt nicht immer leicht

Waldram – Sieben kleine Eichkatzerl-Kinder sind derzeit Gast in dem Haus an der Föhrenwaldstraße. Geordi tobt hinter Beverly her. Jean Luc, gemütlich in einer Art Filzbeutel liegend, sieht dem Treiben seiner Kollegen gelassen zu – genauso gelassen wie Corinna Hartmann und ihr Sohn Noah. „Die haben echt ihren Spaß“, kommentiert der 13-Jährige das Spiel der etwa fünf bis sechs Wochen alten Tiere, die alle nach den Figuren der Star Trek Serie benannt wurden. „Irgendwie müssen wir sie ja unterscheiden, wenn wir über sie reden“, begründet Noah ernst.

Derzeit sind die possierlichen Tierchen noch in einem Innenkäfig untergebracht. „Da kann man besser kontrollieren, wie es ihnen geht, kann sie füttern und wiegen“, sagt Hartmann und nimmt vorsichtig mit geübtem Griff einen der kleinen Nager heraus. Noch bis vor zwei Wochen stand sie alle drei, vier Stunden vor der Voliere, eine Futterspritze mit Aufzuchtsmilch in der Hand. „Jetzt sind die Intervalle größer, und die Nacht ist somit wieder ruhig.“

Neugierig: Ein Eichhörnchen in der von Peter Hartmann gebauten Außenvoliere.

Man darf nie vergessen, es sind Wild- und keine Kuscheltiere.

Corinna Hartmann

Sind die Tiere älter und kräftiger geworden, steht der Umzug in ein größeres Außengehege an. „Sobald sie gelernt haben, wie man klettert oder eine Nuss knackt, geht es wieder eine Station weiter.“ Sie kommen dann in den Bereich, von dem aus sie jederzeit in die freie Natur gehen können. „Manche kommen uns aber immer wieder besuchen“, erzählt Hartmann weiter und deutet auf ein dunkles Eichhörnchen, das von der Terrasse aus ins Zimmer schaut und dabei ein kurzes, grunzendes Geräusch von sich gibt. „Das ist Pille“, ist sich Noah sicher. „Der mault immer herum, wenn nichts zum Fressen da ist.“ Letztendlich entdeckt der kleine Nager die Hartmannschen Vorräte, klaut sich eine Nuss und verschwindet wieder. Vermenschlicht werden die Eichhörnchen jedoch nicht. „Man darf nie vergessen, es sind Wild- und keine Kuscheltiere“, betont die tierliebende Frau. „Wir versuchen nur, ihnen eine zweite Chance zu geben.“

Haus am Waldrand wie geschaffen für Auswilderungsstation

Im Prinzip begann das Engagement der Familie, als sie beim Einzug in ihr gemütliches Haus direkt am Waldrand vier rechteckig angeordnete Bäume, die morsch geworden waren, fällen mussten. „Aus einer Eingebung heraus ließen wir aber die Stümpfe in drei Meter Höhe stehen.“ Hartmann lacht. „Wir haben immer gesagt, dazu fällt uns noch etwas ein.“

Freiluft: Corinna Hartmann und ihr Sohn Noah zeigen, wie die Tiere im Garten untergebracht sind.

Dann fand ihr Mann Peter zwei kleine, verletzte Eichhörnchen. Hartmann rief umgehend beim Verein Eichhörnchen Schutz e.V. in München an. „Das ist das Allerwichtigste. Und man sollte versuchen, es warm zu halten“, erklärt sie. Auch Füttern ist zu diesem Zeitpunkt nicht angebracht. „Maximal, wenn es dehydriert ist, mit dem Finger oder einer Pipette etwas Honigwasser oder verdünnten Fencheltee anbieten.“ Absolut verkehrt ist Kuhmilch. Die Hartmanns brachte ihre Schützlinge zu Dr. Viviana Munoz, die den Verein nach Kräften unterstützt. „Auf Bildern sah sie, wie wir wohnen – und schon war die Idee einer Auswilderungsstation geboren.“ Und hier kommen wieder die vier Baumstämme ins Spiel: Peter Hartmann griff zu Bohrer, Säge und Hammer, verband die Stümpfe mit Gittern und errichtete so ein großzügiges Außengehege inklusive Klettergarten und Höhlen.

Sobald dem Verein ein hilfloses Tier gemeldet wird, klingelt Hartmanns Handy. Über eine WhatsApp-Gruppe wird eruiert, wer in der Nähe ist und die kleinen Nager aufnehmen kann. „Dann fahren wir eben mal bis Sendling oder Giesing, um sie abzuholen.“ Sind die Nager etwa drei Monate alt, heißt es wieder Abschied zu nehmen – auch wenn’s manchmal schwerfällt. „Ja, man ist schon traurig. Schließlich hat man ja auch sein Herzblut reingesteckt“, sind sich Mutter und Sohn einig. „Aber das ist eben so. Sie gehören einfach in die Natur.“

Info

Die Notrufnummer 01 76/55 37 68 64 des Vereins Eichhörnchen Schutz e.V. ist rund um die Uhr besetzt.

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Auch am Einödhof in Geretsried sind Eichhörnchen willkommen. Er liegt abgeschieden im Wald - das ist nicht immer ein Vorteil.

Manche halten sich Wellensittiche oder Kanarienvögel. Werner Harant aus Gelting ist ein paar Nummern größer eingestiegen. Er hat zwei Wüstenbussarde.

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