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Gemütlicher Bummel im Lichterschein: Beim Waldramer Adventsmarkt sind viele Wiederholungstäter unterwegs – Kunden wie Verkäufer.

Handwerklicher Adventsmarkt

In Waldram riecht’s nach Weihnachten

Waldram - Bäume, Bratwurst, braune Schafe: Der traditionelle Handwerkliche Adventsmarkt in Waldram lockte die Besucher mit allerlei Düften an.

Wonach riecht Weihnachten? Für Robert (11) und Lukas (8) im Moment vor allem nach Bienenwachs. Zum „gefühlt 100. Mal“ tauchen sie einen Docht in den Topf mit flüssigem Wachs und stellen sich wieder ans Ende der kleinen Warteschlange. „Das macht Spaß“, freut sich Robert. „Die Kerze wird ein Weihnachtsgeschenk für...“ – stopp, um wen es geht, verraten wir natürlich nicht. Ilona Decker von der Wolfratshauser Klecks-Schule der Phantasie, die das Kerzenziehen betreut, muss die Kinder ein wenig bremsen: „Eure Kerzen sind langsam dick genug.“ Sie hat Recht, findet Robert, aber ein paar Mal stellt er sich trotzdem noch an.

Ein paar Meter weiter überlagern Bratwurst und Punsch den feinen Bienenwachsduft – für die meisten erwachsenen Besucher des Waldramer Adventsmarkts die verheißungsvollsten Aromen der Vorweihnachtszeit. Wer sich die Zeit nimmt, an seiner Tasse zu schnuppern, riecht herb-süßen Holunder, Zimt, Nelken und andere weihnachtliche Gewürze. „Ausgesprochen süffig“, urteilt ein älterer Herr und grinst selig.

Den wohl ursprünglichsten Weihnachtsduft – den nach Stall – verbreiten die vier braunen Schafe der „Lebenden Krippe“ von der Kolpingfamilie Waldram. Ungerührt vom Trubel ringsum knabbern die Tiere am Heu. Auch die vielen kleinen „Hirten“, die ihre Hände in ihrem dichten Pelz oder an der Feuerstelle nebendran aufwärmen, scheinen sie nicht zu stören. Ihr gelegentliches leises „Mäh“ wird vom „Oh Tannenbaum“ der Stadtkapelle Wolfratshausen übertönt.

Um Tannen- und andere Bäume geht es auch am Stand des Gymnasiums und Kollegs St. Matthias. „Welche Gefühle lösen Bäume in uns aus? Was verbinden wir mit ihrem Geruch?“ fragten sich die Schüler des P-Seminars Biologie. Antworten findet man in ihrem Buch „Die Bäume Waldrams“. 39 verschiedene Baumarten in ihrem Wohngebiet haben sie in monatelanger Arbeit mit Fotos, Lageplan und ausführlichen Beschreibungen porträtiert – von Apfelbaum bis Weißtanne und Zuckerahorn. „Gestern haben wir noch schnell Schilder an den Bäumen angebracht“, berichtet Schüler Felix Weinthäter (19). Im Frühjahr sollen auf dem Schulgelände noch einige Bäume gepflanzt werden. „Ursprünglich wollten wir einen Lehrgarten an der Schule bauen“, erzählt der Zwölftklässler: „Jetzt haben wir ganz Waldram als Lehrgarten.“

Noch mehr Bücher gibt es am Stand der Zweigstelle Waldram der Stadtbücherei Wolfratshausen. Andrea Poloczek und ihre Mitarbeiterinnen haben „übers Jahr Bücherspenden gesammelt und die schönsten Exemplare für den Adventsmarkt zurückgelegt“. Die Büchereileiterin betreut gleich zwei Stände: Mit drei anderen Waldramerinnen verkauft sie im „Platzerl-Himmel“ selbstgemachtes Weihnachtsgebäck. Um die 35 Sorten backen sie jedes Jahr für den „ultimativen Adventsmarkt“, wie sie sagt, „und das schon seit weit über 20 Jahren“.

Vanille-Kipferl und Walnuss-Kerndl gibt es auch am Stand gegenüber. Sie riechen ebenso lecker wie die Plätzchen, sind aber aus Seife. „Viele meiner Kunden sind Wiederholungstäter und kommen jedes Jahr“, freut sich die Geretsriederin Dana Weidner, die die Seifenstücke, Lippenbalsam und andere Körperpflegeprodukte aus Pflanzenfetten und ätherischen Ölen selbst herstellt und seit sieben Jahren hier verkauft. Leider geruchlos, aber eine Institution am Waldramer Adventsmarkt sind die Glassterne im Tiffany-Stil von Angela Hoffmann und Brigitte Kühn. Seit 22 Jahren verkaufen sie ihre gelöteten Sterne, Engel und Windlichter hier, berichtet die aus Waiblingen angereiste Ex-Waldramerin Hoffmann. Sie wundert sich jedes Jahr wieder, dass das Geschäft immer noch gut läuft, sagt sie: „Inzwischen hängt schon in fast jedem Fenster in Waldram ein Stern von uns.“

cw

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