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Weil zu wenige Kunden kommen schließt der Pächter Hans-Joachim Freywald seine Edeka-Filiale in Waldram.

Nahversorgung für einen Wolfratshauser Stadteil

Waldramer Edeka vor dem Aus

Wolfratshausen/Waldram - Lange schon kursieren Gerüchte, jetzt herrscht Gewissheit: Der Pächter der Edeka-Filiale im Wolfratshauser Ortsteil Waldram gibt auf. Die Nahversorgung für 4000 Einwohner steht auf dem Spiel.

Lange schon kursieren Gerüchte, jetzt herrscht Gewissheit: Der Pächter der Edeka-Filiale im Wolfratshauser Ortsteil Waldram gibt auf. Bis Juni dieses Jahres möchte Hans-Joachim Freywald den Laden weiterbetreiben, dann ist für ihn Schluss. „Ich habe bei dieser Filiale von Anfang an draufgezahlt, so kann ich nicht überleben“, erläutert der Kochler. Das Problem seien die Kunden: „Die meisten kaufen hier nur ein paar Artikel. Die Wochenend- oder Großeinkäufe erledigen sie beim Discounter.“ Die mageren Einnahmen reichten nicht, um die Personal- und Mietkosten für den etwa 800 Quadratmeter großen Laden zu zahlen. Geschweige denn, Gewinne zu erwirtschaften. Vor zwei Jahren wurde aus diesen Gründen bereits die Frischwursttheke des Marktes geschlossen.

Die Filiale fuhr jahrelang Verluste ein 

Freywald, der außer dem Wolfratshauser Edeka je eine Filiale in Benediktbeuern und in Kochel betreibt, ist seit sieben Jahren Pächter des Ladens. Die Verluste des Waldramer Marktes habe er mit dem Plus der zwei anderen Filialen ausgeglichen. „Das will ich jetzt nicht mehr mitmachen“, sagt der Unternehmer. Die Läden in Benediktbeuern und Kochel werde er weiterbetreiben. Dass der Waldramer Laden keine Goldgrube werden würde, wusste Freywald. „Der Standort war für mich von Anfang an uninteressant.“ Übernommen habe er das Geschäft nur deshalb, weil der Edeka-Konzern ihn unter Druck gesetzt habe: Der Zuschlag für einen Standort im Süden des Landkreises war an die Bedingung geknüpft, auch den Laden Waldram zu betreiben. Der Pachtvertrag läuft noch bis 2019, „das Unternehmen ist mir aber entgegengekommen. Deshalb kann ich jetzt meinen Ausstieg in Waldram vollziehen.“

Wie es weiter geht, steht in den Sternen

Ob und wie es in puncto Nahversorger in dem Stadtteil weitergeht, steht in den Sternen. „Es gibt noch keinen Nachfolger“, sagt Freywald. Verwundert ist er darüber nicht: „Wer die Zahlen des Ladens überprüft, sucht sich lieber einen anderen Standort.“ Der Wirtschaftsreferent des Wolfratshauser Stadtrates, Helmut Forster (Bürgervereinigung), hofft, dass sich ein neuer Betreiber findet. „Ich denke, dass es für einen Ortsteil mit etwa 4000 Einwohnern wichtig ist, einen Nahversorger vor Ort zu haben.“ Er habe bereits Gespräche mit der Pächterfamilie geführt und seine Hilfe angeboten. „Wenn wir helfen können, dann werden wir das gerne tun“, verspricht der Ex-Rathauschef. Allerdings hätten es die Anwohner selbst in der Hand: „Es geht nicht, dass man schimpft, wenn ein Lebensmittelladen im Ort fehlt, aber nicht dort einkauft, wenn es einen gibt.“ In der südbayerischen Niederlassung von Edeka in der Nähe von Ingolstadt hüllt man sich in Schweigen. Auf Nachfrage unserer Zeitung teilt ein Unternehmenssprecher mit: „Wir können derzeit nichts zu der Situation am Standort Waldram sagen.“ Nur so viel: „Unser Verkaufsstellennetz wird andauernd optimiert.“ Dominik Stallein

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