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Bar oder mit Karte? Für viele Deutsche scheint das keine Frage zu sein. Sie möchten nicht aufs Kleingeld verzichten. 

Trotz Handy und EC-Karte

Warum Bargeld immer noch gang und gäbe ist

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Immer wieder wird geunkt, dass das Bargeld ausstirbt. Davon scheint ist man im Landkreis noch weit entfernt, wie Banker und Supermarkt-Betreiber bestätigen. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Es war eine erstaunliche Zahl, die durch die Presse ging: Deutschland wird 2019 Cent- und Euro- Münzen im Wert von 632 Millionen Euro produzieren. Wie passt das mit der immer wieder gehörten These zusammen, dass demnächst nur noch bargeldlos bezahlt werden soll?

Nach Einschätzung von Willi Streicher, Pressesprecher der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen, werden die Cent- und Euromünzen nicht so schnell verschwinden, wie manche glauben. „Wir haben den Eindruck, dass die Deutschen das Bargeld lieben und in naher Zukunft nicht darauf verzichten möchten“, sagt er.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der Anteil der bargeldlosen Transaktionen nach wie vor steigt – auch bei Kleinbeträgen. Für die Bank selbst ist die Münzverarbeitung seit Inkrafttreten einer EU-Richtlinie im Jahr 2015 ziemlich aufwendig geworden. „Als Sparkasse müssen wir die Echtheit prüfen. Das kostet Zeit und Geld“, erklärt Streicher.

Lesen Sie auch: Unternehmer verliert Kuvert voller Bargeld

Deshalb ist die Kleingeldbereitstellung mittlerweile mit Kosten verbunden. Und: Einzahlungen werden nicht mehr sofort gezählt, sondern von einem Dienstleister verarbeitet. Eine Ausnahme beim Thema Bargeld bilden Kinder mit ihren Sparschweinen. Diese Einzahlungen sind weiterhin kostenlos. „Hier fördern wir nach wie vor das Sparen und den Spargedanken.“

Ob die von vielen als lästig empfundenen Ein- und Zwei- Cent-Münzen noch zeitgemäß sind, darüber will sich Streicher kein Urteil anmaßen. „Die Frage stellt sich nicht“, erklärt er. „Wir sind ein Dienstleistungsunternehmen und die Bargeldversorgung zählt seit jeher zu unseren Grundleistungen.“

Im Supermarkt geht es nach wie vor nicht ohne Bargeld. Zum Beispiel im Rewe am Hans-Urmiller-Ring in Wolfratshausen, 2016 zum besten Supermarkt Deutschlands ausgezeichnet. Laut Marktleiter Andreas Klöble kommen täglich um die 3000 Menschen zum Einkaufen. „Ich schätze, dass knapp die Hälfte mit Bargeld zahlt.“ Allerdings zeigt sich auch hier die Tendenz: Diejenigen, die an der Kasse umständlich Scheine und Münzen aus dem Geldbeutel kramen, werden immer weniger.

Auf die Ein- und Zwei-Euro-Münzen könnte Klöble für seinen Teil ganz gut verzichten, in anderen Ländern wird ja auch schon auf- oder abgerundet. „Aber das ist nicht meine Entscheidung, sondern die der Zentrale.“

Geldstransporter-Streik: Banken geht das Bargeld aus

Für Angelika Beham, Mitorganisatorin des monatlich stattfindenden Flohmarkts in Einöd, wäre die grundsätzliche Abschaffung von Kleingeld eine Katastrophe. „Dann könnten wir unseren Flohmarkt zumachen“, sagt sie. Dort wird nämlich ausschließlich bar bezahlt, die Anschaffung eines teuren EC- Geräts wäre für keinen der im Schnitt 20 Aussteller zumutbar. Auch sonst fände sie es jammerschade, wenn das Bargeld verschwindet. „Wie soll das dann mit dem Taschengeld werden? Soll man Kindern dann eine Karte in die Hand drücken?“, fragt sie Beham hat einen Verdacht, warum die Menschen immer mehr dazu gedrängt werden, mit Karte zu zahlen. „Wir sollen halt immer mehr kontrolliert und überwacht werden.“ Aus eigener Erfahrung weiß Beham, dass auch in Ländern, die angeblich total bargeldlos verkehren, Münzen noch gang und gäbe sind. So hat sie kürzlich Schweden besucht, und dem Land eilt der Ruf voraus, in dieser Hinsicht besonders fortschrittlich zu sein. Und was war? „Man konnte ganz normal mit schwedischen Kronen zahlen, das war überhaupt kein Problem.“

Für Angelika Beham der Beweis, dass hundertprozentige Bargeldlosigkeit ein Mythos ist. Und der Flohmarkt in Einöd noch eine lange Zukunft vor sich hat.

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