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„Keine einfache Geldanlage, sondern spekulative Beteiligung“

Warum die Baugenossenschaft den Verbraucherschützern widerspricht

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Bayerns Verbraucherschützer warnen vor Beteiligungen an Baugenossenschaften. Die BG-Geschäftsführer aus Geretsried und Wolfratshausen widersprechen entschieden.

Wolfratshausen/Geretsried – Die Verbraucherzentrale Bayern warnt vor gefährlichen Sparformen: Finanzvermittler würden zunehmend Beteiligungen an Wohnungsbaugenossenschaften anpreisen. Doch den Anlegern drohe der Totalverlust ihres Geldes. „Eine Beteiligung an einer Genossenschaft ist keine einfache Geldanlage, sondern stellt eine spekulative Beteiligung dar“, stellt Matthias Schmid, Finanzjurist der Verbraucherzentrale Bayern, fest. Britta Wurm, Vorstandsmitglied der Baugenossenschaft (BG) Wolfratshausen betont: „Das ist kein Anlagekonzept von uns.“ Wolfgang Selig, Geschäftsführer der BG Geretsried, bestätigt: „Wer behauptet, Anteile von uns zu vermitteln, der lügt.“

Die BG Wolfratshausen zählt laut Wurm aktuell 635 Mitglieder. Jeder von ihnen muss – anstelle einer Mietkaution – sogenannte Geschäftsanteile zeichnen. Maximal bekommt der Einzelne zehn Anteile im Wert von je 55 Euro. Darüber gebe es „nur eine Handvoll“ Anteilseigner, die nicht Mieter bei der BG sind. „Wir reden da unterm Strich über rund 15 000 Euro“, sagt Wurm. Das Bilanzvolumen der Wolfratshauser BG betrug Ende 2017 nach eigenen Angaben knapp 35 Millionen Euro.

Vier Prozent Dividende zahlte die BG ihren Mitgliedern im vergangenen Jahr aus, mutmaßlich wird’s heuer genau so sein. Angesichts von Strafzinsen eine attraktive Rendite, aber: Potenziellen Kapitalanlegern zeigt Wurm die kalte Schulter: „Das ist nicht unser Geschäftsmodell.“ Das Geld, das die BG für Investitionen braucht, „bekommen wir von der Regierung von Oberbayern und ortsansässigen Banken.“ Ein wesentlicher Faktor sei zudem das Eigenkapital.

Wolfgang Selig steuert die BG Geretsried im selben Fahrwasser: „Wir machen keine Geldgeschäfte, wir sind keine Bank.“ Rund 2800 Frauen und Männer sind Mitglied der BG Geretsried, auch sie haben wie in der Nachbarstadt Anteile an der Genossenschaft erworben. In den vergangenen Jahren gab’s fünf Prozent Dividende. „Der Anteil ersetzt die Mietkaution“, erklärt Selig. Darüber hinaus sind die Stadt Geretsried, der Landkreis und die Hausbank Mitglieder der BG. Die Maximalsumme, für die Anteile gekauft werden können, beträgt 52 000 Euro. Bei aktuell 52 Millionen Euro Eigenkapital „hat also niemand mehr als ein Tausendstel Anteil“, rechnet der BG-Geschäftsführer vor.

„Für Großanleger wollen wir gar nicht attraktiv sein“, betont Selig. Man lege stattdessen Wert „auf einen persönlichen Bezug zur BG“. Es komme ihm überhaupt nicht in den Sinn, „den anonymen Kapitalmarkt anzuzapfen“, betont Selig. Britta Wurm sieht das genauso: Die Bitte eines Hamburgers, einen hohen Betrag bei der BG Wolfratshausen als Kapitalanlage investieren zu wollen, lehnte der Vorstand höflich, aber kategorisch ab.

Dass den Anteilseignern im schlimmsten Fall der Totalverlust ihres Geldes drohe – so die Warnung der Verbraucherschützer –, bestreiten Wurm und Selig nicht. Doch dieses Risiko sei ähnlich groß, wie auf dem Karl-Lederer-Platz in Geretsried von einem weißen Hai gebissen zu werden. Eine Pleite habe in der Regel eine von zwei Ursachen, weiß Selig: „Eine Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit.“ Eine Überschuldung sei aufgrund der Zig-Millionen-Sachwerte, über die die Baugenossenschaften in Form von Grundstücken und Immobilen verfügen, quasi kein Thema. Selig: „Und nennen Sie mir bitte eine Baugenossenschaft, die in den vergangenen Jahrzehnten wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenz anmelden musste. Die finden Sie nicht.“

Der Behauptung der Verbraucherschutzzentrale, dass Beteiligungen an Baugenossenschaften meist lange Laufzeiten haben, sodass die Mitglieder Jahrzehnte an die Verträge gebunden sind, widerlegt Selig mit Hinweis auf die Satzung der BG Geretsried: „Es gibt ein einjähriges Kündigungsrecht.“

„Glauben Sie mir: Die vorrangige Aufgabe der Baugenossenschaften in Wolfratshausen und Geretsried ist es, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen“, sagt Vorstandsmitglied Wurm. „Vor uns muss man nicht warnen.“ cce

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