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Vater, Sohn, heiliger Geist: Sie bilden gemeinsam den christlichen Gott. 

GOTT UND DIE WELT

Warum der dreieinige Gott so lebensnah ist 

Die Vorstellung von einem dreieinigen Gott ist abstrakt und kompliziert. Aber sie hat doch sehr viel mit unserem Leben zu tun. 

Gerhard Beham, katholischer Dekan in Wolfratshausen

„Gott, ist das kompliziert!“ – so seufzen wir manchmal, wenn wir irgendeinen Sachverhalt nicht verstehen. „Gott, bist du kompliziert!“ – so seufzen wir auch als Christen, wenn wir die Lehre über die Dreifaltigkeit Gottes verstehen möchten.

Dabei ist die Vorstellung von einem Gott in drei Personen eigentlich sehr lebensnah: Denn Gott wird nicht statisch, in sich ruhend, sondern kommunikativ und dialogisch gedacht. Genauer noch: In seiner Dreifaltigkeit verehren wir einen „geselligen“ Gott, der von Liebe bestimmt ist. Dabei verlangt die Liebe bekanntlich mindestens zwei Personen, die ein bestimmter Geist, nämlich der Geist der Liebe, verbindet.

Während der Philosoph Jean Paul Sartre zu der Einsicht kommt, die Mitmenschen werden einander eher zur Hölle, weil wir Menschen uns durch Feindseligkeit das Leben gegenseitig zur Hölle machen können, ist die christliche Antwort darauf: Nein, die Einsamkeit ist die Hölle! Und die überwindet der Mensch als Ebenbild Gottes, indem er seinem Mitmenschen eine Ahnung bereitet von der Liebe Gottes. Stellen wir uns Gott daher nicht als einsam vor, sondern als Liebe, dann braucht die Liebe Gottes ein Gegenüber. Denn zur Liebe gehört sowohl das Für-Sich-Sein als auch das Einswerden: Zwei eigenständige Wesen, die dank der Liebe Einssein erfahren.

Der christliche Gott ist gesellig 

Das dreifaltig-dreieinige Gottesbild erfüllt sozusagen zwei Grundbedürfnisse des Menschen: Erstens den Wunsch, sich selbst zu verwirklichen, und zweitens die Sehnsucht, Gemeinschaft zu finden. In diesem Sinne ist unser Gottesbild natürlich kompliziert, weil es die auseinanderstrebenden Tendenzen von Individuellem und Gemeinschaftlichem auf eine Einheit hinlenkt, die man ständig neu finden muss.

Aber ist das in unserem Menschenleben anders als kompliziert? Denken wir nur an die Ehe: Einheit entsteht nicht durch Verschmelzung zweier Persönlichkeiten, sondern indem jeder eigenständig bleiben darf und muss. Der dreieine Gott ist darum ein kompliziertes Geheimnis, aber nicht in einem negativen Sinn. Gott erscheint uns zwar oft widersprüchlich und fern, gleichzeitig kommt er uns aber nahe in der Erfahrung der Liebe! Gott ist ganz und gar sich verströmendes Leben.

Das war auch die Gotteserfahrung Jesu, der uns in seine Beziehung zum himmlischen Vater mitnehmen will. Gott will uns als Mitliebende! Weil Gott selbst Hingabe ist, können wir unser Heil nicht finden, indem wir uns abschotten und abgrenzen. Das verpflichtet uns auch zum Dialog mit den anderen Religionen.

Lesen Sie auch: Das gemeinsame Fundament unseres Glaubens

Im Grunde dürfen wir uns jedes Mal daran erinnern lassen, wenn wir das Kreuzzeichen machen: Wir werden in die Liebe zwischen Vater und Sohn durch die Kraft des Heiligen Geistes hineingenommen. Es ist ein Zusammenspiel von Sich-Verschenken und Sich-Beschenken-Lassen. Und wir werden zu Mitspielern im göttlichen Liebesplan! Vielleicht sollten wir daher besser seufzen: „Mein Gott, was bist du so liebevoll-kompliziert!“

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