Michael Altinger
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Der Kühle und den Mücken zum Trotz: Michael Altinger bescherte seinem Publikum in Wolfratshausen einen vergnüglichen Flussfestival-Abend.

Flussfestival in Wolfratshausen

Warum Kabarettist Michael Altinger nur böse Tiere grillt

Kabarettist Michael Altinger gastierte beim Flussfestival in Wolfratshausen - und outet sich als Flexitarier.

Wolfratshausen – Schon der erste Eindruck wirkt lange nach. Im Stil eines selbstbewussten Entertainers betritt Michael Altinger am Freitagabend die Flussfestival-Bühne und badet erst einmal zwei Minuten im donnernden Begrüßungsapplaus des Publikums. „Ich genieße das wie eine Dusche“, erklärt Altinger.

Wie vielen anderen Künstlern blieben ihm Live-Auftritte pandemiebedingt lange versagt. Durch die Mitwirkung an kabarettistischen Sendungen im Bayerischen Fernsehen, das Schreiben eines Buchs sowie einer CD-Aufnahme überbrückte er die Krise. Altingers aktuelles Programm „Schlaglicht“ entstand bereits 2019 als zweiter Teil einer Trilogie mit ständig wiederkehrenden Darstellern und Rollenspielen. So erwartet er beispielsweise seinen Freund Helmut Lux auf einer imaginären Grillparty, die er durch die eingespielten Geräusche einer sich ständig öffnenden Tür und das Quietschen eines Kühlschranks darstellt. „I blas selber in den Grill – kein Fön, kein Blasebalg: Das verschafft mir ein analoges Gefühl“, behauptet Altinger. Als Flexitarier esse er selten Fleisch und grille nur böse Tiere.

Skurrile Trimm-dich-Übungen auf der Flussbühne

Zwischendurch lacht das Publikum über Altingers skurrile Trimm-dich-Übungen und beklatscht die musikalischen Einlagen mit seinem Bühnenpartner Andreas Rother. Angefangen vom melancholischen „Boid bist du oid“ über das dröhnende „Rock me through the House“ bis hin zur schwungvollen Refrainzeile „Pollenallergie, so schöne Augen hattest du nie“ – der gebürtige Landshuter überrascht durch unerwartete Tonartwechsel.

Es war ein wunderschöner Abend in Wolfratshausen, auch wenn jetzt langsam die Kälte von der Loisach auf die Bühne zieht und mich die Mücken zamfressen.“

Michael Altinger

Kritik an einzelnen Politikern gibt es dagegen kaum. Nur einmal schlägt er CSU-Bundestagsmitglied Andreas Scheuer als „Scham-Minister“ vor, weil dessen Verfehlungen im Dieselabgas-Skandal und bei der nicht realisierten EU-Maut genug Anlass für diesen zweifelhaften Titel geben würden. Anlass zum Fremdschämen geben auch die von Altinger parodierten Gespräche reicher Starnberger Frauen, die sich zum „Wischmobbing“ treffen. „Da werden Faszien gelacht bis in die Ohrläppchen“, behauptet der in Wasserburg lebende Kabarettist.

Nach einem ironisch-klagenden Liebeslied an seine abwesende Frau und einem kurzen „Heimfahrgedicht“ verabschiedet sich Altinger von den laut klatschenden Zuschauern. „Es war ein wunderschöner Abend in Wolfratshausen, auch wenn jetzt langsam die Kälte von der Loisach auf die Bühne zieht und mich die Mücken zamfressen“, zeigt sich der 50-Jährige erleichtert. (ph)

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