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Die Geschichte von Wolfratshausen wird bestimmt durch seine geografische Lage im Loisachtal. 

Historischer Verein

Was an der Wolfratshauser Geschichte so besonders ist

Wolfratshausen hat eine einmalige Geschichte, das wurde im Vortrag von Bernhard Reisner deutlich. Das hängt vor allem mit seiner speziellen Geografie zusammen. 

Wolfratshausen – „Vor einem Monat habe ich mein komplettes Konzept für den heutigen Abend eingestampft“, verriet Referent Bernhard Reisner zu Beginn des Abends. Zu groß war die Fülle des Materials, das der Hobby-Historiker zusammengetragen hatte. Dass Reisner wichtige, bislang kaum erforschte Aspekte – so die Rolle des Lagers Föhrenwald als Wirtschaftsfaktor während der Nazi-Diktatur und der Nachkriegszeit – nicht berücksichtigte, tat der Vortragsveranstaltung des Historischen Vereins Wolfratshausen keinen Abbruch. Das zeigten die nachfolgenden 60 Minuten. Der stellvertretende Vorsitzende des Vereins begeisterte sein Publikum im evangelischen Gemeindehaus mit einer anschaulichen Präsentation über die Entwicklung des Isar- und Loisachtals.

Wichtig waren die Handelswege entlang der Flusstäler

„Wolfratshausen profitierte schon immer von den guten Handelswegen entlang der Flusstäler“, erzählte Reisner. Damit meinte er aber nicht nur die Flößerei selbst: „Die vorhandenen Täler waren ideal für den Bau von Maultier- und Fußwegen.“ Diese Wege waren ihrer Zeit voraus: Schon damals nämlich „wurde von den Städten Pflasterzoll erhoben“, eine Art Maut für passierende Händler. Auch den umliegenden Klöstern und der Burg hat die Flößerstadt laut dem Wolfratshauser viel zu verdanken. „Im weitesten Sinne waren sie der wirtschaftliche Motor unserer Region.“ Die Klöster beschäftigten viele Angestellte, auch im Brauereiwesen. Zu den wichtigen Entwicklungsfaktoren zählte aber auch das Handwerk. „Schon vor knapp 400 Jahren waren 162 Menschen in 38 Handwerksbetrieben tätig“, sagte der Referent.

Während der Historiker durch die Jahrhunderte sprang, lauschten die rund 60 Gäste gespannt. Auf einer Leinwand inmitten des Saals veranschaulichte Reisner seine Informationen mit Fotos, Karten und Zeichnungen. Dies gestaltete der passionierte Geschichtsforscher so kurzweilig, dass selbst die Kinder gespannt zuhörten.

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Mit der ersten Elektrizität, die vor rund 120 Jahren in der Weidacher Mühle produziert wurde, kam der Vize des Historischen Vereins fast in der Gegenwart an. Dabei thematisierte er auch ein Problem, dass die Zukunft bestimmen wird: „Wegen des Flusstals sind die Möglichkeiten des Wachstums von Wolfratshausen platzmäßig begrenzt.“ Er appellierte deshalb an die Anwesenden: „In Zukunft müssen wir noch stärker mit den umliegenden Städten und Gemeinden kooperieren. Die Entwicklung und die Zukunft Wolfratshausens kann nur in Zusammenschluss mit anderen funktionieren.“

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Als Beispiele für mögliche Kooperationspartner nannte Reisner Geretsried und Icking. Zuhörerin Renate Rusche gefiel diese Aussicht weniger. Die gelernte Bankkauffrau aus Wolfratshausen befürchtet, die Flößerstadt könne zu sehr abhängig von ihrer Nachbarstadt im Süden werden. „Geretsried besitzt beispielsweise mit Gelting viel größere Flächen. Ich hoffe, Wolfratshausen muss sich in Zukunft nicht unterordnen.“  Jonas Napiletzki

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