Ein Straßenschild.
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Da bin ich daheim: Die Tiroler Straße in der Wolfratshauser Bahnhofsgegend war die 60. Folge von Konrad Hubers Straßennamen-Serie.

Projekt von Konrad Huber hat viele Fans

Was steckt hinter den Straßennamen: Dieser Wolfratshauser weiß es

  • Volker Ufertinger
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Wer wissen will, was sich hinter den Straßennamen in der Stadt Wolfratshausen verbirgt: Konrad Huber (57) weiß es - und er gibt sein Wissen preis.

Wolfratshausen – In der geschlossenen Facebookgruppe „Du bist aus Wolfratshausen, wenn...“ findet man viele Informationen, was den Alltag in der Flößerstadt angeht. Dazwischen eingestreut und von vielen gern gelesen: Die Erläuterungen von Konrad Huber (57) zu den Wolfratshauser Straßennamen. Was bedeuten sie? Wie sind sie zustande gekommen? Der gelernte Elektriker, der heute als IT-Fachmann für die Kinder- und Jugendklinik in Gaißach arbeitet, trägt mit großem Fleiß alles Wissenswerte zusammen. Seine Kolumne hat viele Fans, Dutzende von Likes sind der Normalfall. „Es macht mir schon einen großen Spaß“, sagt er.

Huber ist in Wolfratshausen aufgewachsen, genauer am Moosbauerweg – eben jener Straße, der er am 29. September 2019 auf Facebook die erste Folge gewidmet hat. Seine Mutter stammt aus Ergertshausen, der Vater ist heute vielen noch bekannt als der einstige Mesner von St. Andreas. Hubers Großeltern, die am Untermarkt gewohnt haben, waren mit dem Dekan Franz-Xaver Weiß befreundet. Die nach ihm benannten Straße in Waldram bildete die zweite Folge der Serie. Man sieht schon, es gibt durchaus persönliche Bezüge. Vor kurzem ist Huber bei Folge 60 angelangt, der Tiroler Straße. Um die 180 Folgen sollen es in etwa werden. „Das wird schon noch ein paar Jahre so gehen.“

Es ist nicht das erste Projekt des 57-Jährigen

Es ist nicht das erste Projekt, mit dem Huber die Facebook-Gemeinde erfreut. Davor hatte er die etwa 100 historischen Postkarten seines Bruders eingescannt und der Öffentlichkeit mit einigen Erläuterungen zugänglich gemacht. „Da habe ich schon viele positive Reaktionen bekommen.“ Als die Serie vorbei war, überlegte er sich etwas Neues.

Dabei erinnerte er sich an ein Buch seines Vaters. Der Titel: Die Straßennamen von Wolfratshausen, herausgegeben von der ehemaligen Archivarin Marianne Balder. „Da war ich ganz schnell Feuer und Flamme.“ Die Informationen kopiert er aus Datenschutzgründen nicht eins zu eins ins Internet, sondern recherchiert weiter (etwa beim Kathi-Kobus-Steig) oder lässt eigene Erinnerungen einfließen (etwa ans Café Waldeck gegenüber der Straßenmeisterei). Am schönsten findet er es, wenn sich unter den Nutzern eine Diskussion entspinnt. „Da tauchen dann oft ganz neue Informationen auf. Das ist toll.“

Warum gibt‘s den Flößerweg doppelt?

Im Laufe des Projekts sind viele Fragen aufgetaucht. Warum gab es manche Straßennamen doppelt, etwa den Flößerweg in Weidach und in Wolfratshausen? Hubers Erklärung: Bis zur Gebietsreform war das alles kein Problem. Doch danach musste man sich etwas einfallen lassen. Im Falle des – ziemlich kurzen – Wolfratshauser Flößerwegs in der Nähe der Mittelschule behalf sich die Stadt, indem sie ihn zum Steghiaslweg schlug. Oder: Warum gibt es keinen Nantovinusweg? Nun, es hat ihn offenbar gegeben. Es handelte sich vermutlich um die Verlängerung der Jordanstraße in Richtung Bergwald, dort, wo heute der Edeka-Parkplatz zu finden ist. Oder: Warum heißen von den 51 Straßen, die nach Personen benannt sind, 50 nach Männern und nur einer nach einer Frau (nämlich Kathi Kobus, am Bergwald)?

Was den Termin der Veröffentlichung angeht, überlässt Huber nichts dem Zufall. So nahm er die letzte Folge der TV-Serie „Die Lindenstraße“ Ende März dieses Jahres zum Anlass, die Wolfratshauser Lindenstraße zu thematisieren. Und auch für Weihnachten hat er sich bereits etwas ausgedacht. „In Waldram heißen ja viele Straßen nach Bischöfen und Kardinälen“, sagt er. „Vielleicht ist das der richtige Zeitpunkt, mal zu erklären, wer die geistlichen Herren waren“, sagt er. Die Facebook-Gemeinde würde es freuen.

Info: Im neuen Jahr veröffentlicht der Isar-Loisachbote/Geretsrieder Merkur in loser Reihe einige von Konrad Hubers Straßennamenfolgen.

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