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Mit Migrationshintergrund: Der Bauausschuss hat einem Hausbesitzer erlaubt, drei Bayernpalmen auf seinem Grundstück zu pflanzen.

Eigentümer darf sie trotzdem Pflanzen

Kuriose Diskussion in Gremium: Bayernpalme nicht heimisch und daher eigentlich verboten

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Eigentlich dürfen in dieser Straße nur „standortgerechte und heimische Sträucher“ gepflanzt werden. Jetzt machte der Bauausschuss eine Ausnahme und verfiel in eine Diskussion um „ausländische“ Gewächse.

WolfratshausenFür ein Bauprojekt in Wolfratshausen gelten in der Regel klare Spielregeln. Die Gestaltung der Freifläche, sprich des Gartens, macht da keine Ausnahme. Im konkreten Fall, mit dem sich der Bauausschuss in der jüngsten Sitzung befassen mussten, bat der Bauherr um eine kleine Änderung der Vorgaben: Der Bebauungsplan schreibt die Bepflanzung und Grenzeingrünung des betreffenden Grundstücks an der Bürgermeister-Seidl-Straße mit „standortgerechten und heimischen Sträuchern“ vor, der Bauherr möchte allerdings unter anderem sogenannte Bayernpalmen pflanzen.

„Das sind heimische Pflanzen?“, stellte Stadträtin Gerlinde Berchtold (SPD) eine rhetorische Frage an Bauamtsmitarbeiterin Susanne Leonhard. Auch Grünen-Sprecher Dr. Hans Schmidt zog eine Augenbraue hoch. Die winterharte Bayernpalme sei trotz ihres Namens definitiv nicht im Freistaat beheimatet.

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Leonhard erklärte, dass einige Familienmitglieder des Antragstellers unter Allergien leiden würden und er deshalb bestimmte Gewächse in seinem Vorgarten nicht stehen sehen möchte. Rätin Berchtold überzeugte das nicht restlos. Sie war der Meinung, dass die umfangreiche Liste heimischer Sträucher doch sicherlich auch Alternativen für Allergiker bereithält.

CSU-Fraktionschef Günther Eibl bemühte sich nach Kräften, die Debatte über Botanik und Bäume mit mutmaßlichem Migrationshintergrund einzudämmen. „Wir reden hier nur über drei Pflanzen“, brach er eine Lanze für den Hauseigentümer. Da eine positive Entscheidung keinen Präzedensfall darstelle, „stimme ich dem zu“, sagte Eibl.

Mit einem Augenzwinkern wies Dr. Ulrike Krischke (Bürgervereinigung) darauf hin, dass eine Rose „auch nicht europäisch ist“. Sollte man in eine Grundsatzdiskussion einsteigen, gab Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD) zu bedenken: „Was machen wir mit der Kartoffel?“ – die aus den Hochanden von Peru, Chile und Bolivien stammt. „Richtig“, pflichtete ihm Krischke bei, „und was ist mit dem Mais?“ – das Getreide begann seinen weltweiten Siegeszug vor rund 5000 Jahren in Mexiko. Die Stadträte ersparten sich und den Zuhörern weitere Details und stimmten ab: 10:0 für die Bayernpalme.  cce

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