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Finken, Meisen und diesem Specht: Ihnen allen boten die alten Fichten eine Heimat.

Anwohner in Wolfratshausen ist empört

Wegen Neubau: Hochzeitsbäume müssen weg

Wolfratshausen - Anwohner Horst Vogt ist empört: Zwei alte Fichten an der Königsdorfer Straße sind gefällt worden. Die Stadt begründet das Vorgehen.

Lange wurde für sie gekämpft, fallen mussten sie trotzdem. Die Rede ist von zwei Fichten auf einem Privatgrundstück an der Königsdorfer Straße, die vor wenigen Tagen gefällt wurden. Die Bäume müssen einem Neubau weichen. Horst Vogt ist damit nicht einverstanden.

"Da kann man sich nur die Haare raufen"

Der Wolfratshauser, Nachbar des betreffenden Grundstücks, hatte bereits vor über zwei Jahren gemeinsam mit seiner Frau in einem Brief an den damaligen Bürgermeister Helmut Forster für den Erhalt der beiden Bäume plädiert. Der Grund: Bei den Fichten handelte es sich um so genannte „Hochzeitsbäume“ – sie wurden nach der Eheschließung der Eigentümer des Anwesens gepflanzt. Laut Vogt sind die Gewächse mehr als 60 Jahre alt. Vor einem halben Jahr starb die Grundstücksbesitzerin, jetzt wurden die Bäume gefällt. „Da kann man sich nur die Haare raufen“, schimpft Vogt. Schließlich habe sich die ehemalige Nachbarin zeitlebens gegen das Fällen der Bäume gewehrt.

Das Bauamt erklärt die Rechtslage

Finken, Meisen und diesem Specht: Ihnen allen boten die alten Fichten eine Heimat.

Bauamtsmitarbeiterin Susanne Leonhard erläutert auf Nachfrage unserer Zeitung: „Die Eigentümer des Grundstückes errichten an dieser Stelle Wohnhäuser.“ Die mehr als 15 Meter hohen Bäume seien im Bauplan als „nicht erhaltenswert“ deklariert worden. Der Grund: Fichten sind Flachwurzler – ihre Lebenserwartung ist kurz. „Wenn die Bäume mitten in einem Wohngebiet fallen, ist das natürlich höchst gefährlich“, führt Leonhard weiter aus. Zwei Laubbäume sollen an anderer Stelle als Ersatz gepflanzt werden.
 
Das Argument, dass die Bäume fallen könnten, lässt Horst Vogt nicht gelten. In dem Schreiben, das er vom ehemaligen Bürgermeisters erhielt, heißt es nämlich: „Nach Angaben des mit der Erstellung des Baumbestandsplans beauftragten Landschaftsarchitekten Matthias Rauh machen die beiden Fichten einen sehr vitalen Eindruck.“ Die Relativierung folgt jedoch kurz darauf: Die Baumart sei „immer etwas anfällig gegen Wind“. Vogt stört sich noch an einem anderen Aspekt der Fällung. Von seinem Fenster aus konnte er im Sommer beobachten, dass die Fichten vielen Tieren eine Heimat boten. Finken, Meisen, Spechte, Spatzen und sogar einen Wanderfalken habe er dort beim Brüten gesichtet. „Von einer Minute auf die andere wird unzähligen Tieren der Lebensraum entrissen“, klagt Vogt. Es sei zwar notwendig, neuen Wohnraum zu errichten, aber: „Die Heimat vieler Tiere darf nicht einfach verschwinden.“

Umweltschützer Horst Vogt wünscht sich "mehr Sensibilität"

Der Umweltschützer wünscht sich bei zukünftigen Bauprojekten in der Loisachstadt „mehr Sensibilität“. Er sorgt sich nämlich, dass noch weitere Bäume in der Nachbarschaft gefällt werden könnten. Der Grund, warum die Bäume überhaupt weg dürfen: Die Stadt Wolfratshausen hat keine Baumschutzverordnung. „Ich hoffe, dass sich das baldmöglichst ändert“, sagt Vogt. „Es muss doch möglich sein, dass man derart alte Pflanzen erhält.“

Neidisch blickt Vogt auf die Nachbarkommune: „In Geretsried hat es auch geklappt.“ Seit 2013 gilt hier eine solche Verordnung. Die hätte den beiden gefallenen Bäumen übrigens auch nicht geholfen: Fichten finden in der Schutzverordnung keine Erwähnung.

dst

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