Anfall vor dem Urteilsspruch

Wegen Schwarzfahrens: Wolfratshauserin zu Geldstrafe verurteilt

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Fünf Mal war eine Hausfrau (63) ohne gültigen Fahrschein in der S-Bahn-Linie 7 angetroffen worden. Nun musste sich die Wolfratshauserin vor Gericht verantworten.

Wolfratshausen – Fünf Mal war eine Hausfrau (63) ohne gültigen Fahrschein in der S-Bahn-Linie 7 angetroffen worden. In der Verhandlung vor dem Amtsgericht, wo sich die Wolfratshauserin wegen Erschleichens von Leistungen verantworten musste, brachte sie eine nicht alltägliche Erklärung vor: Ihre Epilespie sei Schuld daran, dass sie nicht rechtzeitig die geforderten Tickets habe vorzeigen können.

Falsche Streifenkarten vorgelegt

Wenig später zeigte sich ihre Erkrankung im Gerichtssaal. Während der Richter das Urteil niederschreibt, rutschte die Frau von ihrem Stuhl und blieb zuckend vor der Anklagebank liegen. Als der Richter eine halbe Stunde später das Urteil verlas, war die vom Notarzt versorgte Frau auf dem Weg ins Krankenhaus.

„Ich fahre nicht schwarz. Aber ich bin Epileptikerin. Bis ich in der Aufregung die Papiere gefunden habe, sind die Kontrolleure wieder weg“, ereiferte sich die Frau, nachdem die Staatsanwältin den Inhalt des Strafebefehls, gegen den die Angeklagte Einspruch eingelegt hatte, verlesen hatte. Zum Beweis legte sie dem Gericht abgestempelte Streifenkarten vor. Die stammten jedoch nicht aus den der Anklage zugrunde liegenden Zeiträumen vorigen Jahres, sondern waren von heuer.

„Bis ich meine Karten finde, haut der Kontrolleur mir ab“

„Ich kann nichts anderes sagen: Bis ich meine Karten finde, haut der Kontrolleur mir ab“, beteuerte die Beschuldigte. Weder Staatsanwältin noch Richter wollten dieser Einlassung Glauben schenken. „Sie haben sogar einen Schwerbehindertenausweis vorlegen können“, hielt Richter Helmut Berger der Frau vor, „warum dann nicht auch ihre Monatskarte?“ 

Bei einer Kontrolle hatte die Wolfratshauserin zwar eine Streifenkarte vorgezeigt – diese war aber nicht von ihr nicht entwertet worden. Dass sie anschließend jeweils 60 Euro „erhöhtes Beförderungsentgelt“ gezahlt hatte, sei für die Anklage unerheblich. „Schwarzfahren ist trotzdem strafbar“, erklärte die Staatsanwältin der 63-Jährigen und beantragte dieselbe Strafe wie im Strafbefehl: 50 Tagessätze zu je 15 Euro, also insgesamt 750 Euro.

Weil die Epileptikerin ihre Aussage vollständig gemacht hatte und bereits das letzte Wort erteilt bekommen und wahrgenommen hatte, bevor sie ihren Anfall erlitt, setzte das Gericht die Verhandlung ohne die Angeklagte fort, nachdem diese von Notarzt und Sanitätern medizinisch versorgt worden war. Richter Berger wertete die Einlassung der Angeklagten ebenfalls als Schutzbehauptung und folgte im Strafmaß dem Antrag der Staatsanwältin. 

Rubriklistenbild: © dpa

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