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Das Schlüsselbrett im Hotel-Gasthof Oberhauser in Egling ist leer. Sehr zur Freude von Chefin Doreen Lorenz und ihrem Team sind die Hotelzimmer derzeit belegt.

Betten werden knapp

Wegen Terrorangst? Touristen strömen in den Landkreis

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Urlauber entdecken in diesen Sommer verstärkt den Nordlandkreis. Viele Herbergen zwischen Icking und Königsdorf, von Egling bis Eurasburg verzeichnen derzeit einen deutlichen Zuwachs an Touristen. Das ergab unsere Umfrage bei regionalen Hotels und Vermietern.

„Es ist ein sehr gutes Jahr. Wir sind recht zufrieden“, freut sich Benedikt Fagner vom Hotel-Gasthof Humplbräu in Wolfratshausen. Neben den Floßtouristen, die Jahr für Jahr jeden Sommer viele der 60 Betten in dem traditionsreichen Gasthof in der Wolfratshauser Altstadt füllen, kämen heuer vermehrt Fahrradtouristen und Wanderer. „Da machen sich der Isar-Radweg und die Alpenüberquerung München-Venedig positiv bemerkbar“, vermutet Fagner.

Während die wandernde Kundschaft sich meist nach einer Übernachtung wieder auf die Socken machen würde, verweilten Radler gerne auch mal zwei, drei Nächte in der Flößerstadt. Das gelte auch für größere Gruppen, die ebenfalls spürbar zunehmen, wie Gisela Gleißl festgestellt hat. „Wir haben noch keine konkreten Zahlen, weil wir nur halbjährliche Abfragen bei den Beherbergungsbetrieben machen“, erklärt die Tourismusmanagerin der Stadt Wolfratshausen. „Aber es gibt eine steigende Tendenz bei den Übernachtungszahlen. Die Auslastung ist deutlich besser geworden.“

Verantwortlich dafür sind nach Gleißls Einschätzung neben den Gruppen vor allem Kurzurlauber und Familien, weniger „der klassische Urlauber, der eine ganze Woche bleibt“. Positiv aufs Interesse an der Flößerstadt würde sich die ARD-Vorabendserie „Hubert und Staller“ auswirken. Die neuen Radltouren auf den Spuren der zwei Wolfratshauser TV-Polizisten ließen sich gut an. „Und wir haben zunehmend Anfragen zu Führungen“, berichtet Gleißl. Besonders begehrt sei die Studiotour. „Auf der Vormerkliste stehen aktuell schon über 100 Leute.“

Grund zur Freude hat auch Karin Schmid. „Wir haben heuer ausgesprochen viele Urlauber, die länger bleiben – vor allem Radl-Touristen, aber auch Motorradfahrer“, freut sich die Inhaberin des Landhotels Klostermaier in Icking. Anfang dieses Jahres hatte die Hotelchefin noch massive Einbußen befürchtet. Zwar seien ihr wegen der Sperrung der Bundesstraße 11 zwischen Schäftlarn und Baierbrunn tatsächlich viele Geschäftsleute verloren gegangen. Doch deren Wegbleiben machen die zusätzlichen Urlauber wieder wett. Mit zirka 30 Prozent beziffert Schmid den Zuwachs.

Über „viele spontane Anfragen aus ganz Deutschland“ freut sich Johann Oberhauser vom Hotel-Gasthof zur Post Oberhauser in Egling. Für die Jahreszeit sei die Belegung überdurchschnittlich gut. „Sonst sind die ersten Augustwochen eher flau“, erläutert der Gastwirt. Viele Geschäftsleute, übers Jahr die wichtigste Klientel für sein Haus, machen dann selbst Urlaub. Und Feriengäste beherberge man eher weniger. „Aber jetzt schwappt’s uns die Leute nur so nei“, stellt Oberhauser zufrieden fest.

Eine Tendenz zum kurzfristigen Buchen bemerkt man auch im Schlossgut Oberambach in der Gemeinde Münsing. „Der Juli war nicht so doll, aber der August ist bisher gut gebucht“, sagt die Dame an der Rezeption. Vor allem Kurzentschlossene entdeckten derzeit den Reiz der ländlichen Region und bescheren dem Vier-Sterne-Hotel am Starnberger See, das sonst stark von Tagungsgästen frequentiert wird, einen Zuwachs an Urlaubern.

Erfreuliche Zahlen vermelden ebenfalls andere Vermieter in der Gemeinde Münsing. „Ich finde dieses Jahr erstaunlich gut“, sagt Susanne Huber. Ihr eigener „Campingplatz beim Fischer“ sei sehr gut ausgebucht, aber auch ihre entsprechenden Nachfragen bei anderen Anbietern in der Gemeinde hätten zufriedenstellende Ergebnisse gebracht. „Genaues wissen wir erst im Herbst, aber es läuft derzeit bei allen ganz anständig“, erklärt die Vorsitzende der Interessengemeinschaft Tourismus Münsing.

„Ich könnte noch und nöcher Zimmer gebrauchen“, berichtet Manuela Urban von der „Pension zur Mühle“ in Beuerberg. Anders als in den vergangenen Jahren stelle sie vermehrt Anfragen von Privatleuten fest, erläutert die Vorsitzende des „Fördervereins Tourismus Beuerberg-Eurasburg“. Dabei handele es sich in erster Linie um Aktivurlauber. „Wanderer, Radler und Golfer, aber auch Bootswanderer, die ein verlängertes Wochenende buchen.“

Ein kleines Manko, trotz der erfreulichen Entwicklung, hat Benedikt Fagner ausgemacht. „Sobald das Wetter mal schlecht ist, wissen die Gäste nicht, was sie unternehmen sollen. Da sind die Angebote etwas beschränkt, seit auch noch das Alpamare in Bad Tölz geschlossen hat. Wenn es für solche Tage eine Broschüre mit speziellen Tipps geben würde, das wäre sicher sehr hilfreich.“

von Rudi Stallein

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