Monatsversammlung der Bürgervereinigung

Verkehr: Wolfratshausen will Weichen stellen für die Zukunft

Bürgermeister Klaus Heilinglechner hat eine Verkehrsklausur für Wolfratshausen angeregt. Sein Argument: „Wir können nicht auf die S-Bahn warten.“

Wolfratshausen– Verstopfte Hauptverkehrsachsen, Stau und Parkplatzsuche: Der Stadtrat sucht nach Möglichkeiten, Entlastung zu schaffen. Bürgermeister Klaus Heilinglechner kündigt eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema an: „Wir werden uns damit in einer nicht-öffentlichen Sitzung mit dem Thema beschäftigen“, sagte der Rathauschef in der Monatsversammlung der Bürgervereinigung im Gasthaus Flößerei. Eine „Verkehrsklausur“ soll Lösungsansätze zutage fördern. „Es geht darum, dass wir uns vorbereiten“, sagte Heilinglechner. Der zunehmende Verkehr sei ein „großer Brocken, den der Stadtrat abarbeiten muss“.

Viel Raum für Baumaßnahmen gibt es nicht

Rein geografisch betrachtet, ist das Thema schwierig zu lösen: Die Stadt ist von Isar und Loisach, dem FFH-Gebiet sowie dem Bergwald eingeschlossen. Großen Raum für Baumaßnahmen gibt es also nicht.

Aufgrund der Wachstumsziele der Nachbarstadt Geretsried – womit auch ein größeres Verkehrsaufkommen einhergehen wird – ist es nicht möglich, „die Hände in den Schoß zu legen und abzuwarten“. Stattdessen – so das Credo des Rathauschefs – wolle er „die Weichen für die Verkehrsentwicklung stellen“.

Müller und Heilinglechner suchen nach Lösungen

Zwar könnte die S-Bahn-Verlängerung nach Geretsried für weniger Autos auf Wolfratshauser Straßen sorgen. „Vor 2028 wird das aber nicht realisiert.“ Der Wohnungsbau in der Nachbarstadt – über 1000 Wohnungen sollen dort in den kommenden drei Jahren entstehen – ist aber bereits in vollem Gange, „wir können also nicht auf die S-Bahn warten“, mahnte Heilinglechner. Zusammen mit seinem Geretsrieder Kollegen Michael Müller (CSU) wolle er nach Lösungen für eine Umfahrung fahnden. Zunächst aber müssten dafür Experten beauftragt werden, Planungsgrundlagen zu schaffen. „Dieses Thema lässt sich nicht mit ein paar Stunden Diskussion lösen“, deutete Heilinglechner einen großen Arbeitsaufwand an. In der Zusammenarbeit mit den anderen Nachbarkommunen bescheinigte BVW-Fraktionssprecher Josef Praller dem Stadtrat „Luft nach oben“.

Wie groß die Verkehrsbelastung an einigen Straßen in Wolfratshausen tatsächlich ist, betonte Stadträtin Dr. Ulrike Krischke. „Dieses Thema hat mich dazu bewogen, in die Lokalpolitik einzusteigen.“ Sie nahm anschließend Bezug auf Kritik im Stadtrat: Eine Bürgerin hatte die hohen Mauern um einige Privatgärten an der Schießstättstraße moniert. „Die Mauern zeigen, dass die Anwohner eine Abgrenzung von dem Wahnsinns-Verkehr wollen.“ 23 000 Autos passieren die Straße täglich. Krischke, selbst Anwohnerin, hat Verständnis für den Mauerbau: „Die Gesundheit der Menschen steht über dem ästhetischen Empfinden der Autofahrer, die zwei Sekunden an den Häusern vorbeifahren und ihre Abgase und ihren Lärm in die Gärten schicken.“ Es sei „allerhöchste Zeit“ sich mit der Verkehrsbelastung der Loisachstadt auseinanderzusetzen.

Zumindest für ein Verkehrsthema hat sich der Stadtrat kürzlich in überfraktioneller Arbeit auf eine Lösung geeinigt: Am Hatzplatz soll ein Investor ein Parkhaus mit etwa 150 Stellflächen bauen. „Bei dem Thema hat jeder gesagt, das schaffen wir niemals“, erinnert sich Krischke. „Wir werden es auch schaffen, Lösungen für den Verkehr zu finden.“

Dominik Stallein

Rubriklistenbild: © dpa

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