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Enge Kooperation: (v. li.) Reiner Berchtold, Christoph Fuchs und Dr. Helgard van Hüllen vom Weißen Ring sowie And reas Czerweny, Leiter der Polizeiinspektion Wolfratshausen.

Runder Tisch besiegelt intensivere Zusammenarbeit

Weißer Ring und Polizei reichen sich die Hand

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Der Weiße  Ring und die Polizei wollen bei der Opferhilfe intensiver zusammenarbeiten. Nun gab es einen Runden Tisch in Wolfratshausen.

Wolfratshausen Die alte Dame stand unter Schock. Ein Mitbewohner ihres Hauses hatte die betagte Tölzerin mit einer Schreckschusspistole bedroht, auf ihren Pudel geschossen und ihren Geldbeutel gestohlen. „Sie war außer sich, als sie im Krankenhaus lag“, erzählt Christoph Fuchs. Er brachte den verletzten Hund in die Klinik. Als die über 80-Jährige ihren Vierbeiner pudelwohl vor der Stationstür sah, fasste sie wieder neuen Lebensmut.

In den folgenden Wochen und Monaten kümmerte sich der Mitarbeiter des Weißen Rings intensiv um die alleinlebende Rentnerin. Er regelte mit ihr gemeinsam Versicherungsangelegenheiten, organisierte Taxifahrten, half nebenbei, „ihr Vermögen vor dem Zugriff der Verwandtschaft zu schützen“ und unterstützte die schwerhörige Seniorin später in der Gerichtsverhandlung, wo sie als Zeugin aussagen musste. Als sie anschließend mutig vor die Presse getreten sei, habe er gewusst: „Ich kann mich mit gutem Gewissen verabschieden“, erzählt Fuchs.

„Sehr produktives Kennenlernen“

Der etliche Jahre zurückliegende Fall macht anschaulich, wie umfassend die Hilfe aussehen kann, mit der die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Weißen Rings Opfer von Straftaten unterstützen. An einem Runden Tisch zum Thema „Hilfen für Opfer von Kriminalität und Gewalt“ stellten Dr. Helgard van Hüllen, stellvertretende Bundesvorsitzende und Leiterin der Außenstelle Bad Tölz-Wolfratshausen, sowie ihre Mitstreiter Christoph Fuchs und Reiner Berchtold die Arbeit der Opferhilfsorganisation einem Dutzend überwiegend weiblicher Polizisten aus den Inspektionen Wolfratshausen, Geretsried, Bad Tölz sowie der Kriminalpolizei Weilheim vor. Ergebnis des „sehr produktiven gegenseitigen Kennenlernens“: In Zukunft wollen die Gesetzeshüter und die Opferhelfer intensiver zusammenarbeiten.

Weißer Ring ist nicht so bekannt

Auslöser für den Gedankenaustausch sei die Seminararbeit einer Praktikantin der Bereitschaftspolizei gewesen, erklärte Andreas Czerweny. Er habe im Gespräch mit der jungen Kollegin gemerkt, dass er in Sachen Weißer Ring „nicht sattelfest“ gewesen sei, räumte der Leiter der Wolfratshauser Inspektion ein. Damit ist er nicht allein. „Viele Leistungen, die wir erbringen, waren nicht so bekannt“, bestätigte van Hüllen. Wobei vor allem die immaterielle Hilfe meist ganz besonders wichtig sei. „Der Helfer ist so etwas wie ein ehrenamtlicher Lotse, der vermittelt und begleitet – auch zum Arzt oder zur Polizei, wenn es vom Betroffenen gewünscht ist.“ Zuhören, Trost spenden, da sein: Das sei das, was bei den Betreuten hängen bleibe. Van Hüllen: „Unsere Arbeit setzt da ein, wo die Fachkräfte der Polizei an Grenzen stoßen. Wir kümmern uns um das Danach. Schauen, wo kann man noch helfen.“

„Die große Kunst beim Weißen Ring ist: Sie haben Zeit zum Zuhören“, sagte Czerweny. „Die fehlt der Polizei.“ Als Pfingsten 2015 auf einem Bauernhof in Schneitzelreuth sechs Tagungsteilnehmer ums Leben kamen, habe er den Hinterbliebenen die schreckliche Nachricht überbringen müssen. „Aber danach ist die Polizei raus“, so Czerweny. Dann fängt die Arbeit der Ehrenamtlichen an. „Unser Ziel ist, bestmöglich helfen zu können. Ich hoffe auf viele Fälle, die wir miteinander angehen“, zeigte sich van Hüllen zuversichtlich nach dem Treffen, dem weitere folgen sollen.

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