Der Kunstturm im Schwankl-Eck
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Großes Interesse, große Spendenbereitschaft: Der Kunstturm im Schwankl-Eck kann noch mindestens zwei Monate bleiben.

Die Spenden reichen bis in den Oktober hinein

Kunstturm-Projekt um zwei Monate verlängert

Erst war von zwei Wochen die Rede, jetzt werden daraus zwei Monate: Der Kunstturm am Schwankleck bleibt den Wolfratshausern noch ein wenig erhalten.

  • Der Wolfratshauser Altstadt tut ein bisschen Belebung gut
  • Der Kulturverein Isar Loisach versucht dies mit einem Kunstturm
  • Das Projekt lässt sich gut an - jetzt ist es bis Oktober verlängert worden

Wolfratshausen – Viele Lokalpolitiker, Unternehmer und Ehrenamtliche haben sich an der Belebung der Altstadt versucht – und tun es immer noch. Meistens, wenn in Gremien und Arbeitsgruppen darüber gesprochen wird, geht es um Parkplätze, Verweilqualität und Einzelhandel. Der Kulturverein Isar-Loisach (KIL) hat mitten in der Corona-Pandemie einen neuen Ansatz gewagt: „Belebung durch Kunst“, so könnte man das Projekt überschreiben. Mit einem Kunstturm im sogenannten Schwankl-Eck, direkt am Eingang der Markstraße, schuf der Verein eine neue Anlaufstelle. Bislang ist das Projekt ein Erfolg – und wird nun um mindestens zwei Monate verlängert.

Die Kulturbranche ist derzeit wegen Corona schwer gebeutelt

„Wir haben genügend Spenden gesammelt, um bis Ende Oktober weiterzumachen“, bestätigt KIL-Vorsitzende Assunta Tammelleo. Ursprünglich war das Kultur-Projekt als zweiwöchiges Refugium für Ausstellungen, Vorträge und Lesungen geplant. Ein Testballon, mitten in einer Zeit, in der die Kunstszene schwer gebeutelt ist. Der Mietvertrag, den der Verein mit dem Gebäudeeigentümer des historischen Eckhauses geschlossen hatte, lief zunächst bis Ende August. Viele Privatleute und Unternehmen fanden den Vorstoß des Vereins so vielversprechend, dass sie den Kulturschaffenden mit Spenden ermöglichen, den Vertrag nun zu verlängern. „Wir sind definitiv in den nächsten zwei Monaten noch da“, sagt Tammelleo.

Eine langfristige Planung ist und bleibt das Ziel

Auch wenn der Weiterbetrieb gesichert ist, suchen die Kunstfreunde nach zusätzlichen Fördermitteln, um langfristig planen zu können. An die Stadt Wolfratshausen habe man nach Tammelleos Worten einen Antrag auf Unterstützung gestellt. Konkret hofft der KIL auf Mittel aus dem projektbezogenen Fonds für die Innenstadt. Ob der Verein davon profitieren darf, wird voraussichtlich in der Sitzung des Kulturausschusses im September entschieden. Eine Prognose über das Abstimmungsergebnis möchte Assunta Tammelleo nicht wagen. „Wir klopfen noch weitere Stellen ab“, sagt sie nur.

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In den kommenden Wochen möchte der Kulturverein mit Ausstellungen, Vorträgen, und verschiedenen Veranstaltungsformaten, „die mit den Hygieneauflagen vereinbar sind“, Menschen in die kürzlich sanierte Immobilie an der Markstraße locken. Tammelleo und ihre Mitstreiter suchen dafür nach kreativen Lösungen. „Wir überlegen uns zum Beispiel, ein Open-Air-Kultur-Public-Viewing aus dem Kunstturm zu übertragen“, sagt sie. „Wenn wir nur 20 Gäste in den Turm bekommen, wäre das eine Möglichkeit, mehr Menschen anzusprechen.“ Das Problem: „Es wird nicht billig.“

Wir wollen nicht die Hände in den Schoß legen und darauf warten, dass die Pandemie irgendwann vorbei ist.

Assunta Tammelleo, Kulturverein Isar Loisach

Für den Verein ist das Projekt ein finanzielles Wagnis. Aber eines, das sich in Tammelleos Augen einzugehen lohnt: „Die Künstler und die ganze Kulturbranche erleben die schwierigste Zeit seit Jahrzehnten.“ Deshalb will der Verein eine Bühne bieten, nach der sich Maler, Musiker oder Autoren seit Monaten sehnen. Tammelleo will „nicht die Hände in den Schoß legen und darauf warten, dass die Pandemie irgendwann vielleicht vorbei ist, sondern wir wollen gemeinsam darüber nachdenken, welche neuen Formate man ausprobieren kann und wie wir durch die Krise kommen.“ Für sie steht fest, dass die Kulturlandschaft nach der Pandemie ein anderes Gesicht haben wird, als man es bislang kannte. „Es wird sich vieles verändern.“

Für das Projekt möchte der Verein künftig die örtlichen Händler und Gastronomen ins Boot holen. „Wir schenken bei unseren Veranstaltungen keinen Sekt aus dem Discounter aus, sondern versuchen, mit den örtlichen Akteuren etwas auf die Beine zu stellen – das kann dann für alle Beteiligten und die ganze Stadt eine Belebung bedeuten.“

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Zusammenarbeit und Solidarität sollen der Schlüssel sein. Denn auch jetzt, da der Verein zumindest für zwei Monate Planungssicherheit hat, „sind wir weiterhin auf Unterstützung angewiesen“. Nach den positiven Erfahrungen der vergangenen Wochen und der erfolgreichen Spendensammlung ist Tammelleo „gemäßigt optimistisch, dass es für unseren Kunstturm noch eine Zeit lang weitergehen kann“. Dominik Stallein

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