Der Marienplatz mit seinem Brunnen und zwei Platanen
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Drei Optionen haben die Fachplaner für den Marienplatz erarbeitet. Die Varianten reichen von der Beibehaltung des Ist-Zustands bis hin zur Versetzung des Marienbrunnens sowie der Fällung der Platanen links und rechts.

Münchner Fachbüro stellt erste Vorentwürfe vor

Umgestaltung der Altstadt: So soll Wolfratshausen schöner werden

  • Carl-Christian Eick
    VonCarl-Christian Eick
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Die Vorentwürfe für die Altstadt-Umgestaltung liegen auf dem Tisch. Tenor: Autos raus, Menschen rein. Der Prozess geht noch lange weiter. Eine heftig diskutierte Idee ist aber bereits jetzt vom Tisch.

  • Die Vorentwürfe zur Altstadt-Aufwertung wurden vorgestellt
  • Fußgänger sollen es gemütlicher haben - mit Querungshilfen und breiteren Gehsteigen
  • Fast alle Parkplätze sollen aus der Marktstraße gestrichen werden
  • Ein Streitthema ist bereits vom Tisch

Wolfratshausen – Das Büro Mahl-Gebhardt-Konzepte hat dem Stadtrat am Dienstag in der Loisachhalle die Vorentwürfe zur geplanten Aufwertung der Altstadt präsentiert. Grobe Zusammenfassung: Die Fahrbahn wird schmaler, die Gehwege links und rechts breiter. Der Sprecher der SPD/FDP-Fraktion, Fritz Meixner, formulierte das ambitionierte Ziel so: „Mehr Platz für Menschen und Grün, weniger Platz für Autos.“

Drei Optionen für Marienplatz - vom Status quo bis zur Baumfällung

Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) betonte in der Sitzung mehrfach, dass es sich nur um einen ersten Vorentwurf handele und deshalb keine „Gestaltungs-Diskussion“ geführt werden sollte. Dennoch waren es einige Details im Vortrag von Landschaftsarchitektin Andrea Gebhardt, bei der die Räte ihre Ohren spitzten. So hat das Münchner Planungsbüro mit Blick auf die umstrittene Umgestaltung des Marienplatzes drei Varianten ausgearbeitet. Option eins sieht die Beibehaltung des Marienbrunnens an der jetzigen Stelle im Schatten der Stadtpfarrkirche sowie den Erhalt der beiden Platanen vor. Bei Variante zwei wird der Brunnen nach Osten (in Richtung Marktstraße) versetzt, die zwei Platanen bleiben wo sie sind. Möglichkeit drei: Versetzung des Brunnens nach Osten, die Platanen werden gefällt und dafür neue Bäume gepflanzt.

Sie sei sich der Sensibilität des Marienplatzes bewusst, beteuerte Gebhardt, man wolle „respektvoll“ mit dem Brunnen und den rund 50 Jahre alten Platanen, ein Zeichen der Verbundenheit mit der französischen Partnerstadt Barbezieux, umgehen. Grundsätzlich, so die Stadtplanerin, seien alle angedachten Maßnahmen mit dem Staatlichen Bauamt abgestimmt. Zudem, das betonte Rathauschef Heilinglechner, würden die Entwurfspläne im September öffentlich ausgestellt, für den 5. Oktober ist nach seinen Worten ein Info-Abend in der Loisachhalle geplant. Erst danach werde der Stadtrat über die Entwurfsplanung abstimmen.

Parkplätze soll es künftig in der Innenstadt keine mehr geben – sieht man von Stellflächen für Autofahrer mit Behinderung sowie Bereichen für Lieferverkehr ab. Endgültige Entscheidungen mit Blick auf die Attraktivitätssteigerung der Altstadt trifft der Stadtrat im Herbst oder Winter dieses Jahres.

Ein Streitthema ist vom Tisch: Gehsteige bleiben erhöht

Die Bedenken der Wolfratshauser Liste bezüglich der Anhebung der Markstraße konnten die Planer am Dienstag zerstreuen. Zum einen habe der Klimawandel (Stichwort: Starkregenereignisse) Einfluss auf das Vorhaben genommen, zum anderen achte das Staatliche Bauamt penibel darauf, „dass wir nicht irgendwelche Geschichten mit der Straße machen“, so Gebhardt. Das heißt: Die zum Teil 17, 18 Zentimeter hohen Bordsteine zwischen Musikschule und Schwankl-Eck werden zwar auf zehn Zentimeter abgesenkt - aber eben nicht auf das Niveau der B11. Lediglich im sogenannten Zentralbereich, dem Marienplatz, soll die Bordsteinkante drei Zentimeter höher als die Fahrbahn angelegt werden. Allerdings soll an der Stelle der Zebrastreifen verschwinden – eine Option, die unter anderem Dritter Bürgermeisterin Annette Heinloth (Grüne) und CSU-Fraktionschef Peter Plößl missfiel. Dass alle knapp 20 Pkw-Stellflächen aus der Innenstadt verbannt werden sollen – mit Ausnahme von Behindertenparkplätzen und Flächen für Lieferverkehr – quittierte Ex-Bürgermeister Helmut Forster, Sprecher der Liste Wor, mit den Worten: „Das finde ich nicht gut.“

Durch die Bank positiv aufgenommen wurde von den Bürgervertretern der Plan, die Fahrbahn durchgehend auf 4,50 bis 4,25 Meter Breite zu verengen. Im Gegenzug sollen die Gehwege verbreitert werden, in einigen Bereichen wie an der Johannisgasse um bis zu einem halben Meter. Dieser Umstand mache es dem Schwerlastverkehr nahezu unmöglich, durch die Innenstadt zu brausen, freute sich Fritz Schnaller. „Wir sind auf dem richtigen Weg, den sollten wir weitergehen“, meinte der SPD-Stadtrat.

Querungshilfen sollen Fußgängern den Bummel erleichtern

Apropos Gehen: Geplant sind neue Querungshilfen, über die die Räte einzeln abstimmten. Gegen die Stimmen der drei Liste-Wor-Vertreter sprach sich das Gremium für eine Querung auf Höhe der städtischen Musikschule aus, mit 19:3 votierte der Rat auch für eine Querungshilfe an der Bahnhofstraße auf Höhe des Museums am Untermarkt 10. Gerlinde Berchtold (SPD), Rudi Seibt (Grüne) sowie Richard Kugler (Liste Wor) sagten dazu Nein. Für eine zusätzliche Querungshilfe am Paradiesweg stimmten mit Ausnahme von Seibt alle Räte.

Eine Querungshilfe an der Johannisgasse haben die Verkehrsbehörden „grundsätzlich abgelehnt“, berichtete Architektin Gebhardt. Mit dieser Auskunft wollen sich unter anderem Dr. Manfred Fleischer (Liste Wor), Plößl und Heinloth nicht zufrieden gaben. Der kleinste gemeinsame Nenner, mit dem er leben könnte, wäre ein Zebrastreifen an der Stelle, erklärte Fleischer. Er bat die Verfahrensbeteiligten „das noch einmal zu prüfen“. Heinloth betonte, dass die Kommune „eine Verpflichtung zur Barrierefreiheit“ habe – und sie hoffe, dass zur gewünschten Querungshilfe an der Johannisgasse „das letzte Wort noch nicht gesprochen ist“.

Wir stehen nun an einem neuen Punkt. Das ist eine Vision“

Fritz Meixner, SPD-Fraktionssprecher

Sie kenne die Flößerstadt seit 1983, sagte Architektin Gebhardt. Leider habe die Loisachstadt eine nurmehr „mittelmäßige Aufenthaltsqualität“. Stadtrat und Verwaltung gebühre „ein Kompliment“, weil bei der geplanten Altstadt-Aufwertung bis dato „so intensiv mit dem Bürger zusammengearbeitet worden ist“. Das Erreichte sei „ein Zwischenstand“, stellte CSU-Sprecher Plößl fest. Er sei jedoch „guten Mutes“, dass die Pläne – wie andere – nun nicht in der Schublade verschwinden. „Viele, viele positive Dinge“ hat der Fraktionschef der BVW, Josef Praller, im Vorentwurf entdeckt. Er verhehlte nicht, dass die Umgestaltung der Innenstadt für den einen oder anderen einen „gravierenden Einschnitt“ mit sich bringe. Er sei schon „gespannt, wie sich die Bürger äußern werden“. „Wir stehen nun an einem neuen Punkt“, meinte Fritz Meixner. „Das ist eine Vision“, sagte er über den Vorentwurf.

Zu den voraussichtlichen Kosten der Maßnahmen sagten am Dienstag weder Bürgermeister Heilinglechner noch die Vertreter des Büros Mahl-Gebhardt-Konzepte etwas.

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