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Bambusbecher und Weckgläser: Alu und Plastik versucht Angela Buchberger in der Tagesbar am Obermarkt so gut es geht zu vermeiden. Die 50-Jährige möchte ihren Kunden Denkanstöße in Sachen Nachhaltigkeit geben.  

Nachhaltiger Genuss

Weniger Müll: Wolfratshauser Tagesbar zeigt, wie das geht

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Der Tagesbar am Wolfratshauser Obermarkt liegt ein besonderes Konzept zugrunde. „Nachhaltig genießen“ ist das Motto, das Angela Buchberger dem Café gegeben hat.

Wolfratshausen – Ein Tresen in leuchtendem Blau und Möbel aus dunklem Holz, daneben Glasvitrinen voll mit Leckereien: Wer die Tagesbar im Wirth-Haus am Obermarkt betritt, fühlt sich sofort wohl. Vor gut einem Jahr hat Angela Buchberger das Café dort eröffnet – und den Räumen der ehemaligen Konditorei eine ganz besondere Note verliehen.

„Ich bin kein Moralapostel“

„Mein Konzept heißt Nachhaltigkeit“, erklärt Buchberger, die viele Jahre in Afrika gelebt hat. Auf Plastik und Alu verzichtet die Wolfratshauserin weitestgehend. Knackpunkt: die Strohhalme, die viele nicht missen wollen. „Ich möchte die Kunden nicht vor den Kopf stoßen“, so Buchberger. „Deshalb frage ich vorher, ob einer gewünscht ist.“ Die 50-Jährige ist kompromissbereit. „Ich bin kein Moralapostel“, betont sie. „Aber ich möchte Denkanstöße geben.“

Stichwort Kompromisse: Der ursprüngliche Plan der ehemaligen Schiffs-Hotelmanagerin war es, nur regionale Ware anzubieten. „Aber das hat nicht funktioniert“, gibt Buchberger zu. Sie waren genauso wie wie reine Fair-Trade-Produkte zu teuer. „Den Preis dafür wollen die Leute nicht zahlen.“ Daher macht Buchberger kleine Schritte. Die selbst gebackenen Kuchen bestehen aus regionalen Zutaten.

Kleine, aber feine Auswahl

Die anderen Speisen, wie Bulgur- und Glasnudelsalat, Chilis mit Reis oder Nachspeisen, bereitet sie jeden Morgen frisch zu und verpackt sie in Weckgläser. Neben wechselnden Quiches gibt es verschiedene vegane, gluten- und laktosefreie Mahlzeiten. Sandwiches werden auf Bestellung zubereitet. Die Auswahl ist klein, aber fein. „Wenn ich am Ende des Tages massenhaft Lebensmittel wegwerfen muss, ist das nicht nachhaltig.“

Möchte „Sittenverfall“ nicht unterstützen

Deshalb ist Buchberger auch kompromissbereit, was das Mitnehmen angeht. Die Speisen und ihren Kaffee im recycelbaren Becher aus Bambus können die Kunden, von denen viele ihre Büros in der Innenstadt haben, auch to-go kaufen. Doch eigentlich widerstrebt der 50-Jährigen das Mitnehm-Modell. „Immer mehr Leute holen sich schnell was für unterwegs“, stellt Buchberger fest. 

Dabei seien Essen und Trinken Momente zum Genießen. „Diesen Sittenverfall möchte ich nicht unterstützen.“ Weil sie einen Trend gegen die Schnelllebigkeit und Hetzerei dieser Tage setzen möchte, spricht Buchberger diese Gäste oft an. „Die meisten haben dann doch Zeit und nehmen Platz.“ Hinsetzen, genießen, entspannen – sie nehmen Platz und genießen ihren Kaffee“, so Buchbergers Erfahrung.

Schlechtes Internet fördert gute Gespräche

Generell legt die Wolfratshauserin in ihrem Café Wert auf Gespräche. Stammgäste stellt sie untereinander vor, wodurch sich oft ein interessanter Austausch und neue Bekanntschaften ergeben. „Dass die Wände recht dick und das Internet daher nicht so gut funktioniert, ist von Vorteil“, schmunzelt Buchberger. „Es ist schön, dass sich die Leute hier wieder mehr unterhalten“, freut sich die 50-Jährige über die gemütliche Atmosphäre in der Tagesbar.

Der Lebensstil, den Buchberger dort verkörpert, gefällt den Besuchern offensichtlich. Hinter der Theke nimmt sie nahezu laufend Bestellungen entgegen. Ein Gast ordert gleich einen zweiten Cappuccino. Er setzt sich nach draußen, blinzelt in die Sonne und genießt seinen Kaffee mit Blick auf die Marktstraße. Angela Buchberger lächelt: So soll es sein.

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