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Berglandschaften verewigt Dr. Dierk Schwender. Seine Bilder werden derzeit im Amtsgericht gezeigt.

Ausstellung

Wenn der Krokus am Berg blüht

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„Alpen – Alpujarras“ heißt die aktuelle Ausstellung von Maler und Mediziner Dr. Dierk Schwender im Wolfratshauser Amtsgericht. 28 Ölbilder im Obergeschoss der Behörde spiegeln Licht, Gefühl und Stimmung der Landschaften des bayerischen Voralpenlands und der Bergwelt Andalusiens wider.

Wolfratshausen – Erst im Mai habe er den letzten Pinselstrich auf dem noch feuchten Ölgemälde gesetzt, verrät Schwender während eines Rundgangs durch die Ausstellung. Jetzt, im Frühling, da der Krokus am Jochberg blühe, sei er gerne oben am Gipfel und genieße den Weitblick über Kochel- und Walchensee. Ein Rückzugsort für den promovierten Neurowissenschaftler. „Malerei ist wie die Medizin, beides ist die Demut gegenüber der Schöpfung“, sagt Schwender. Beide Themen würden einen wunderbaren Zugang zum Menschen schaffen.

Schwender arbeitet als Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Da kann er natürlich höchst komplexe medizinische Zusammenhänge verständlich erläutern. Zum Beispiel wie das Gehirn funktioniert, wenn die Wahrnehmung im Bruchteil einer Sekunde von einem abstrakten Muster zu einem klaren Bild zusammengefügt wird. Ergo sei das Gehirn wie ein Pinsel in der Hand eines Künstlers.

Beispielhaft sind Schwenders klassische Ölbilder. Geht man nahe heran, löst sich das realitätsgenaue Abbild seiner Motive in eine Vielzahl kleinster impressionistischer Strichelemente auf. Denn auch der Neurowissenschaftler kann seinen Kopf vorübergehend ausschalten und als Künstler rein emotional agieren. Da lacht der 61-jährige Bonner, der seit 2010 in Lenggries lebt. „Ja durchaus, die Malerei ist für mich der Schritt zurück zum sinnlichen Erleben.“

Die Kunst gehört wie die Medizin zu Schwenders beruflichen Lebenslauf. Er studierte klassisches Zeichnen und Malen parallel zu seinem Studium der Humanmedizin in Bonn. Er lebte und arbeitete als Universitätsprofessor in München, Spanien und Argentinien. Sein Schwerpunkt sind die Neurowissenschaften in der Anästhesie und Intensivmedizin.

Schwender ist aber auch ein Künstler, ein Mitglied des Kunstvereins Tölzer Land. Nur als solcher kann er akzeptieren, dass die Farbe Weiß durch Licht, Reflexion und Schatten nie reinweiß sein kann, dass die Farbe Blau des Himmels und die des Gebirgssees nie die gleiche Intensität besitzen werden. Dass das gemalte Bild, nie ein Abbild der Realität sein darf. Und, dass das Voralpenland nie Andalusien sein kann. 

Die Ausstellung „Alpen – Alpujarras“ von Dierk Schwender ist noch bis zum 13. August im Amtsgericht Wolfratshausen zu sehen. Öffnungszeiten wochentags von 8 bis 12 Uhr.

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