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Er läuft und läuft und läuft: der Wolfratshauser Günter Marhold.

Ein Marathon ist ihm nicht lang genug

Vom Exoten zum Medaillen-Sammler

Wolfratshausen - Ein Marathon ist ihm nicht lang genug. Günter Marhold hat schon hat 98 Ultra-Wettkämpfe absolviert. Der Wolfratshauser war einst ein Exot. Jetzt ist er ein Medaillen-Sammler.

Günter Marhold ist kein klassischer Leichtathlet. Eher ein Quereinsteiger – auch mit eigenen Ansichten. Für ihn schlägt „das Herz des Sports durch die soziale Komponente, Respekt und sportliche Fairness“. Das „höher, schneller, weiter“ stand nie im Vordergrund des zweifachen Familienvaters. Sonst würde alles schnell steril und leblos und „vermeintliche Topleistungen sind auch nur ein Windhauch“. Trotz dieser Einstellung ist er ehrgeizig und gerade deswegen äußerst erfolgreich. So gehört der Ultra-Athlet vom TSV Wolfratshausen zum Team der Deutschen Nationalmannschaft, das im Oktober bei der Europameisterschaft im 24-Stunden-Lauf im südfranzösischen Albi teilnimmt.

Dabei deutete zunächst nichts auf eine Sportkarriere des 47-jährigen Förderschullehrers hin, der in Fürstenfeldbruck die ersten Lebensjahre verbrachte. Das wurde bald anders. „Am Ball kam auch ich nicht vorbei“ erzählt er. „Erst im Hof des Wohnblocks als Notlösung im Tor und dann als Flügel-Stürmer.“ Durch eine „jähe Attacke bei einem Flankenlauf“ brach er sich das Schien- und Wadenbein.

Im selben Jahr erfolgte der Umzug nach Wolfratshausen, was ihn zuerst „ehrlich gesagt“ wenig begeistert hat, eher verzweifeln ließ. „Die ersten Wochen waren furchtbar.“ Dass er heute zu der Loisachstadt „fast eine Liebesbeziehung“ hat und sich mit ihr „unauflöslich“ verbunden fühlt, verdankt er dem Sport. Als er seinen Vater einmal begleitete, der beim BCF Fußball spielte, „wurde ich sofort von den anderen Kindern zum Training dazu geholt. Alle waren sehr nett – ab da war ich dabei“. Bald durfte er Verantwortung als Mannschaftskapitän und interner Torschützenkönig übernehmen. „Es war eine tolle, verschworene Truppe mit netten, engagierten Trainern“, schwärmt Marhold von dieser Zeit. Dann ging es in der älteren B-Jugend mit einer Auswahlmannschaft nach England und Schottland.

Trotz all der positiven Eindrücke dort war er froh, als er wieder im vertrauten Kreis der eigenen Mannschaft agieren konnte, der er sich so verbunden fühlte, dass er zwei Wechselangebote des FT Starnberg 09 ausschlug. Mit dem Zivildienst in Untergiesing endete der Vereinsfußball. Er spielte nur noch zum Spaß bei „Mähdräscher“, einer Münchner Szene-Mannschaft, mit der er neben dem Cup des „Café Größenwahn“ auch wiederholt den „Baader-Cup“ holte.

Bald zog es ihn aber wieder nach Wolfratshausen – und zwar nach Waldram, wo er Fußball bei der Deutschen Jugendkraft (DJK) spielte. Sein Nachbar aus der Rothbachstraße, Oswald Fischbacher, eröffnete ihm 1996 eine neue Sportart: Das Laufen. Das TSV-Urgestein nahm ihn unter die Fittiche, so dass er ab dem Frühjahr 1997 den Einstieg zum Marathonlauf fand. Im Mai unterbot Marhold in Regensburg und Wien gleich zweimal die Drei-Stunden-Marke. Dazwischen lagen nur zwei Wochen. „Ossi trainierte mit mir langsam zu laufen und Geduld haben, was nervig und für mich extrem schwierig war.“ Es zeigte jedoch Früchte. „Im Juni stand ich dann im unterfränkischen Euerbach am Start zu meinem ersten Ultra über 60 Kilometer.“ Platz drei in der Altersklasse hievte ihn beim Debüt sogar aufs Stockerl. Eine Fußballverletzung warf ihn allerdings wieder auf „Null zurück“.

Aber die Begeisterung für die langen Strecken war entfacht. Weitere Verletzungen, unter anderem eine komplizierte Fraktur des Sprunggelenks, sorgten wiederholt für sportliche Auszeiten, „gaben mir aber ausreichend Zeit, für ein schließlich sehr gutes Staatsexamen zu lernen“.

Entmutigen konnten sie ihn sportlich nicht. Die Zahl der Ultra-Rennen nahm zu. Bald waren es mehr als die klassischen Marathons. Inzwischen hat er 98 Ultra-Wettkämpfe erfolgreich ins Ziel gebracht. 2013 wurde er in Karlsruhe Deutscher Meister im 24h-Lauf. Zwei Jahre später in Turin mit er Nationalmannschaft WM-Dritter hinter Großbritannien und Australien. Außerdem gab es EM-Silber. Besonders freut Marhold, dass er mittlerweile eine eigene Ultra-Mannschaft beim TSV hat. „Lange war man eher belächelter Exot und Einzelkämpfer. Jetzt sind wir ein verschworener Haufen, den man mittlerweile in der Republik kennt und sogar in der Hauptstadt fürchtet“. Zumindest auf der längsten aller Wettkampfstrecken: dem Sammeln von Kilometern beim 24-Stunden-Lauf. Zweimal holten die „unbeugsamen Gallier“ aus der Loisachstadt den Deutschen Mannschaftsmeistertitel.

Das Besondere an Marholds Mannschaft mit Detlef Gärtner und Michael Merkel ist, dass die Drei schon zusammen die Schulbank in Geretsried gedrückt haben. Dazu kommen Thomas Fuchs, mit dem Marhold Fußball bei der DJK spielte, sowie Michael Schmüser und Holger Hohmann. Heuer stieß erstmals eine Frau zum 24-Stunden-Team: „Ulrike Greif aus Penzberg – sie passt super zu uns.“

Acht Medaillen gab es für den TSV zuletzt bei der Deutschen Meisterschaft, und zwar drei Mal Gold für den Mannschafts-Gesamtgewinn und Bronze für Marhold im Gesamt-Einzelrennen. Dazu noch vier Mal Metall in den Altersklassen. Ein großer Traum für Marhold ist es, im September 2017 bei der Deutschen Meisterschaft in Gotha zwei Mannschaften an den Start zu bringen.

Dennoch besteht das Leben für ihn nicht nur aus Sport. „Es ist gut, vielseitige Interessen zu entwickeln.“ Geschichte und Kunst gehören dazu, auch hört er gerne Musik. Neben dem alten Plattenspieler lagern Northern- Soul-Scheiben. Heute geht es auch mal klassischer zu. Auf Läufe in England stimmt er sich mit dem englischen Romantiker Elgar ein. Das Cello-Concert in e-minor oder die Engima-Variations, sind ein fester Bestandteil. Mit seinen Schülern besucht er vier Mal in der Saison Konzerte in der Münchner Philharmonie. „Einige von ihnen sind seit Jahren gerne dabei.“ Sich selbst bezeichnet Marhold als „musikalisch komplett talentfrei“. Aber es komme nicht immer darauf an, „top“ zu sein. „Wichtig ist: Man muss die Begeisterung spüren. Erst das macht eine Sache groß. Ohne Feuer bleibt’s auch auf höchsten Niveau oberflächlich und steril.“ Auch das lernen seine Schüler.

Wer gerne einmal mitlaufen will, ist dazu genauso eingeladen wie zum Läuferstammtisch im Wolfratshauser Gasthaus Humplbräu, der an jedem ersten Dienstag im Monat trifft.

gbm

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