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In ihrem Lebensraum bedroht: die Feldlerche. 

Im Gespräch mit Dr. Sabine Tappertzhofen vom Landesbund für Vogelschutz 

Wer trällert denn da im Garten ?

Wenn die ersten Blumen blühen und die Tage wieder länger werden, beginnen auch die Vögel zu singen. Wir sprechen mit Dr. Sabine Tappertzhofen, Diplom-Biologin und Leiterin der Geschäftstelle Wolfratshausen des Landesbundes für Vogelschutz (LBV).

-Frau Dr. Tappertzhofen, es trällert, pfeift und piept wieder in den Gärten. Wie heißen eigentlich die morgendlichen Sänger?

Dr. Sabine Tappertzhofen: Es singen beispielsweise die Amsel, die Kohlmeise, die Blaumeise, der Buchfink, der Girlitz, der Hausrotschwanz und die Mönchsgrasmücke. Frühaufsteher können derzeit ein richtiges Vogelstimmenkonzert erleben.

-Warum singen die Vögel schon morgens um die Wette?

Dr. Sabine Tappertzhofen: Die Hauptgründe sind Revierabgrenzung und die Werbung um einen Partner.

-Wie lange dauert der Vogelgesang?

Dr. Sabine Tappertzhofen: Grundsätzlich hört man das ganze Jahr die Vögel singen. Das große Konzert findet aber von März bis Juni/Juli statt. Der Gesang nimmt mit dem Ende der Fortpflanzungsperiode ab.

-Sind inzwischen alle Zugvögel wieder da?

Dr. Sabine Tappertzhofen: Nein, der Mauersegler beispielsweise kommt erst in der letzten April- oder ersten Maiwoche. Er fliegt übrigens im August schon wieder weg.

-Wo überwintern die meisten Vögel?

Dr. Sabine Tappertzhofen: In Südeuropa und Afrika. Sie legen gewaltige Strecken zurück, zirka 7000 Kilometer und mehr.

-Viele der bayerischen Brutvögel sind inzwischen in ihrem Lebensraum bedroht.

Dr. Sabine Tappertzhofen: Ja, besonders schlimm sieht es mit den Vogelarten auf Wiesen und Ackerland aus, etwa mit dem Kiebitz, der Feldlerche und dem Wiesenpieper. Grund ist die fortschreitende Intensivierung der Landwirtschaft. Besonders die häufigen und frühen Schnitte der Wiesen nehmen am Boden brütenden Vögeln die Möglichkeit ihre Eier auszubrüten und die Jungen groß zu ziehen. Eine positive Entwicklung können wir dagegen bei den Großvögeln wie dem Weißstorch verzeichnen, aber auch beim Uhu. Schutzmaßnahmen greifen hier offensichtlich.

-Welches Vogelschutz-Projekt der LBV-Kreisgruppe Bad Tölz-Wolfratshausen liegt Ihnen aktuell besonders am Herzen?

Dr. Sabine Tappertzhofen: Wir kümmern uns neben unseren anderen Projekten um die Vögel in der Stadt. Es geht speziell um den Schutz der Vögel, die am Haus brüten wie der Mauersegler, der Hausrotschwanz, die Mehlschwalbe oder der Spatz, der auch immer seltener wird. Aktuell erfassen wir diese Arten und bitten hierbei die Bevölkerung um Mithilfe. Wer Vögel an oder in Gebäuden brüten sieht, melde sich bitte bei uns. Bei Schwierigkeiten mit Gebäudebrütern, etwa bei Umbaumaßnahmen, bieten wir Beratung und Unterstützung an.

-Wie lange sollte man eigentlich die Vögel im Garten füttern?

Dr. Sabine Tappertzhofen: Es gibt dazu unterschiedliche Auffassungen. Einige vertreten die Meinung, dass man nur bei geschlossener Schneedecke füttern sollte. Andere plädieren für eine ganzjährige Fütterung. Sie begründen dies damit, dass die Umweltbedingungen für die Vögel schlecht geworden sind.

Die Gegner sehen darin einen Eingriff ins Ökosystem, weil nur wenige Arten von der Fütterung profitieren. Und besonders im Sommer ist die Hygiene am Futterplatz ein Problem.

Es steht jedenfalls fest, dass die meisten Singvögel für die Aufzucht ihrer Jungen Insekten brauchen und nicht nur Sämereien, weshalb insektenfreundliche Gärten und Landschaften so wichtig sind.

Infos im Internet:

www.bad-toelz.lbv.de

Gespräch: Yvonne Zuber

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