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Richtungsänderung: Die städtische Immobilie am Untermarkt 10 wird höchstwahrscheinlich nicht von der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft übernommen. Stattdessen wird ein Investor für das prominente Gebäude gesucht. 

Bürgermeister schreibt Immobilie aus

Wer will den Wolfratshauser Untermarkt 10?

Nun also doch: Die Stadt sucht für ihre denkmalgeschützte Immobilie am Untermarkt 10 einen Investor. Geplant war eigentlich, dass die Städtische Wohnungsbaugesellschaft (StäWo) das prominente Gebäude in der Altstadt in Erbbaurecht übernimmt, saniert und anschließend vermietet. Aus dem Plan wird jedoch mit hoher Voraussicht nichts.

Wolfratshausen – „Bei einer Übertragung in Erbbaurecht müsse die StäWo jährlich etwa 87 000 Euro Unterdeckung ausgleichen, soweit das Haus überhaupt voll vermietet ist“, teilte StäWo-Geschäftsführer Lothar Ortolf Bürgermeister Klaus Heilinglechner mit. „Das ist für die StäWo in dieser Höhe schwer zu realisieren“, erklärt Ortolf auf Nachfrage unserer Zeitung.

Auch personell würde das Vorhaben die StäWo derzeit überlasten. „Das Projekt wäre frühestens ab Frühsommer 2018 möglich.“ Der Grund: Die städtische Tochtergesellschaft arbeitet derzeit an zwei Großprojekten. An der Schlesierstraße in Waldram, auf der sogenannten Coop-Wiese, entstehen 52 Wohnungen; in Gebäuden an der Margeritenstraße in Farchet wird jeweils das Dachgeschoss ausgebaut.

„Ganz vom Tisch ist das Thema noch nicht“

Als definitive Zu- oder Absage für den Untermarkt 10 möchte Ortolf seine Aussage jedoch nicht verstanden wissen. „Ganz vom Tisch ist das Thema noch nicht“, stellt er fest. Das letzte Wort in dieser Sache habe der Aufsichtsrat.

Bürgermeister Klaus Heilinglechner, der im Aufsichtsrat der StäWo sitzt, informierte den Stadtrat in der Weihnachtssitzung über die Entscheidung. Er kündigte im selben Atemzug an, die Immobilie auf Erbpachtbasis öffentlich auszuschreiben – „allerdings ohne die Verpflichtung, das Gebäude zu vergeben“. Dieses Vorgehen erachtet der Rathauschef als notwendig, „um überhaupt in Erfahrung zu bringen, ob ein externes Interesse an der Immobilie besteht“.

Sollten nach der öffentlichen Ausschreibung Angebote im Rathaus eingehen, wird sich der Stadtrat erneut mit der Causa Untermarkt 10 auseinandersetzen müssen. „Wir werden dann entscheiden, ob die Immobilie vergeben werden soll, oder ob eine andere Option geprüft wird“, kündigte Heilinglechner an.

Immobilie beschäftigt Stadt schon lange

Die Immobilie am sogenannten Reiser-Eck beschäftigt Stadträte und Bürger schon sehr lange: Ursprünglich wollte eine Gruppe Wolfratshauser das im 18. Jahrhundert erbaute Gebäude nutzen, um dort einen Nahversorger, genauer gesagt einen Bürgerladen zu eröffnen. Ein Bürgerentscheid brachte das Projekt zu Fall.

Der Stadtrat schmiedete daraufhin einen neuen Plan: die Sanierung des Gebäudes in Eigenregie, um es anschließend als Rathaus-Satellit mit Tourismusbüro, Andenkenladen und Hauptquartier des (noch gesuchten) City-Managers zu nutzen. Die Kosten für eine „Pinselsanierung“ schätzten die Räte auf rund eine halbe Million Euro. Doch als ein Experte auf den Plan trat, wurde schnell klar: Diese Summe wird nie und nimmer reichen. Bauplaner Anton Leitner taxierte die Kosten für die Sanierung des Gebäudes auf mindestens zwei Millionen Euro. Und: Da Leitner bei Materialproben gravierende Schadstoffbelastungen entdeckt hatte, plädierte er für eine Generalsanierung. Die Konsequenz: Der Stadtrat kam mehrheitlich überein, den Untermarkt 10 der StäWo anzubieten.

Derzeit ist das Heimatmuseum im ersten Stock des geschichtsträchtigen ehemaligem Schulhauses untergebracht. Vor der Sanierung beziehungsweise der Übergabe an einen Investor müsste das Museum ausziehen. Im Juli legten die Fraktionen der Bürgervereinigung, der SPD und der Grünen einen Antrag vor, der drei Optionen für das Heimatmuseum vorsieht: Der Umzug in das alte Pumpenhäuschen am Loisachufer (das erweitert werden müsste) beziehungsweise in die ehemalige Happsche Apotheke am Untermarkt 13, ein Neubau auf städtischem Grund oder die Rückkehr in den Untermarkt 10, sobald das Gebäude renoviert ist. Dann müsste die Stadt die Räumlichkeiten allerdings vom Investor – der nun gesucht wird – anmieten. Bürgermeister Heilinglechner sowie SPD-Stadträtin Roswitha Beyer sind von dieser Idee allerdings wenig angetan.
Dominik Stallein

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