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Es darf geshoppt werden: Nach Meinung von Werbekreischef Hans-Joachim Kunstmann erholt sich der Patient Einzelhandel nach und nach vom Coronavirus. Es gebe keinen Anlass zu Pessimismus.

Fragenkatalog an alle Mitgliedsbetriebe verschickt

Werbekreischef: „Wolfratshausen hat Perspektive“

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Kurz vor dem Lockdown vor gut zwei Monaten übernahm Hans-Joachim Kunstmann das Amt des Werbekreischefs in Wolfratshausen. Trotz Corona-Krise ist er optimistisch.

Wolfratshausen – Der Lockdown in Folge der Corona-Pandemie war für den Einzelhandel ein schwerer Schlag. Die wochenlange Zwangspause bedeutete für das Gros der Unternehmer Nullumsatz bei weiterhin laufenden Betriebskosten. Ganz langsam tasten sich Händler und Kunden zurück zur Normalität, doch der Weg ist steinig und lang. Der Werbekreisvorstand will seinen gut 50 Mitgliedsbetrieben beim Neustart nach Kräften unter die Arme greifen – benötigt dazu jedoch Antworten.

„Diese Zeiten“, das stellt Werbekreischef Hans-Joachim Kunstmann fest, „sind für viele von uns die schwersten, seit wir zurückdenken können.“ Gut zwei Monate waren fast alle Geschäfte und Gastronomiebetriebe geschlossen, die Wiedereröffnung erfolgte fast zeitgleich mit der Sperrung der Straße Am Floßkanal. Entgegen der ersten Befürchtungen hat Kunstmann den Eindruck, dass sich die negativen Auswirkungen der mehrmonatigen Bauarbeiten an der Sauerlacher Straße/Am Floßkanal „offenbar in Grenzen halten“. Das führt er mit zurück auf den Umstand, dass der Werbekreis sich „massiv“ dafür eingesetzt habe, die Baustelle in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und dem Stadtmanagement „möglichst kunden- und damit dienstleisterfreundlich zu managen“. Kunstmann verweist unter anderem auf die augenfällige Plakatierung sowie den kostenlosen Rikscha-Service.

Nun sei Zeit für Eine „Erfolgskontrolle“

Nun sei es an der Zeit, eine „Erfolgskontrolle“ durchzuführen. Zu diesem Zweck hat der Werbekreisvorstand allen Vereinsmitgliedern einen Fragenkatalog zukommen lassen: „Wie beurteilen Sie den Geschäftsverlauf im Vergleich zum ,normalen‘ in dieser Jahreszeit? Ist eine Kaufzurückhaltung zu erleben oder eher Nachhol-Käufe?“ Nicht zu vergessen: Wie beurteilen die Mitgliedsbetriebe die Wirkung der Maßnahmen, die Werbekreis und Kommune in puncto Großbaustelle initiiert haben?

Kunstmann ist nach eigenen Worten in den vergangenen Tagen häufig in der Innenstadt unterwegs gewesen und hat viele persönliche Gespräche mit Kaufleuten geführt. Er fasst das Gehörte so zusammen: Der unter Corona leidende Patient Einzelhandel erhole sich, doch die „Rekonvaleszenz“, die Genesung, werde noch eine Zeit lang dauern. Kunstmann legt Wert auf die Feststellung: „Wir haben eine Perspektive“. Anlass zu Pessimismus gebe es nicht. Als Beleg für seine These führt der Werbekreis-Vorsitzende Geschäfte an, die ausgerechnet jetzt in der Flößerstadt neu öffnen.

Kunstmann: Es geht nicht um Schuldzuweisungen

Die Antworten auf den Fragenkatalog sollen nach den Worten Kunstmanns „eine sachliche Stoffsammlung“ werden, „um zukünftige Situationen besser einschätzen zu können“. Es gehe nicht um konkrete Umsatzzahlen und mit Blick auf die Großbaustelle Sauerlacher Straße schon gar nicht um eventuelle Schuldzuweisungen. Stattdessen sei wichtig zu erfahren, „was durch die problematische Baustellensituation und das Maßnahmenbündel dagegen erreicht oder auch nicht erreicht werden konnte“. Kunstmann stellt für den Werbekreis fest: „Wir haben uns da ganz schön reingehängt, um allen zu helfen – und wir haben da echt etwas gerissen.“ Er verhehlt nicht, dass der Interessenverband konkrete Forderungen an die Stadt stellte: „Wir waren da nicht auf Kuschelkurs.“

Distanzhandel „muss ja nicht China heißen“

Dass in der Corona-Krise auch viele Menschen per Mausklick eingekauft haben, die das vor dem Ausbruch der Pandemie nicht taten, ist Kunstmann bewusst. Mit hoher Voraussicht werde das Virus dem Digitalisierungsprozess zusätzlich Flügel verleihen. „Der Einzelhandel darf diese Entwicklung nicht verschlafen“, sagt der 50-jährige Diplom-Betriebswirt. Onlinehandel – Kunstmann spricht von „Distanzhandel“ – müsse „ja nicht China heißen“. Distanzhandel „funktioniert auch über eine Distanz von drei Kilometern“. cce

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