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Fahrgäste gesucht: Politiker machen Werbung für Expressbus X970

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Von: Susanne Weiß

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Frauen und Männer stehen vor einem Bus der Linie X970
Rühren die Werbetrommel für den X-Bus: (v. li.) Andreas Wüstefeld (Tölzer Land Tourismus), Matthias Schmid (Landratsamt Bad Tölz), Marie Makowka (Landratsamt Starnberg), Christoph Winkelkötter (Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung/gwt Starnberg), Isabella Weber (Landratsamt Starnberg), Michael Lindmair (Vize-Bürgermeister Bad Tölz), Michael Müller (Bürgermeister Geretsried), Josef Niedermaier (Landrat Bad Tölz-Wolfratshausen), Stefan Frey (Landrat Starnberg), Rupert Steigenberger (Bürgermeister Berg) und Isabell Bauch (gwt Starnberg). © Susanne Weiss

Zwischen Starnberg, Wolfratshausen, Geretsried und Bad Tölz pendelt seit Dezember der X-Bus im 20-Minuten-Takt. Jetzt fehlen nur noch ein paar Fahrgäste.

Bad Tölz-Wolfratshausen/Starnberg – Das Muster auf den Sitzen im X-Bus bildet es recht treffend ab. Viele Autos sind darauf zu sehen, dazwischen immer mal wieder ein Bus. Die Wunschvorstellung angesichts von Klimawandel, Energiekrise sowie Staus im Berufs- und Ausflugsverkehr wäre eine andere. Weniger Alleinfahrer, mehr Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV). Damit das gelingt, braucht es attraktive Angebote. Eines davon soll der Expressbus X970 sein, der seit Dezember die Bahnhöfe in Starnberg, Wolfratshausen und Bad Tölz verbindet.

Noch wird die Linie nicht so rege genutzt, wie sich Kommunalpolitiker und ÖPNV-Experten am Landratsamt das wünschen würden. Auch wenn das automatische Fahrgastzählsystem noch keine verlässlichen Daten liefern kann, lässt sich sagen: Im Mittel stiegen anfangs pro Woche 600 Menschen in einen der neun verkehrenden X970-Busse. Inzwischen sind es 1200. Damit hat sich die Zahl der Nutzer innerhalb gut eines halben Jahres verdoppelt. „Aber wir sind überzeugt, da geht noch mehr“, sagt Matthias Schmid, der den Fachbereich ÖPNV am Tölzer Landratsamt leitet.

Werbetour für X-Bus 970 von Starnberg über Wolfratshausen, Geretsried nach Bad Tölz

Und das muss es auch. Der Betrieb der X-Bus-Linie von Bad Tölz nach Starnberg kostet im Jahr rund 2,2 Millionen Euro. Nach Abzug der Fahrgasteinnahmen übernimmt der Freistaat im ersten Jahr 65 Prozent, in den Folgejahren immer weniger. Die beiden Landkreise teilen sich das verbleibende Defizit entsprechend den Kilometern, die auf das jeweilige Gebiet entfallen. Ohne die Förderung, das betont Schmid, wäre der 20-Minuten-Takt hier im ländlichen Raum nicht möglich. Zuständig für den Busverkehr sind die Landkreise, der Freistaat für die Schienen.

„Wir sind froh, dass der Freistaat das unterstützt“, sagt Josef Niedermaier (Freie Wähler), Landrat in Bad Tölz-Wolfratshausen. Sein Kollege aus Starnberg, Stefan Frey (CSU), pflichtet ihm bei. „Aus unserer Sicht ist die X970 eine sehr wichtige Linie.“ Das „Desaster an der zweiten Stammstrecke“, sprich Kostenexplosion und Bauverzögerung, würde zeigen, dass es solche Zwischenverbindungen brauche. Wie schwierig Infrastrukturprojekte umzusetzen sind, erfährt der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen selbst mit der seit Jahrzehnten geplanten Verlängerung der S-Bahn-Strecke von Wolfratshausen nach Geretsried. Die Ringbuslinie um München soll dennoch lediglich eine Ergänzung sein. „Der X-Bus kann die S-Bahn nicht ersetzen“, macht Niedermaier deutlich. Zur Attraktivitätssteigerung des ÖPNV sei auch die angestrebte Erweiterung des MVV-Gebiets unabdingbar. „Damit alle einen einheitlichen Tarif haben“, erklärt Frey.

„Je mehr mitfahren, desto geringer die Kosten für die Landkreise“

Zurück zum X-Bus: Damit sich das Angebot trägt, müssen es mehr Fahrgäste nutzen. „Je mehr mitfahren, desto geringer die Kosten für die Landkreise“, so ÖPNV-Experte Schmid. Weitere Haltestellen sind geplant. Am Tölzer Landratsamt wurde eine halbe Stelle geschaffen, um den Busverkehr zu bewerben. In Starnberg gibt es mit Marie Makowka bereits eine Landratsamtsmitarbeiterin, die allein fürs Mobilitätsmarketing zuständig ist. Ein Projekt ist beispielsweise ein kostenfreier MVV-Schnuppertag während der europäischen Mobilitätswoche im September, berichtet Stabsleiterin Isabella Weber. „Wir merken bereits eine gestiegene Nachfrage durch das Neun-Euro-Ticket“, sagt sie.

Zu Werbezwecken bereiste am Freitag eine Gruppe an Bürgermeistern, Landratsamtsmitarbeitern und Tourismusbeauftragten die X970-Stationen (siehe unten), um sich gegenseitig durch ihre Reviere zu führen. Landrat Frey räumte seinen Terminkalender frei, um von 9 bis 18 Uhr dabei zu sein. Geretsrieds Bürgermeister Michael Müller meisterte den Tag ebenfalls von der Rathaustür bis zurück mit dem X-Bus. Landrat Niedermaier kam mit dem Dienstwagen nach Starnberg („Im Büro war am Morgen die Hölle los“) und arbeitete im Lauf des Tages immer wieder in seinem Auto.

X970 zwischen Bad Tölz und Starnberg: Verantwortliche sehen viele Vorteile

Das Bayern-Wlan und die USB-Ladestationen in den komfortablen Bussen nutzte an diesem Tag niemand. Gleichwohl erkannte die Gruppe diverse Vorzüge. Eine „absolute Verbesserung im Alltagsverkehr“, nannte Rupert Steigenberger, Bürgermeister von Berg, die Verbindung. Und das ohne Parkplatzsuche, lobte der Tölzer Vize-Bürgermeister Michael Lindmair. Für Andreas Wüstefeld, der den Tölzer Land Tourismus leitet, ist Busfahren „angewandter Naturschutz“. Frey sah schöne Möglichkeiten, Ausflüge mit der Familie zu unternehmen. „Wir sind alle immer stark aufs Auto fokussiert, aber mit dem Bus lässt es sich elegant auf entspannte Art und Weise fahren“, so der Landrat. Und am Ende des Tages, im Biergarten, spielt keine Rolle, ob man sich noch eine weitere Halbe bestellt. Der Bus fährt ja alle 20 Minuten. Niedermaier: „Diese Flexibilität braucht es, damit die Menschen umsteigen.“

sw

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