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„Seid mutig“: Diesen Appell richtet der Kapitän der MS Wolfratshausen, Bürgermeister Klaus Heilinglechner, an seine Offiziere und die Mannschaft. Er, Heilinglechner, wird sich 2020 um eine zweite Amtszeit bewerben, kündigte der 50-Jährige im Gespräch mit Redaktionsleiter Carl-Christian Eick an.

Bürgermeister Klaus Heilinglechner

„Werde mich noch einmal bewerben“

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In einem Gespräch mit unserer Zeitung hat Wolfratshausens Rathauschef Klaus Heilinglechner verraten, 2020 erneut kandidieren zu wollen. 

Wolfratshausen– 2008 wählten die Wolfratshauser Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung) in den Stadtrat, im März 2014 schenkte ihm die Mehrheit (knapp 56 Prozent der Urnengänger) bei der Bürgermeisterwahl ihr Vertrauen. In der Mitte der Legislaturperiode hat Redaktionsleiter Carl-Christian Eick mit dem 50-Jährigen eine Halbzeitbilanz gezogen. In dem Gespräch kündigt Heilinglechner an: Er wird bei der nächsten Kommunalwahl im Frühjahr 2020 erneut als Rathauschef kandidieren.

-Herr Bürgermeister, als der neue Kapitän 2014 das Kommando über die MS Wolfratshausen übernahm, geriet das Schiff zunächst auf Schlingerkurs.

(Lächelt) Ja. Aber wenn ein Kapitän ein Schiff neu übernimmt, ist es immer so, dass er sich zunächst einmal orientieren muss. Er muss die Mannschaft kennenlernen und den Kurs setzen. Wetterbedingt kann es passieren, dass das Schiff in dieser Übergangsphase kurz abdriftet.

-Drei Jahre später sind Kapitän, Offiziere und Mannschaft ein eingespieltes Team und haben alle dasselbe Ziel vor Augen?

Ohne Wenn und Aber: Ja.

-Welches waren die größten Klippen, die Sie in den vergangenen drei Jahren umschiffen mussten?

Man muss erst einmal an seiner eigenen Persönlichkeit arbeiten. Als Bürgermeister möchte man schnell viel für die Bürger erreichen, man möchte die Stadt voranbringen. Mit meiner Mentalität, „Ärmel hochkrempeln, anpacken und rasch schauen, dass wir weiterkommen“, stößt man schnell an Klippen. Da muss man lernen, dass der eine oder andere sagt: „Stopp, zu diesem Vorhaben möchte ich noch Infos, hier besteht noch Diskussionsbedarf.“ Dass sich auch der Bürgermeister politische Mehrheiten verschaffen muss, um seine Ziele zu erreichen, habe ich gewusst. Dass es so schwierig ist, war mir neu.

-Nach Ihrer Hüft-OP und anschließender Reha im Winter 2016 hatte man den Eindruck, dass Sie die Zwangspause für sich persönlich genutzt haben, um sich neu zu justieren.

Das stimmt definitiv. Man kommt aus dem Wahlkampf, steht quasi noch voll unter Strom, übernimmt dieses verantwortungsvolle Amt mit Vollgas und vieles, vieles prasselt unaufhörlich auf einen ein. Tatsächlich habe ich durch die OP und die Reha die Zeit gehabt, ein bisschen runter zu kommen. Es klingt merkwürdig, aber für mich war diese Zwangspause ein Glücksfall.

-Manche Bürger verkennen, dass Sie neben der politischen Arbeit und den repräsentativen Aufgaben eine Verwaltung mit rund 140 Mitarbeitern leiten.

Ja. Das findet in einem Verhältnis von 30 Prozent – politische Arbeit – zu 70 Prozent statt. Die Verwaltungsarbeit, dazu zählt auch die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt in Bad Tölz und anderen Behörden, macht den Großteil meiner Arbeit aus.

-Halbzeitbilanz: Sind Sie mit dem zufrieden, was Sie in den ersten drei Jahren der Legislaturperiode erreicht haben?

Ja, ich bin zufrieden. Das hätte ich vor einem guten halben Jahr noch anders bewertet. Denn man hakt das Erreichte – zum Beispiel den Kauf und den Umbau der alten Landwirtschaftsschule und die Schaffung von Betreuungsplätzen für alle Wolfratshauser Kinder – im Tagesgeschäft schnell ab und packt das nächste Projekt an. Aber man muss auch einmal rekapitulieren: Was ist denn schon alles erledigt worden?

-Nehmen Sie sich manchmal zu viel vor?

(Lacht) Definitiv. Ich bin sowieso ein ungeduldiger Mensch.

-Und weil zu viel auf der politischen Agenda steht, bleibt das eine oder andere Projekt auf der Strecke und deswegen hagelt es dann Kritik.

Ja, Bürgermeister, Stadtrat und Verwaltung müssen oft viele Bälle in der Luft halten. Und die Kritiker sehen natürlich nur ihr Projekt, alles andere ist nicht wichtig. Aber die Politik muss das große Ganze im Auge haben.

-Ein Bürgermeister will im Grunde seines Herzens doch geliebt werden. Fällt es Ihnen schwer, manchmal Nein zu sagen?

Ja, aber es geht nicht anders. Allen 18 000 Bürgern in unserer Stadt immer gerecht zu werden ist unmöglich. Nehmen Sie die beschlossene Bebauung der Coop-Wiese in Waldram oder die geplante Surfwelle in Weidach. Da muss ich mich für meine Position auch schon mal eineinhalb Stunden lang beschimpfen lassen.

-Ist das im Preis mit drin?

(Lacht) Ja, das ist im Preis mit inbegriffen. Aber mich freut’s, wenn die Kritiker nach einer Veranstaltung zu mir kommen und sagen: „Das ist ja nicht persönlich gemeint.“ Kritik muss man sich stellen, das gehört zum Amt dazu.

-Kritik gipfelt im digitalen Zeitalter nicht selten in anonymen Beleidigungen, auch unterhalb der Gürtellinie. Braucht man als Bürgermeister einen Schutzpanzer?

Ich sage mal so: Facebook habe ich für mich persönlich in der Zeit meiner Reha abgeschlossen. Ich habe mich seither nicht mehr eingeloggt. In Wahlkampfzeiten werde ich das vielleicht wieder tun, aber im Moment interessiert mich es nicht, was in sozialen Netzwerken über mich geschrieben wird. Vielleicht muss ich lernen, Facebook – wie mein Geretsrieder Bürgermeisterkollege Michael Müller – differenziert zu betrachten. Anonyme Beschimpfungen blendet der einfach aus, das lässt er gar nicht an sich ran.

-Was waren die schönsten Momente seit 2014?

Da gab’s viele Ereignisse, die mir unwahrscheinlich viel Freude bereitet haben. Zum Beispiel die Besuche bei Bürgern anlässlich von Jubiläen oder runden Geburtstagen. Die sich freuen, wenn man kommt und viel erzählen. Ich lerne aus den Gesprächen mit diesen Menschen: Wo kommen sie her, was gefällt ihnen in unserer Stadt und was nicht.

-Wie lautet Ihr Appell an die Offiziere und die Mannschaft der MS Wolfratshausen mit Blick auf die kommenden drei Jahre?

Seid mutig! Nicht leichtsinnig, aber mutig, etwas zu verändern.

-Welche Herausforderungen setzen Mut voraus?

Das Parkkonzept, das zeitnah zeigen wird, ob wir Mut haben oder nicht. Die Umgestaltung der Hammerschmiedschule, eine Mammutaufgabe, und die Entwicklung des Kraft-Areals am S-Bahnhof. Dazu ein Thema, das mir persönlich sehr wichtig ist: Wo können wir eine Entlastungsstraße bauen? Die Verkehrsbelastung wird angesichts des prognostizierten Bevölkerungswachstums nicht weniger. Das Thema Siedlungsdruck ist und wird ein großes Thema bleiben.

-Weil Wolfratshausen so attraktiv ist . . .

. . .ja. Ich find’s eine tolle Sache, dass der Herrgott mich hier abgesetzt hat. Ich fühl’ mich hier einfach wohl – und das tun viele andere auch. Diese Region ist unbeschreiblich, wir sind nahe an den Bergen, haben den Starnberger See vor der Haustür . . .

-. . .sehen das manche kritische Bürger, Politiker, Vereinsfunktionäre und Journalisten nicht?

Ja, ich glaube schon, dass der eine oder andere die Schönheit der Region und die Möglichkeiten, die Wolfratshausen bietet, manchmal aus den Augen verliert. Aber man muss es ihnen auch vorleben.

-Haben Sie Zeit dazu?

Die nehme ich mir. Wir haben nur dieses eine Leben. Ich kann nicht 24 Stunden arbeiten. Immer nur Vollgas funktioniert nicht. Der Akku muss auch mal wieder aufgeladen werden. Ich mache kein Geheimnis daraus: Wenn ich am Nachmittag mal eine Stunde keinen Termin habe und das Wetter passt, dann schwinge ich mich aufs Rad.

-Und Sie radeln wohin?

Egal. Mal die Pupplinger-Au-Runde oder den Schäftlarner Klosterberg rauf und über Höhenrain wieder runter. Dann ist der Kopf wieder frei.

-Sie sind 2008 in den Stadtrat gewählt worden, Sie sind seit drei Jahren Bürgermeister. Ist die Zeit quälend langsam oder wie im Flug vergangen?

Definitiv wie im Flug. Wenn Sie nicht um ein Halbzeit-Interview gebeten hätten, hätte ich gar nicht gemerkt, dass schon drei Jahre rum sind (lacht). Nach Ihrer Anfrage kam eine gewisse Panik auf. Ich hatte das Gefühl, dass noch so viel unerledigt ist, was ich mir vorgenommen habe (lacht). Aber es ist alles im grünen Bereich.

-2020 sind Kommunalwahlen. Hand aufs Herz: Werden Sie erneut kandidieren?

Ja, ich werde mich noch einmal um das Amt bewerben, ich möchte definitiv gerne weitermachen. Denn es gibt viele Projekte, die ich gerne weiter begleiten möchte beziehungsweise Aufgaben, die ich sehr gerne anschieben möchte.

-Was wünscht sich der Kapitän der MS Wolfratshausen in den kommenden drei Jahren?

Dass sich der Stadtrat immer vor Augen hält, dass er die Zukunft unserer Stadt gestaltet – und dass das Gremium dies auch entscheidungsfreudig tut. Und ich würde mich freuen, wenn die Bürger das, was wir in Wolfratshausen haben, schätzen.

-Was besorgt Sie mit Blick in die Zukunft?

Meine größte Sorge ist es, dass es nach der zum Teil beleidigenden und persönlich diffamierenden Kritik an Stadträten sehr schwerfallen wird, Personen zu finden, die sich ehrenamtlich für die Kommune engagieren wollen. Das Problem haben nicht nur wir in Wolfratshausen – die Lösung wird in vielen Städten und Gemeinden eine große Herausforderung.

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