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Wespen: Warum sie sich auf Zwetschgendatschi stürzen - und wie man sie vertreibt

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Von: Dominik Stallein

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10.08.2020,  Wespen auf dem Balkon
Wespen sind Plagegeister, oder? Naturschützer Friedl Krönauer gibt Tipps - und erklärt, warum die Tiere wichtig sind. © Bernd Feil /M.i.S.

Naturschützer Friedl Krönauer klärt über Wespen auf: Die Tiere stehen unter Artenschutz. Heuer gibt es besonders viele von Ihnen - für die Natur ist das gut.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Es ist ein Geräusch, das alles kaputt machen kann: Ein Frühstück auf dem Balkon oder ein netter Grillabend mit Freunden – sobald das Gebrumme der Wespen losgeht, ist es mit den sommerlichen Freuden vorbei. Friedl Krönauer, Chef des Bund Naturschutz im Landkreis, weiß, wieso es in diesem Jahr so viele Wespen gibt – und wie man sie am besten fernhält.

Gibt es wirklich mehr Wespen als sonst?

Den Eindruck haben einige Menschen jedes Jahr. „Heuer stimmt es tatsächlich“, sagt Friedl Krönauer. Der Grund: Das Frühjahr sei relativ trocken gewesen, „dadurch hat ein Großteil der Brut überlebt“. Wenn man dem Ganzen etwas Positives abgewinnen will: „Immerhin gibt’s dadurch weniger Mücken.“ Die mögen’s zu Jahresbeginn nämlich eher nasskalt.

Warum stürzen sich Wespen aufs Essen?

Die Antwort ist einfach: Weil sie fressen. Vor allem Süßspeisen und Fleischgerichte stehen bei sich bewusst ernährenden Wespen hoch im Kurs. Das große Gebrumme am Esstisch beginnt laut Krönauer vor allem dann, wenn die Wespen ihren Nachwuchs bereits verpflegt haben, also gegen Ende Juli oder Anfang August. „Das fällt leider genau in die Zwetschendatschi-Zeit“, sagt der Bund Naturschutz-Chef. Die Jungtiere werden mit einem Insektengemisch aufgepäppelt. Für erwachsene Wespen stehen vor allem Zucker und Proteine auf dem Speiseplan – und die finden sich besonders in den genannten Speisen.

Friedl Krönauer, Vorsitzender des Bund Naturschutz Bad Tölz-Wolfratshausen
Friedl Krönauer, Vorsitzender des Bund Naturschutz im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen © Privat

Sind Wespenstiche gefährlich?

Wirklich riskant seien die Tiere nur für Allergiker: „Ein anaphylaktischer Schock kann gefährlich werden.“ Diesen würde man laut Krönauer aber schnell bemerken – zum Beispiel an Schwindelgefühl, Erbrechen oder Atemnot. „Allergiker sollten Notfallsets wie eine Adrenalinspritze griffbereit haben.“ Stiche im Mund- und Rachenraum empfiehlt der BN-Vorsitzende zu kühlen, damit die Schwellung zurückgeht.

Was kann man gegen einen Wespenstich tun?

„Ein Wespenstich tut weh – und keiner will ihn“: Gegen diese Aussage von Krönauer gibt es wohl keinen Widerspruch. Früher habe man dazu geraten, mit dem Mund das Gift herauszusaugen, heute weiß man: „Das sollte man lieber lassen, weil sonst die Schleimhäute in Berührung mit dem Gift kommen können.“ Der Umweltschützer kennt einen besseren Weg, um die Ausbreitung des Wespengifts im Körper zu stoppen: Für Smartphones gibt es kleine, elektrische Werkzeuge, die man an die Einstichstelle drückt. „Sie erhitzen auf etwa 50 Grad und sorgen dafür, dass sich das Gift nicht weiter ausbreitet.“ Außerdem könnten diese Stichheiler laut Hersteller Symptome wie Juckreiz und Schmerz „sekundenschnell verringern“ – außerdem sieht Krönauer einen psychologischen Effekt bei einer solchen Behandlung, wenn zum Beispiel Kinder gestochen werden: „Für sie ist wichtig, dass sich jemand um sie kümmert, wenn es ihnen wehtut.“

Wie kann man Wespen fernhalten?

Hektik ist laut Krönauer im Kampf Mensch gegen Wespe ein Wettbewerbsnachteil: „Am Ende berührt man sie nur und wird gestochen.“ Auch anpusten sollte man die Insekten nicht – das CO2 aus dem Atem mache die Tiere aggressiv. Krönauer empfiehlt, einen „Nebenkriegsschauplatz“ zu eröffnen: also in ausreichendem Abstand zum eigenen Essen ein Wespen-Festmahl aufzutischen, zum Beispiel mit Marmelade oder Trauben. Ist es dafür zu spät, weil sich die Tiere schon über das Picknick hermachen, kennt Krönauer einen Trick, sie zu vertreiben: „Wenn man ein bisschen Kaffeepulver auf einem Unterteller anzündet, entwickelt sich ein Rauch, den die Tiere nicht mögen.“ Genauso zuverlässig hilft Wasser aus einer Sprühflasche: „Dann schleichen sie sich recht schnell wieder in ihren Bau.“

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Wie entferne ich ein Wespennest?

„Gar nicht – das ist verboten.“ Krönauers Antwort ist unmissverständlich. Hauseigentümer, die ein Nest finden, sollten sich bei der Unteren Naturschutzbehörde melden. In einzelnen, besonders dringlichen Fällen – einem Wespenvolk im Kinderzimmer zum Beispiel – könne man eine Lösung finden, bei der die Tiere nicht zu Schaden kommen. Alles andere sei schlicht nicht erlaubt, weil Wespen (so wie die deutlich beliebteren Bienen) unter Artenschutz stehen. Entfernt werden können die Nester vor allem zwischen Herbst und April, wenn die Unterschlüpfe unbewohnt sind. „Im nächsten Jahr suchen sie sich eh eine andere Bleibe“, sagt Krönauer.

Was bringen Wespen der Natur?

Man hört es vielleicht nicht gerne, aber: Wespen übernehmen wichtige Aufgaben im Ökosystem. Zum einen tragen sie zur Bestäubung von Pflanzen bei – wie Bienen auch. Zum anderen übernehmen sie einen Dienst, der sogar beim sommerlichen Grillabend für Entspannung sorgt: Wespen fressen kleinere Insekten wie Fliegen und Mücken, aber auch Blattläuse und kleine Raupen, was laut Krönauer bestimmten Pflanzen das Überleben ermöglicht. „Wespen sind tatsächlich wertvoll“, weiß der BN-Chef. „Die paar nervigen Wochen müssen wir einfach überstehen.“

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