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WG startet: Mohamed und seine Kumpels leben jetzt in Wolfratshauser Wohnung

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Von: Dominik Stallein

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Mitbewohner und Freunde: Mohamed (re.) lebt seit Februar in der Wohngemeinschaft in Bahnhofsnähe. Vor einigen Wochen ist auch Sven eingezogen.
Mitbewohner und Freunde: Mohamed (re.) lebt seit Februar in der Wohngemeinschaft in Bahnhofsnähe. Vor einigen Wochen ist auch Sven eingezogen. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Als Flüchtlings-WG war das Projekt der Jonas-Better-Place-Stiftung in Wolfratshausen geplant. Die jungen Männer haben sich gut eingelebt.

Wolfratshausen – Den Küchendienst mag Mohamed am wenigsten. Zum Glück hat Koch-Azubi Alseny ein Händchen dafür. Vor einigen Monaten sind die beiden in eine WG gezogen. Das wäre an und für sich nichts Besonderes. Mohamed und Alseny sind jedoch Flüchtlinge, erst seit wenigen Jahren in Deutschland und werden von der Jonas Better Place-Stiftung betreut. Bis Februar lebten die 20-jährigen Afrikaner – Alseny Bangoura stammt aus Guinea, Mohamed Jimcaale aus Somalia – in der Wohngruppe „New Place“ in der Wolfratshauser Altstadt.

Stiftungs-WG startet: Mohamed und seine Kumpels leben jetzt in Wolfratshauser Wohnung

Für die jungen Männer war es an der Zeit, den nächsten Schritt zu machen, fanden sie und ihre Betreuer. In der Nähe des Wolfratshauser S-Bahnhofs können sie das nun tun. Die Wohnung, die von der Stiftung angemietet wurde, haben sie liebevoll eingerichtet. Ein drittes Zimmer wurde inzwischen bezogen: Sven Kalteis (18) lebt seit einigen Wochen mit Mohamed und Alseny zusammen in der teilbetreuten Wohngruppe. Ein Platz in der WG ist noch frei. Das Jugendamt könne einen Über-18-Jährigen vermitteln, erklärt Lisa Grünbeck, die die Einrichtung leitet.

Junge Flüchtlinge in Wolfratshauser WG - „Sie machen ihre Erfahrungen“

Das Leben mit mehr Selbstständigkeit war am Anfang nicht immer leicht. „Ich musste mich auf einmal um vieles kümmern, was ich davor nie machen musste“, sagt Mohamed. Inzwischen kommt der Krankenpflegehelfer-Azubi aber gut zurecht. Der Einkauf für den WG-Kühlschrank ist jedoch noch eine Hürde. Die drei Jungs verfügen über ein streng rationiertes Essensgeld: Sechs Euro pro Tag und Person dürfen sie ausgeben – und müssen mit Kassenzetteln belegen, dass sie das Geld auch wirklich in Nahrungsmittel investiert haben. „Manchmal ist das schwierig“, sagt Mohamed – und ärgerlich, wenn die Jungs nach dem Einkauf den Kassenbon vergessen, dann müssen sie alles aus eigener Tasche zahlen. „Sie machen ihre Erfahrungen“, sagt dazu Grünbeck. So hat Alseny schmerzlich festgestellt, dass frischer Fisch zwar besser schmeckt, „aber 700 Gramm Heilbutt von der Theke viel kosten“. Es sind Fehler, aus denen die Jungs lernen, so wie es wohl jeder junge Erwachsene macht, wenn er den Schritt in die Selbstständigkeit wagt.

Teilbetreute WG: Betreuer stehen den jungen Flüchtlingen zur Verfügung

Ganz alleine sind die drei jungen Männer mit derlei Problemen nicht: Täglich ist eine Betreuerin der Stiftung für mehrere Stunden in der WG, rund um die Uhr ist die „New Place“-Wohngruppe telefonisch erreichbar. Jeden Mittwochabend treffen sich die drei Mitbewohner mit Pädagogen zum Gespräch. Dann werden gemeinsame Ausflüge geplant oder die Putzdienste verteilt – und Mohamed hofft, dass er nicht für die Küche eingeteilt wird.

Mit ihrer Entscheidung für die WG in Wolfratshausen sind die jungen Männer zufrieden. „Mir gefällt es besser, weil wir hier mehr eigene Entscheidungen treffen“, sagt Alseny. Trotzdem schaut er gerne in seiner früheren Wohngruppe vorbei, trifft die Kumpels, mit denen er dort zusammengelebt hat.

Wohnung in Wolfratshausen gefunden: WG von Jonas Better Place gestartet

Das Mobiliar für ihre Zimmer und die Gemeinschaftsräume haben die jungen Männer selbst organisiert – vor allem über Online-Plattformen wie Ebay. Mohamed beispielsweise hat eine blau leuchtende LED-Leiste erstanden, die sein Zimmer in ein besonderes Licht hüllt. Dort hängen die drei in ihrer Freizeit gerne ab, spielen an der Playstation oder plaudern über ihre Ausbildung, Fußball oder die nächsten gemeinsamen Unternehmungen. Zuletzt waren das Trio mit seinen Betreuern beim Bowlen in Bad Tölz. Alseny hat gewonnen, woran er seine Mitbewohner mit einem breiten Grinsen erinnert.

Wenn die drei von ihrem Zusammenleben erzählen, hat man das Gefühl, dass alles ziemlich reibungslos läuft. Die Jungs sind Freunde, die sich gegenseitig „Bro“ wie „Bruder“ nennen und einander unterstützen. Wenn Alseny kocht – „eigentlich immer Auflauf“, wie Sven anmerkt – macht er so viel, dass es auch für seine Mitbewohner reicht. Danach räumt er die Küche auf. Selbst dann, wenn jemand anderes dafür eingeteilt ist.

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