Alle Brustmänner vereint: Ein großes Familienfest wie in den Vorjahren wird es heuer nicht geben.
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Alle Brustmänner vereint: Ein großes Familienfest wie in den Vorjahren wird es heuer nicht geben.

Bescherung auf Raten

Wie die Großfamilie Brustmann in Corona-Zeiten Weihnachten feiert

Die Corona-Pandemie verändert vieles - auch das Weihnachtsfest der Familie Brustmann. Sie feiert für gewöhnlich mit über 30 Leuten. Heuer ist das nicht möglich

Wolfratshausen – Dieses Weihnachten wird so werden wie noch keines in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Wegen der Corona-Pandemie muss das Fest bei vielen Familien deutlich kleiner, intimer ausfallen als in der Vergangenheit. Maximal vier Personen über den eigenen Hausstand hinaus dürfen gemeinsam feiern, zusätzlich erlaubt sind Kinder unter 14 Jahren.

Herbert und Ursula Brustmann laden am 1. Weihnachtsfeiertag üblicherweise ihre sieben Kinder und 19 Enkel samt deren Partner zu sich ins Waldramer Heim ein. Sogar ein Urenkel gehört inzwischen zur Familie. 39 Gäste wären es also im Normalfall. Doch normal ist dieses Jahr nichts – und das hat für die Brustmanns einige bedauerliche Seiten, für die Hausherrin aber auch einen angenehmen Vorteil: Ursula Brustmann kann das liebste Fest der Deutschen lockerer angehen. Denn für sie geraten die Vorbereitungen im Normalfall zu einem Küchenmarathon: „Ich mache für alle Gäste Schweinefilet mit Kraut und Spätzle, dazu einen Salat“, sagt sie. Wie viele Stunden sie dafür in der Küche verbringt, verrät sie nicht, „aber es ist schon entspannter, wenn das einmal wegfällt“. Natürlich bedauert sie trotzdem, dass die große Brustmann-Vereinigung in diesem Jahr flachfällt. „Es war immer die Vorbereitungen wert, weil sich alle wiedergesehen haben, und immer eine schöne Stimmung im Haus war.“

Als Alternative hatte die Hausherrin zunächst geplant, den Heiligabend „zum ersten Mal in meinem Leben“ alleine mit ihrem Mann Herbert zu verbringen. Dagegen hatte aber Sohn Benedikt etwas, er legte sein Veto ein. Den Heiligabend verbringt der Familienvater nun gemeinsam mit seinen Eltern in seinem Haus. „Wenn wir uns schon nicht alle sehen können, wollen wir trotzdem ein familiäres Fest haben“, meint Benedikt Brustmann.

Schade ist: Der mit knapp 40 Stimmen vermutlich größte Weihnachtschor Wolfratshausens bleibt heuer stumm. Möglicherweise wird die hochmusikalische Waldramer Familie in verkleinerter Runde aber doch das eine oder andere Weihnachtslied anstimmten „Meistens singen wir bayerische, traditionelle Lieder“, sagt Benedikts zwölfjährige Tochter Valerie. „Lieder, die eigentlich keiner mehr kennt.“

Frühes Fondue wegen der Ausgangssperre ab 21 Uhr

Kulinarisch wollen die Brustmanns nicht abspecken. „Wir machen wie jedes Jahr an Heiligabend Fondue bei uns zu Hause“, freut sich die Gymnasiastin. Vermutlich wird die gemütliche Mahlzeit etwas eher beginnen als in den vergangenen Jahren: „Wir müssen wegen Corona ja früh aufhören, damit alle um 21 Uhr wieder daheim sind“, weiß Valerie. Zum Glück wohnen beide Großeltern-Paare in Wolfratshausen, „dann haben wir ein bisschen mehr Zeit, weil sie nicht so einen langen Heimweg haben“.

Am ersten Feiertag empfangen Ursula und Herbert wie jedes Jahr Besuch, aber „halt nur vier Erwachsene und die kleinen Kinder, die jünger als 14 Jahre alt sind“. Unterm Weihnachtsbaum im Wohnzimmer wird dann deutlich mehr Platz sein. Statt Geschenken für 40 Gäste – „die Bescherung kann schon mal vier Stunden dauern“, sagt Benedikt Brustmann mit einem Lächeln – liegen dort die Gaben für die wenigen Besucher, die nach den aktuellen Corona-Regeln erlaubt sind. Das Christkind hat trotzdem niemanden vergessen, versichert Ursula Brustmann: „Wir fahren Heiligabend-Vormittag unsere Geschenke an alle aus“, verspricht sie. So möchte sie trotz der widrigen Umstände auf jeden Fall ein bisschen vom sonstigen Weihnachtszauber unter die Verwandtschaft in der Großfamilie verbreiten – in der Hoffnung, dass vielleicht im nächsten Jahr wieder ein größeres, gemeinsames Fest möglich ist.

Sohn Benedikt würde das unheimlich freuen. „Es ist eine schöne Tradition und vor allem eine tolle Stimmung, wenn alle auf einem Haufen sind und man sich nach teilweise langer Zeit wiedersieht.“

dst

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