+
Kein Hexenwerk: Während Annette Printz die Herzdruckmassage ausübt, klebt Katrin Jungmeier die Elektroden des Defibrillators auf die Brust des Patienten. 

„Man kann nichts falsch machen“

Wie man mit Defis Leben rettet

  • schließen

Es gibt immer mehr Defibrillatoren im Landkreis. Im Ernstfall können sie das Leben eines Menschen retten. BRK-Ausbilderin Katrin Jungmeier erklärt, wie die Geräte zu finden sind und warum sie jeder benutzen kann.

Bad Tölz-Wolfrathsausen Immer mehr Defibrillatoren werden an öffentlich zugänglichen Orten platziert: in Rathäusern und Geschäften, in Sparkassen und Raiffeisenbanken und bei vielen Sportvereinen. Jüngst haben die Ascholdinger Madl über eine Crowdfunding-Aktion Geld gesammelt, um zwei weitere Defis für den Ort anschaffen zu können. Bisher gibt es nur einen am Sportheim – zu weit weg, wenn er nahe der Hauptstraße oder gar am anderen Dorfende benötigt wird.

Das Defi-Netz wird nicht ohne Grund seit Jahren dichter. „Je schneller ein Defi zum Einsatz kommt, desto besser ist es fürs Herz“, erklärt BRK-Ausbilderin Katrin Jungmeier. Erleidet eine Frau oder ein Mann einen Herzinfarkt, schwinden pro Minute zehn Prozent der Überlebenschance. Denn: Je länger ein Kammerflimmern dauert, desto mehr erschlafft das Herz. „Der Defi setzt einen Reiz, damit das Herz wieder normal schlägt“, sagt Jungmeier.

Wenn der Betroffene nicht reagiert und nicht atmet, steht laut der BRK-Ausbilderin die Herzdruckmassage an erster Stelle. Sind die Ersthelfer zu zweit, kann es aber lebensrettend sein, wenn einer von ihnen so schnell wie möglich einen Defi holt, während der Rettungsdienst zum Einsatzort unterwegs ist. Defis stehen in der Erste-Hilfe-Rangfolge an zweiter Stelle, die Beatmung ist am drittwichtigsten.

Zu erkennen sind Defis an einem Hinweisschild mit weißem Herz auf grünem Grund. Zentral erfasst werden sie nicht. Das Rote Kreuz bietet aber eine kostenlose App an, der man ein Gerät melden kann, wenn es täglich 24 Stunden zugänglich ist. Außerdem kann die Anwendung fürs Smartphone Ersthelfer zum nächsten Defi navigieren. Die Expertin informiert sich an unbekannten Orten immer mit dem Programm, wo der nächste Lebensretter zu finden wäre. „Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, kann den einen oder anderen entdecken“, sagt sie.

Ist der Defi im Notfall gefunden, braucht niemand Berührungsängste haben – das Gerät sagt, was zu tun ist. Der Defi misst, ob tatsächlich ein Kammerflimmern besteht und ob ein Schock empfohlen wird. „Man kann nichts falsch machen. Falsch wäre, nichts zu machen“, so Jungmeier. Übrigens zuckt der Patient bei der Defibrillation nur leicht – fünf Meter in die Luft fliegt niemand, das ist nur im Fernsehen so.

Defibrillation: So funktioniert’s

  • Ist ein Mensch zusammengebrochen, überprüft der Ersthelfer ob derjenige auf Ansprache reagiert und noch atmet. 
  • Ist beides nicht der Fall, beginnt der Ersthelfer nach dem Notruf mit der Herzdruckmassage. Grundsätzlich gilt: 30 Mal drücken, zwei Mal beatmen, und von vorne. 
  • Gibt es noch einen zweiten Ersthelfer, ist es ratsam, dass er möglichst schnell einen Defibrillator ausfindig macht und herbeiholt. 
  • Je nach Gerät muss es nach dem Öffnen eingeschaltet oder nur geöffnet werden. 
  • Eine Stimme gibt ab jetzt Anweisungen – die Helfer können also nichts falsch machen. 
  • Oberkörper entkleiden, beide Elektroden wie auf dem Gerät abgebildet auf auf die Haut kleben. 
  • Nun misst das Gerät und entscheidet, ob ein Schock nötig ist. 
  • Wenn ja, wird nun die Herzdruckmassage unterbrochen. Niemand darf den Patienten berühren. Ein Helfer drückt die Schocktaste an dem Defibrillator. 
  • Nun gibt das Gerät Hilfestellung bei der weiteren Herzdruckmassage und Beatmung. Nach zwei Minuten misst es, ob das Herz wieder regelmäßig schlägt und gibt entsprechende Anweisungen.

Info

Die richtige Anwendung von Defibrillatoren erfährt man auch in Erste-Hilfe-Kursen. Informationen dazu gibt es im Internet unter www.kvtoel.brk.de.

sw

Lesen Sie auch: Übung unter erschwerten Bedingungen: Bergwacht und BRK retten abgestürzte Forstarbeiterin

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Hochwasser“ von Günther Frühmorgen: 3. Teil um Chefermittler Meiller erscheint
Wer’s bairisch mag und die Musik der 1970er liebt, wird Spaß mit Günther Frühmorgens Roman „Hochwasser“ haben. Der Ambacher Autor hat den dritten Teil nun veröffentlicht.
„Hochwasser“ von Günther Frühmorgen: 3. Teil um Chefermittler Meiller erscheint
Südkoreaner rast mit geliehenem Sportwagen über A95 und kracht neun Mal in Mittelleitplanke
Weil er zu schnell in eine Baustelle gefahren ist, ist ein Südkoreaner auf der A 95 in die Mittelleitplanke gekracht und hat dadurch einen Unfall und eine Sperrung …
Südkoreaner rast mit geliehenem Sportwagen über A95 und kracht neun Mal in Mittelleitplanke
Das haben die HSG-Isar-Loisach-Handballer mit dem neuen ZDF-Krimi zu tun 
Das Warten hat ein Ende: Der Krimi „Der Polizist und das Mädchen“ ist am Montag, 24. September, im ZDF zu sehen - mit dabei waren auch Handballer der HSG Isar-Loisach.
Das haben die HSG-Isar-Loisach-Handballer mit dem neuen ZDF-Krimi zu tun 
Nicht nur neues Dach: Stadt investiert weiter in Geretsrieder Eisstadion
Die Stadt investiert weiter ins Geretsrieder Eisstadion. Es bekommt nicht nur ein neues Dach, sondern noch mehr - dafür wird die Tribüne jedoch teilweise entfernt.
Nicht nur neues Dach: Stadt investiert weiter in Geretsrieder Eisstadion

Kommentare