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Elektroautos gehört die Zukunft. Mit den speziellen Gefahren, die sie mit sich bringen, beschäftigt sich die Feuerwehr heute schon. 

Neue Technologie birgt Gefahrenpotenzial

Wie sich die Feuerwehr auf Unfälle mit E-Autos einstellt

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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100 Volt, große Batterie-Blöcke: Elektroautos sind eine Herausforderung für die Feuerwehr. Darüber sprachen wir mit Stefan Kießkalt, Sprecher der Landkreis-Feuerwehren.

Herr Kießkalt, wie bereiten sich die Feuerwehren auf die E-Technologie vor?

Stefan Kießkalt, Sprecher der Landkreis-Feuerwehren. 

Seit einigen Jahren beschäftigen sich die Feuerwehren mit diesem Thema, unsere Leute werden schon während der Grundausbildung darauf aufmerksam gemacht. Dazu gibt es auch Übungen. Des Weiteren halten die Feuerwehrschulen zu diesem Thema Schulungen ab, es gibt Fachempfehlungen der „Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren“ und viele Fachbeiträge in den einschlägigen Feuerwehrzeitungen. Zudem wurden standardisierte Handlungsabläufe bei Unfällen oder Bränden mit Fahrzeugen entwickelt. Vor Ort kann die Rettungskarte sehr schnell Auskunft darüber geben, ob bei dem Fahrzeug Besonderheiten vorliegen. Und natürlich achten die Einsatzkräfte auf bestimmte Merkmale, die auf ein Fahrzeug mit alternativer Antriebstechnik hinweisen.

Welche Merkmale sind das zum Beispiel?

Das kann entweder eine Aufschrift auf einem Fahrzeug sein oder eine fehlende Auspuffanlage – oder eben, dass der Fahrzeuglenker die Helfer darauf aufmerksam macht. Ist bekannt, dass es sich um ein Elektro-Fahrzeug handelt, kann der Einsatzleiter sofort reagieren.

Besondere Aufmerksamkeit verdient der Akku. Immer wieder geistern Meldungen über schwer zu löschende Akku-Brände durch die Presse.

Seitens der Fahrzeughersteller sind auch bestimmte Sicherheitsmechanismen verbaut, sodass eigentlich keine Gefahr vom Akku ausgehen sollte. Man wird dann immer wieder auch die Temperatur des Akkus kontrollieren, einen Brandschutz bereitstellen. Die Einsatzkräfte können über die Rettungskarte die Lage von Stromkabeln und Batterien feststellen.

Ist der sogenannte „Thermal Runaway“ – eine brennende Zelle heizt ihre Nachbarzellen so auf, dass diese auch anfangen zu brennen – ein Problem?

Beim Brand eines E-Autos wird Wasser als Löschmittel verwendet. Wasser hat die größte Kühlwirkung. Dadurch soll nicht nur der Brand gelöscht und der Akku gekühlt, sondern auch die Gefahr einer Reaktion im Akku reduziert werden. Dazu ist eine deutlich größere Wassermenge notwendig als beim Brand eines normalen Pkw. Nachdem Fahrzeug und Akku entsprechend gekühlt wurden, übergibt die Feuerwehr das Fahrzeug an ein Abschleppunternehmen. Eventuell findet eine Kontaktaufnahme mit dem Servicetelefon des Autoherstellers statt. Die Zuständigkeit der Feuerwehr endet dann hier.

Um einen brennenden Tesla zu löschen, braucht man rund 11.000 Liter Wasser. Eine solche Menge fasst doch kein Tanklöschfahrzeug.

Der Einsatzleiter der Feuerwehr macht sich bei einem Fahrzeugbrand Gedanken, wie das Fahrzeug am effektivsten zu löschen ist. Dazu gehört natürlich auch die Bewertung, ob genügend Löschwasser zur Verfügung steht. Wo kann Löschwasser entnommen werden? Gibt es Hydranten in der Nähe? Wenn nicht, werden weitere Kräfte nachalarmiert, um ausreichend Löschwasser zur Einsatzstelle zu bringen.

Ist es für den Fahrer eines Elektro-Autos überhaupt noch sinnvoll, selbst einen Feuerlöscher mit sich zu führen?

Gerade um entstehende Brände zu löschen, ist es durchaus sinnvoll, erste Maßnahmen einzuleiten. Parallel sollte der Fahrer unbedingt den Notruf 112 wählen und die Feuerwehr alarmieren. Wenn ein Auto zu brennen beginnt, geht nicht immer zwingend Gefahr vom Fahrzeugakku aus. Bei ihrem Eintreffen ist es natürlich sehr gut, wenn die Einsatzkräfte sofort die Information bekommen, dass es sich um ein E-Fahrzeug handelt.

Wurde im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen die Feuerwehr schon einmal zu einem brennenden E-Auto gerufen?

(lacht) Mir ist hier bisher kein einziger Fall bekannt.

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