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Vorsicht, Wildwechsel: Kommt es zum Unfall, ist einiges zu beachten. 

Oft völlig falsche Reaktion

Schock-Szenen nach Wildunfällen - Jäger prangert an: Eure Tierliebe macht alles nur schlimmer

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Um die 30 Mal pro Jahr wird Jäger Josef Heßlinger in seinem Revier zu Wildunfällen gerufen – und muss dann erstmal seine Arbeit erklären. Oft machen die Leute schlimme Fehler.

  • Jäger Josef Heßlinger hat schon schlimme Szenen nach Wildunfällen an der Straße erlebt.
  • Die Leute reagieren aus falsch verstandener Tierliebe oft völlig falsch.
  • Bevor Heßlinger den finalen Schuss setzen kann, muss er sich oft lange erklären.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wildunfall: Das ist oft ein Albtraum für alle Beteiligten. Das Tier liegt schwer verletzt am Straßenrand. Ein Jäger wird herbeigerufen, der es erschießen soll. Zugleich gibt es hitzige Diskussionen mit Schaulustigen, die empfehlen, doch lieber einen Tierarzt zu rufen. Ein Szenario, das der Tölzer Josef Heßlinger nur allzu gut kennt. 

30 Wildunfälle pro Jahr in seinem Gebiet - und „überzogene Tierliebe“

Um die 30 Mal pro Jahr wird er in seinem Revier am Blomberg zu Wildunfällen gerufen – und ist dann oft als Moderator und Psychologe gefragt: „Die Liebe zu Wildtieren nimmt immer mehr zu“, sagt Heßlinger. „Oft ist die Liebe aber etwas überzogen.“

Anlässe, warum Tiere blind über die Straße rennen, gibt es genug. Wenn beispielsweise auf der Schattenseite des Blombergs Schnee liegt und auf der Südseite die Sonne scheint, suchen Rehe und Hirsche nach Nahrung und begeben sich auf Wanderschaft. Während der Brunftzeit im September kann es auch immer mal wieder vorkommen, dass ein Rothirsch blind vor Liebe auf die Straße läuft. 

Hirsch, Reh, Dachs - alles landet auf der Straße

Ebenso kommt es regelmäßig vor, dass ein frei laufender Hund ein Reh jagt, das in Panik über die Straße rennt. Und nicht zuletzt weiß Heßlinger, dass nachts auf dem Blomberg-Parkplatz Hochbetrieb herrscht, wenn Marder und Dachse die Mülltonnen durchwühlen: „Die wissen, dass da zum Beispiel Schokoladen- und Müsliriegel-Verpackungen drin sind.“ Nach abgeschlossener Suche rennen sie über die Straße – und werden überfahren.

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Doch was ist zu tun, wenn ein Tier vors Auto gesprungen ist? Die Unfallstelle müsse man absichern wie jede andere auch, sagt der Wolfratshauser Polizeihauptmeister Michael Stockhammer. Ebenso wichtig sei es, bei der Polizei anzurufen: „Wir verständigen dann den zuständigen Jäger.“ Wichtig sei, die Unfallstelle möglichst genau zu beschreiben. Dabei könnten die Kilometer-Stationstafeln helfen, die alle 500 Meter an Straßen angebracht sind.

Bis der Jäger eintrifft, sollten die Unfallfahrer Distanz zum Tier halten, beobachten, wohin es verschwindet – und es auf keinen Fall verfolgen: „Wenn das Tier weit in den Wald reingehetzt wird, finden wir es womöglich nicht mehr“, sagt Heßlinger.

Wildunfälle und Reaktionen darauf: Oft werden große Fehler gemacht

Ebenso wenig sinnvoll sei es, das verwundete Tier zu betreuen. Beispielsweise, indem man ihm eine Decke umlegt: „Dadurch wird es aufgeschreckt und versucht womöglich, sich auf zwei oder drei Beinen davon zu schleppen.“ Berührungen seien generell „hochriskant“, warnt Heßlinger: „Gerade Füchse, Marder und Dachse können leicht Krankheiten übertragen.“ Wenn es sich überhaupt nicht vermeiden lässt, sollte man das Tier mit Plastikhandschuhen anfassen.

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Wenn der Jäger eintrifft, beginnt der heikle Teil – auch für den Jäger, der das Tier von der Straße ziehen muss: „Das ist nicht ungefährlich, weil da die Autos mit hohem Tempo an einem vorbeifahren“, sagt Heßlinger. Erst am Dienstag vergangener Woche wurde ein Jäger in Rheinhessen überfahren, als er versuchte, ein Reh von der Straße zu holen.

Wildunfälle: „Auch für uns ist das keine schöne Aufgabe. Aber es gibt keine andere Chance.“

Heßlinger empfiehlt, dass alle Anwesenden den Anweisungen des Fachmanns genau folgen – und ihn auf keinen Fall in Diskussionen verwickeln: „Oft muss man zehn Minuten sprechen, bis sich die Leute beruhigen“, sagt Heßlinger. „Das Tier liegt nur ein paar Meter entfernt, kriegt das mit und bekommt noch mehr Panik.“ Gleich wieder verwerfen solle man den Gedanken, das schwer verletzte Tier zum Tierarzt zu bringen: „Jedem muss klar sein, dass sich Wildtiere nicht wie Hund und Katze behandeln lassen. Wenn zum Beispiel zwei Beine gebrochen sind, kann man sie nicht einfach schienen.“ Heßlinger weiter: „Wenn man über solche Fragen diskutiert, verlängert man nur das Leiden.“

Wenn der finale Schuss ansteht, sollten sich die Beteiligten hinter den Rücken des Jägers stellen oder ins Auto steigen. Das Erschießen eines Tiers sei keine ganz leichte Aufgabe, denn das Zielfernrohr ist auf eine Entfernung von 100 Metern eingestellt. Es sei „hart“ zuzusehen, räumt Heßlinger ein. „Auch für uns ist das keine schöne Aufgabe. Aber es gibt keine andere Chance.“

Jäger wie Josef Heßlinger stoßen bei Bürgern oft auf Unverständnis. So zum Beispiel auch im Fall des Stadtjägers von Erfurt, der jüngst einen Waschbär erschoss. Das Tier war zuvor betrunken über den Weihnachtsmarkt getorkelt.

Stockhammer weist darauf hin, dass Autofahrer verpflichtet sind, Wildunfälle zu melden, sonst droht ein Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Insgesamt hätten sich heuer bereits 173 Wildunfälle ereignet. Kommt es zu einem Folgeunfall, weil der Zusammenstoß nicht gemeldet wurde, ermittelt die Polizei wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Kommt ein Autofahrer zu Schaden, droht eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung. Stockhammer: „Gott sei Dank kommt das sehr selten vor.“

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