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Die Vorstandschaft der Tafel: (v.li.) Peter Grooten (Vorsitzender), Angelika Haller (Stellvertreterin), Eliane Roth (Schatzmeisterin), Andrea Lamm, Claudia Brenner, Walter Milde und Ingrid Geiger (alle Stellvertreter).

„Wir können nicht alle satt machen“

Tafel verhängt Aufnahmestopp

Geretsried/Wolfratshausen – Was sich seit Tagen abgezeichnet hat, ist nun Fakt: Die Tafel verhängt einen Aufnahmestopp für ihre Ausgabestelle in Wolfratshausen und schränkt die Verteilung in Geretsried ein.

Knapp 930 Menschen holten Ende vorigen Jahres regelmäßig Lebensmittel bei der Tafel ab – 20 Prozent mehr, als im Jahr zuvor. „Die Hälfte der Leute, die kommen, sind Asylbewerber. Das ist schon gewaltig“, sagte Peter Grooten. So gewaltig, dass der Vereinvorsitzende sich gezwungen sah, auf die Bremse zu treten. In Wolfratshausen sei die Grenze erreicht. Einerseits ließen die Räumlichkeiten im La Vida noch mehr Abholer nicht zu. 228 Ausweise sind dort derzeit ausgegeben, damit werden 432 Menschen versorgt. Außerdem habe er angesichts der steigenden Belastung „Sorge, dass Mitarbeiter von der Fahne gehen“, erklärte Grooten in der Mitgliederversammlung am Donnerstag in den Ratsstuben.

„Wir können nicht die Lösung sein für die Verpflegung der Flüchtlinge"

„Es ist im Augenblick nicht mehr das, was es vor eineinhalb Jahren war“, bestätigte Andrea Lamm, Leiterin der Ausgabestelle in Wolfratshausen. „Damals kannten wir jeden, konnten die Leute ansprechen. Heute ist nur noch wenig Verständigung möglich. Das frustriert auf Dauer.“ Trotzdem fiel ihr die Entscheidung, vorläufig keine Bezugsausweise mehr auszugeben, schwer. Lamm: „Einer Rentnerin, der das Geld nicht reicht, zu sagen: Tut mir leid, wir haben Aufnahmestopp – damit habe ich ein Problem.“

Ingrid Geiger, neue stellvertretende Vorsitzende, erklärte: „Im Augenblick haben wir noch etwas Spielraum. Aber wollen wir warten, bis wir die Leute stapeln können, oder sagen wir jetzt Stopp? Es wird definitiv nicht weniger.“ Grooten fügte hinzu: „Wir können nicht die Lösung sein für die Verpflegung der Flüchtlinge. Das Problem können und wollen wir nicht lösen.“

Ausgabe in Geretsried im 14-tägigen Wechsel

Nach langer Diskussion stimmten die Mitglieder schließlich einem sofortigen Aufnahmestopp für Wolfratshausen zu (sechs von 39 Anwesenden stimmten dagegen, sechs enthielten sich). Der Stopp soll sich „an den tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort orientieren“. Über eine Aufhebung entscheidet der Vorstand. Weitere Antragsteller werden an Geretsried verwiesen. Auch dort gibt es eine gravierende Änderung: Wie in Wolfratshausen schon praktiziert, soll auch in Geretsried die Ausgabe künftig im 14-tägigen Wechsel erfolgen, Wann dies umgesetzt wird, entscheidet der Vorstand kurzfristig.

Völlig unkompliziert verlief zuvor die Wahl des Vorstands, der nun aus sieben statt bisher fünf Personen besteht. Statt Beisitzern gibt es nur noch Stellvertreter. „Ich will Leute, die in der Verantwortung stehen“, begründete Vereinschef Grooten die Änderung. „Es ist mir in der Vergangenheit nicht gelungen, einen Nachfolger für mich aufzubauen. Künftig muss einer der Stellvertreter in die Bresche springen, wenn es nötig ist.“ Allen aktiven Mitstreitern empfahl Grooten, sich an der Devise zu orientieren: „Wir können nicht alle satt machen – aber viele unterstützen.“

Rudi Stallein

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